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Liefern oder fliegen

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Von: Thomas Kilchenstein

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Hält man im Kopf nicht mehr aus: Pellegrino Matarazzo steht beim VfB unter Druck.
Hält man im Kopf nicht mehr aus: Pellegrino Matarazzo ist beim VfB raus. © Tom Weller/dpa

In Stuttgart und in Schalke sieht es sportlich düster aus. Schalkes Trainer Frank Kramer könnte darob seinen Job verlieren, den Stuttgarter Pellegrino Matarazzo hat es bereits erwischt. Ein Kommentar.

Er hätte in dieser Trainingswoche noch einmal alles reingeworfen, noch akribischer gearbeitet, noch intensiver Witterung aufgenommen als sonst: Pellegrino Matarazzo, der massiv in der Kritik stehende Fußballlehrer des VfB Stuttgart. Er kennt ja die Mechanismen dieser Branche, er hätte zu liefern gehabt, dringend. Der VfB ist die einzige Mannschaft in der Liga noch ohne Sieg. Aber spätestens nach dem 0:1 gegen müde Union Berliner und der danach fehlenen Rückendeckung durch Sportdirektor Sven Mislintat, der dem Italo-Amerikaner keine Jobgarantie über diese Woche hinaus geben wollte, war auch dem Fußballfachmann klar: Der Stuhl wird ihm wohl vor die Tür gesetzt. So war es dann auch - nicht einmal ein Endspiel gegen den noch schlechteren VfL Bochum am nächsten Samstag bekommt der 44-Jährige.

Das zumindest hätte man erwarten dürfen. Matarazzo genießt allerhöchste Akzeptanz, seine Kompetenz, speziell seine Sozialkompetenz, wird hoch geschätzt. In den drei Jahren beim VfB hat er sich viel Kredit erarbeitet, Aufstieg in die Bundesliga mit einer blutjungen Truppe, den Klassenerhalt im vergangenen Jahr (wenn auch erst in allerletzte Minute). Da haben die Kluboberen aus Überzeugung zu dem ausgewiesenen Fachmann gehalten, hatten Ruhe bewahrt, hatten Vertrauen. Dieses Vertrauen scheint nicht mehr vorhanden, oder hat sich der Einfluss der Einfluss der drei neuen Berater Sami Khedira, Philipp Lahm, Christian Genter schon bemerkbar gemacht? Lorbeeren aus der Vergangenheit zählen im schnelllebigen Fußballgeschäft nicht, Matarazzo hat es jetzt wieder erfahren müssen.

Kollege Frank Kramer, vom ebenfalls arg in der Bredouille steckenden Schalke 04 bekommt noch eine letzte Bewährungschance. Dabei war Kramer, seit Juli auf Schalke, nie vollauf akzeptiert, seine Verpflichtung wurde mit Argwohn begleitet, viele halten ihn, der zuvor vier Spieltage vor Schluss vom späteren Absteiger Arminia Bielefeld entlassen wurde, weil man ihm den Klassenerhalt nicht zutraute, nicht für den richtigen Mann, zu blass, zu konturlos, um bei den Knappen jene Stimmung und Atmosphäre zu erzeugen, die diese Mannschaft benötigt. „Maßlos enttäuscht“ war die sportliche Führung vom jüngsten Auftritt der Knappen. Kein Zweifel: Es ist verdammt eng für Kramer, am Freitag gegen die TSG Hoffenheim muss er liefern. Und in Thomas Reis, den Schalke schon im Sommer wollte, steht ein Nachfolger bereit - er wurde unlängst in Bochum freigestellt, weil man ihm den Klassenerhalt nicht zutraute.

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