Sommermärchen

Der DFB lief brav bei Fuß

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Neue Akten enthüllen: WM-OK-2006 forderte von der Fifa nahezu kampflos 6,7 Millionen Euro zurück.

Der Deutsche Fußball-Bund hat nach Aussagen des Ex- Fifa-Generalsekretärs Urs Linsi versucht, eine Überweisung an den Weltfußballverband von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2005 zurückerstattet zu bekommen. Das geht aus einem Vernehmungsprotokoll der Frankfurter Staatsanwaltschaft vom 29. November 2017 hervor, das der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Der exakte Betrag war seinerzeit von der Fifa binnen eines Tages zum ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet worden, dem der damalige WM-OK-Chef Franz Beckenbauer genau diese Summe seit knapp drei Jahren schuldete. Wofür, ist bislang nicht bekannt.

Die Überweisung des DFB an die Fifa vom 26. April 2005 war mit dem Betreff „Kostenbeteiligung Fußball-WM-Gala“ versehen gewesen. Nicht nur die Kanzlei Freshfields, die im Frühjahr 2016 für rund sieben Millionen Euro im Auftrag des DFB in der Sommermärchen-Affäre ermittelte, geht von einem bewusst falsch deklarierten Betreff aus.

Die Gala wurde später abgesagt, weil der Vorverkauf so schleppend verlief. Linsi offenbarte den Frankfurter Ermittlern, der DFB habe daraufhin „versucht, die Zahlung zurückzufordern“. Er, Linsi, habe „den Schmidt (damaliger geschäftsführender WM-OK-Vizepräsident, die Red.) angerufen und die Rückzahlung vehement abgelehnt“. Er habe das „mit den hohen Kosten der Fifa im Zusammenhang mit der Eröffnungsveranstaltung“ begründet. „Das hat Schmidt auch begriffen.“

Der DFB lief auch deshalb brav bei Fuß, weil er sich neben Orgastress, Schiedsrichter-Korruptionsaffäre, Ärger mit dem TÜV wegen der Stadien und mit der Liga wegen Bundestrainer Klinsmann nicht noch einen Streit um Geld mit der Fifa leisten wollte. Zumal diese bereit war, 170 Millionen Euro WM-Zuschuss zu gewähren. Angeblich, aber schwerlich glaubhaft, hatte Beckenbauer deshalb schon 2002 genau jene 6,7 Millionen Euro als geheime Gegenleistung für den WM-Zuschuss ans damalige Fifa-Finanzkommissionsmitglied Mohamed Bin Hammam gezahlt.

Zudem hieß es aus Kreisen des deutschen WM-OK, der damalige Fifa-Präsident Sepp Blatter habe eine Unterstützung von acht Millionen Euro zum Deutschen Fußballmuseum (das 2015 in Dortmund eröffnet wurde) in Aussicht gestellt. Die habe man nicht gefährden wollen. Vor allem aber stand die Furcht im Raum, Beckenbauer hätte als Präsident des WM-OK 2006 zurücktreten können, wenn das Geld nicht geflossen wäre.

Horst R. Schmidt und seine ehemaligen WM-OK-Kollegen Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach – allesamt wohl nicht die dunklen Männer, sondern höchstens Handlanger hinter der Schieberei – droht aktuell ein Prozess wegen Steuerhinterziehung vor dem Frankfurter Landgericht, nachdem am Montag das Bundesstrafgericht der Schweiz das Verfahren um die unklare Überweisung wegen Verjährung eingestellt hatte. Der DFB „bedauert“ die Einstellung des Verfahrens laut Schatzmeister Stephan Osnabrügge „sehr“. Im Verband hatte man gehofft, durch Hinweise eines zuvor nicht aussagebereiten Zeugen vorm Schweizer Gericht der komplexen Wahrheit näher zu kommen.

Auch die Fifa, durch Geheimtreffs ihres Bosses Gianni Infantino mit dem Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber auch in dieser Sache nicht gerade bestens beleumundet, ließ wissen, sie sei „sehr enttäuscht“ über den Ausgang. Der Fall sei für sie „keinesfalls abgeschlossen“.

Das ist er auch für den DFB nicht, der mithilfe einer Wirtschaftsdetektei neuerliche Recherchen anstrengt. Zuletzt wurde von verschiedenen Seiten gefordert, der DFB möge den Druck auf die Fifa erhöhen. Der Weltverband solle die umstrittene WM in Katar als Druckmittel auf das Emirat nutzen, Bin Hammam endlich zum Reden zu bringen.

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