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Neue Chance in der Bundesliga: Peter Bosz, in Dortmund gescheitert.

Bayer Leverkusen

Liebe auf den zweiten Blick

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Bayer Leverkusen wollte den neuen Trainer Bosz schon 2017 verpflichten.

Als Rudi Völler am Samstagabend nach dem 3:1-Sieg über Hertha BSC bei Heiko Herrlich vor der Tür stand, war der Trainerwechsel bei Bayer Leverkusen beschlossene Sache. Der vorweihnachtliche Aufschwung kam für Heiko Herrlich zu spät, die unschöne Bescherung nach einer insgesamt enttäuschenden Hinrunde daher wenig überraschend:. Herrlich muss ungeachtet eines beachtlichen Schlussspurts gehen, als Nachfolger wurde einen Tag vor Heiligabend Peter Bosz verkündet. „Ich habe ihm alles erklärt. Wir haben ihn lange gestützt. Die Entwicklung war aber nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, begründete Sport-Geschäftsführer Völler am Sonntag die Entscheidung des Fußball-Bundesligisten gegen Herrlich. Der Ex-Weltmeister verwies auf die Stagnation in der Entwicklung des Teams, die leider „nicht mehr zu leugnen“ sei.

Herrlich hatte zuvor in der Pressekonferenz alle Fragen höflich beantwortet, selbstkritisch und in einer betont demütigen Haltung. Er verstehe sich immer als Diener des Vereins, legte er dabei sein persönliches Glaubensbekenntnis als Fußballlehrer ab. Am Sonntagvormittag hatte der 47-Jährige dann ausgedient. Um 11.01 Uhr verschickte der Werksklub die Nachricht von der Entlassung. Den Job als Bank-Chef übernimmt mit der Rückkehr aufs Trainingsgelände am 4. Januar der Niederländer Peter Bosz.

Für den 55-Jährigen aus der Provinz Gelderland ist es eine Liebe auf den zweiten Blick. Im Sommer 2017 war Bosz schon mal Trainerkandidat bei Bayer, ging aber lieber zu Borussia Dortmund – wo er nach einem halben Jahr auch schon wieder entlassen wurde. Anstelle von Bosz, zwei Monate vor seinem Einstieg beim BVB mit Ajax Amsterdam bis ins Finale der Europa League vorgerückt, wurde in Leverkusen Heiko Herrlich installiert.

Der Torschützenkönig der Bundesliga im Jahr 1995 bekam das Durcheinander dort mit seiner spielerfreundlichen Art zügig in den Griff, hätte den Klub in diesem Frühjahr sogar fast in die Champions League geführt. In der Trostklasse Europa League gelang seinem Ensemble der Gruppensieg. Im DFB-Pokal zog das Team mit einem 5:0 in Gladbach ins Achtelfinale ein. Und im Ligabetrieb holte Herrlich nach miserablem Start zuletzt 13 Punkte aus sechs Partien.

Auf dem aufsteigenden Ast sägte Bayer Herrlich ab

„Die Leistungskurve geht nach oben“, befand Doppel-Torschütze Havertz nach dem Hertha-Spiel und blickte kommentierend ins neue Jahr: „Was wir heute mit Heiko Herrlich geleistet haben, darauf lässt sich abbauen.“ Die Klubspitze sah das anders, auf dem aufsteigenden Ast sägte sie den schmalen Übungsleiter ab.

Herrlichs Nachfolger machten die Leverkusener in ihrer Pressemitteilung dann um ein Jahr jünger als er tatsächlich ist – beeinflusst womöglich von der eigenen Einschätzung, dass der Mann aus Apeldoorn vor allem mit der Fußball-Jugend bestens klarkommt.

Bosz habe bei seinen bisherigen Trainerstationen „immer eine besondere Passion bei der Arbeit mit jungen Spielern gezeigt“, wird der neue Sportdirektor Simon Rolfes zitiert. Und weiter: „Peter passt auch deswegen hervorragend zu uns, denn wir setzen seit vielen Jahren darauf, hochtalentierte Nachwuchskräfte weiterzuentwickeln und sie in einer ausgewogenen Kombination mit erfahrenen Profis auf Topniveau zu heben.“ Entsprechend werde Leverkusens Kader von der Zusammenarbeit mit Peter Bosz profitieren.

In seiner überschaubaren Schaffenszeit in Dortmund pflegte der frühere Mittelfeldakteur, der acht Länderspiele für die Niederlande bestritt, mit sehr großem Nachdruck das 4-3-3-System. Mit der Mannschaft, die eine stabilere Herangehensweise bevorzugte, kam es deshalb zu Differenzen. Im Rheinland soll er nun das hochbegabte Bayer-Ensemble. zurück in die oberen Tabellenregionen coachen. Denn, so Völler in seinen Abschiedsworten an Ex-Diener Herrlich: „Wir befinden uns nach der insgesamt nicht befriedigenden Halbserie in einer Situation, die einen Trainerwechsel notwendig macht.“ (mit dpa/sid)

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