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Lilien wittern ihre Chance

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Von: Ingo Durstewitz

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Glückliche Lilien, 2013 beim Coup gegen Gladbach.
Glückliche Lilien, 2013 beim Coup gegen Gladbach. © imago

Der SV Darmstadt fordert den Favoriten Mönchengladbach im Pokal – das ging schon mal gut aus, liegt aber einige Jährchen zurück.

Zuweilen taugt ja ein kurzer Blick zurück in die Vergangenheit als Mutmacher, selbst wenn diese abgeschlossen ist und mit der Gegenwart rein gar nichts mehr zu tun hat. Trotzdem: Erinnerungen können beflügeln, als gutes Omen dienen. Also: August 2013, DFB-Pokal, erste Runde: Darmstadt 98 gegen Borussia Mönchengladbach, Böllenfalltor, volle Hütte, 16 000 Leute. Die Lilien, Drittligist und trainiert vom späteren Aufstiegshelden Dirk Schuster, erwarten den Bundesligisten vom Niederrhein, es ist ein zähes Ringen um Tore. Bei den prominenten Gäste spielen noch Kaliber wie Marc-André ter Stegen im Tor, Granit Xhaka oder Max Kruse, bei den Südhessen Jan Zimmermann im Kasten, Aytac Sulu oder Marcel Heller. Nach 90 Minuten steht’s null zu null, nach 120 Minuten ebenso, das Elferschießen muss die Entscheidung bringen. Einen kann Zimmermann, heute Torwarttrainer in Frankfurt, halten, einen anderen pariert Nationaltorwart ter Stegen, und dann, ganz zum Schluss, versucht es Branimir Hrgota, später auch bei der Eintracht, mit einem dreisten Lupfer, der an die Latte fliegt und für den er dann mächtig Ärger bekommt: „Macht man nicht“, mault Manager Max Eberl. So oder so: Der Favorit ist raus, die Sensation perfekt, das Bölle bebt, und die FR titelt: „Darmstadt im Ausnahmezustand.“

Ob sich Geschichte so einfach wiederholen lässt?

Am Dienstagabend (20.45 Uhr) kommt es zur Wiederauflage, wieder Pokal, wieder in Darmstadt. Die Vorzeichen haben sich verändert, die Kräfteverhältnisse sich zwar nicht verschoben, aber zumindest angenähert. Die Voraussetzungen für eine Überraschung stehen nicht so schlecht, das Böllenfalltor ist ausverkauft, das Flutlicht angeknipst, die Lilien haben sich zu einem Topteam der zweiten Liga gemausert, führen das Klassement an. Sie sind stark, haben einen Lauf und strotzen vor Selbstvertrauen – sie wittern ihre Chance. Und: Die Darmstädter dürfen sich einem Millionenpublikum an den Fernsehgeräten präsentieren, die ARD überträgt die Zweitrundenpartie live. Sehr viel mehr Aufmerksamkeit ist für einen Zweitligisten nicht zu erhaschen.

„Uns erwartet Bundesliganiveau“, warnt Borussen-Trainer Daniel Farke. Den Ball spielt Torsten Lieberknecht natürlich sofort zurück: „Gladbach steht für eine wahnsinnige individuelle Qualität, hat eine Top-Mannschaft“, sagt der SVD-Coach, der neben den vielen anderen Verletzten nun auch monatelang auf Magnus Warming (Syndesmosebandriss) verzichten muss. Doch Jammern gilt nicht. „Es soll meinen Spielern Spaß machen, sich mit solchen Jungs messen zu dürfen“, betont Lieberknecht. „Wir müssen über uns hinauswachsen und arbeiten daran, eine Runde weiterzukommen.“ So wie damals, im August 2013.

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