Amateurfußball

Lieber keinen Schnellschuss in der Corona-Krise

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Ein schriftlicher Appell des Hessischen Fußball-Verbands an seine 2110 Vereine: „Gebt uns Zeit“.

Die Amateurkicker sind unter die Hobbyläufer gegangen, zumindest in Zeiten von Corona. Was im Normalfall als des Fußballers schlimmster Alptraum anmutet, Vorbereitungen mit Konditions- und Joggingeinheiten, bedeutet dieser Tage für viele, viele Ballfreunde den sportlichen Alltag. Wer beispielsweise mal seine Blicke am Mainufer in Frankfurt schweifen lässt, der sichtet ständig der liebsten Körperertüchtigung abtrünnige Renner. Die Trainingsshirts der Stadtteilklubs aus Oberrad, Sachsenhausen oder Rödelheim übergeworfen, und schon geht’s los. Auch ein netter Bauchansatz will schließlich nicht zur hinderlichen Plauze verkommen.

Insofern klingt der Hinweis des Hessischen Fußball-Verband (HFV), dass ihn zuletzt vermehrt Appelle nach möglichst rascher Wiederaufnahme des Spielbetriebs erreichten, nur allzu logisch. Der Wunsch nach ordentlichem Fußballtraining samt kühlendem Kabinenbierchen wird lauter. Ändert aber an der Situation nichts. Dies machte der HFV nun in einem Rundschreiben an die 2110 hessischen Vereine klar. „Bitte gebt uns die Zeit, die wir für eine rechtlich saubere Entscheidung brauchen“, heißt es im Statement von Frank Illing, dem HFV-Vorsitzenden des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung. Leider habe man die Zeitschiene nicht in eigener Hand.

Klar ist: Ein Saisonabbruch soll dringend vermieden werden, wären die daraus resultierende Probleme doch kaum fair zu lösen: Wie ist die Saison hinsichtlich Auf- und Absteigern zu werten, wird sie ganz annulliert oder zählt die Hinrundentabelle? Und so weiter und so fort.

Angepasste Wechselregel

Wie Illing erklärt, gebe es bei einem hessenweit vom HFV angeordneten Saisonabbruch auch ein rechtliches Problem. „Ein Abbruch durch das Präsidium oder den Verbandsvorstand bedeutet gleichzeitig, dass die Mitglieder dieser Gremien für den entstehenden finanziellen Schaden auch mit ihrem Privatvermögen haftbar gemacht werden können.“ So könne es sein, dass beispielsweise ein Kreisfußballwart mit seinem Geld einstehen müsste – für Illing und den HFV ein No-Go.

Die Spielzeit muss daher auf einem Außerordentlichen Verbandstag abgebrochen werden, so steht es in den Statuten. Dieser benötigt jedoch eine Ladungsfrist, also einen Vorlauf von mindestens vier Wochen, könnte also frühestens im Mai stattfinden. Bei solch einer Tagung müsste dann aber auch recht konkret über Auf- und Abstiegsregelungen entschieden werden, was freilich Mitte Mai aus jetziger Sicht nur schwerlich möglich erscheint. Logisch, dass der HFV da also auf Zeit spielt und die Vereine um Geduld bittet. „Wir haben noch ein wenig Hoffnung, die Saison doch noch irgendwie fortführen zu können“, so Illing.

Entschieden ist dagegen, wie es bei den Wartefristen für Vereinswechsel weitergeht. Bisher erhielten Amateurspieler bei einem Klubwechsel die sofortige Freigabe, falls das letzte Pflichtspiel für den alten Verein sechs Monate zurücklag. „Da viele Vereine seit Beginn der Winterpause keine Pflichtspiele mehr austragen konnten, würden die anfallenden Wartefristen ins Leere laufen“, erklärte nun HFV-Vizepräsident Torsten Becker: „Dies würde zu erheblichen finanziellen Einbußen des abgebenden Vereins beim Vereinswechsel führen“. Sprich: Spieler hätten laut alter Regelung ohne eine Ausbildungs- und Ablöseentschädigungen wechseln können. Diesem möglichen Prozedere wurde ein Riegel vorgeschoben. Durch die zunächst bis Saisonende befristete Bestimmung wird der Zeitraum, in dem wegen der Corona-Krise der Spielbetrieb pausiert, schlicht nicht mit eingerechnet. Die Regelung hat seit dem 15. April Bestand.

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