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Uli Hoeneß hat den grassierenden Selfie-Wahnsinn als "neue Krankheit in unserer Gesellschaft" bezeichnet.

Bayern München

Lieber Uli Hoeneß!

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Alle wollen Selfies mit Uli Hoeneß, um sich zu bereichern. Unser Autor will sie nur für seinen Schrein. Ein nicht ganz ernst gemeinter Brief.

Lieber Uli Hoeneß,

als einer Deiner größten Fans durchforste ich immer ganz aufgeregt das Internet nach Neuigkeiten über Dich. Wie ein kleiner Junge habe ich mich gefreut, als Du kürzlich in einem Interview mit der „Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung“ so zuvorkommend warst, uns Normalsterblichen zu erklären, wie man sich in Anwesenheit eines waschechten Promis verhält. „Wir sind ganz normale Burschen“, sagst Du, und Deine grenzenlose Bescheidenheit entlockt mir eine Träne der Rührung. In jeder Lebenslage bist Du Deiner Vorbildfunktion gerecht geworden und dabei doch Du selbst geblieben – ob als Wurstfabrikanten-Millionär, als FC-Bayern-Präsident, als reuiger Steuersünder oder als zorniger Racheengel im Feldzug gegen skrupellose Reporter, die sich nicht mit Hofberichterstattung über Deinen geliebten Fußballklub begnügen wollen.

Allerdings machen mich Deine Worte auch sehr betroffen, wenn Du den grassierenden Selfie-Wahnsinn als „neue Krankheit in unserer Gesellschaft“ bezeichnest. Es macht mich krank, dass die Instagram-Influencer unserer digitalen Zeiten Deine Prominenz für Ihre schamlose Selbstvermarktung ausnutzen – wohlwissend, dass ein Selfie mit Dir ungleich mehr wert ist als die funkelnde Rolex von Karl-Heinz Rummenigge. Dabei würde schon ein kritischer Blick in dessen Grundgesetz reichen, um festzustellen: „Die Würde des Uli ist unantastbar.“

Auf ewig dankbar bleibe ich Dir vor allem dafür, dass Du mir einen neuen Blick auf unsere gemeinsame Passion eröffnet hast: den Fußball. Durch Deine Expertise ist mir klar geworden, dass Karim Bellarabi „geisteskrank“ ist, Mesut Özil die Nationalelf ruiniert hat – das wird man doch wohl noch sagen dürfen – und Juan Bernat mit seinem „Scheißdreck“ die alleinige Schuld für das Fast-Ausscheiden Deines FC Bayern gegen Sevilla in der Champions League trug. Der FC Bayern ist halt eine „Mia-san-mia“-Familie, Dein Lebenswerk, loyal bis zum Tod – und ein dreckiger Verräter wie Bernat gehört folgerichtig zum Abschuss freigegeben.

Nur Dilettanten und Neider wagen es zu behaupten, es habe nicht an Bernat gelegen, sondern daran, dass der FC Bayern München einfach den Moment zur Kader-Verjüngung und -Verstärkung verpasst habe. Wenn Du in solchen Momenten wie eine überreife Tomate anläufst und die Kritiker wutschnaubend zurechtweist, dann hätte ich allerdings schon gern ein Selfie mit Dir. Nur für meinen Schrein daheim.

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