+
Der neue Präsident ist ein alter Spieler des Hamburger SV: Marcell Jansen.

Neuer HSV-Präsident

Die Liebe des Marcell Jansen zum Hamburger SV

  • schließen

Die Mitglieder des Hamburger SV wählen Ex-Profi Marcell Jansen zum Präsidenten. Seine Aufgabe wird sein, den notorisch verschuldeten Klub aus den roten Zahlen zu führen. Ein Kommentar.

Im Schatten des Rückrundenauftakts der ersten Fußball-Bundesliga ist es eine Etage tiefer zu einer wegweisenden Entscheidung gekommen: Den ehemaligen Nationalspieler Marcell Jansen hat eine Kampfabstimmung ins Präsidentenamt beim Hamburger SV geführt. Der 33-Jährige ist somit zwar nicht der mächtigste Mann im Klub – das bleibt Bernd Hoffmann als Vorstandschef der Fußball-AG –, aber als Haupteigner der Profiabteilung und designierter Aufsichtsratsvorsitzender wird Jansen zentrale Steuerfunktionen übernehmen. Vor allem wird er mitzuentscheiden haben, ob der nach einem, auch von Hoffmann zu verantwortenden, Jahrzehnt des Missmanagements notorisch unterfinanzierte HSV weitere Anteile verkauft. Seit der vorschnell als Befreiungsschlag gefeierten Ausgründung der HSV Fußball-AG im Sommer 2014, die den Klub mit frischem Geld zurück in die Spitze führen sollte, sind knapp 24 Prozent der Anteile verkauft und prompt ausgegeben worden. Allein Multimilliardär Klaus-Michael Kühne hat 20,5 Prozent erworben, mit seiner grobschlächtigen medialen und operativen Einflussnahme aber mehrfach zur Kapitalvernichtung nach typischer Art des Hauses HSV beigetragen.

 Zu Jansens Job gehört es nun, das über die Jahre arg zersauste Unternehmen gemeinsam mit Hoffmann dahin zu bringen, dass beim HSV in erster Linie über Fußball geredet wird und nicht über Finanzen. Am Samstag bei der sich bis in die Abendstunden ziehenden Versammlung war das, wie in all den Jahren zuvor, noch anders. Und zwar mal wieder notgedrungen. Denn der HSV hat sich die blanke Unverschämtheit geleistet, sich vor sechs Jahren bei seinen Fans 17,5 Millionen Euro zu leihen, um darüber den „HSV-Campus“ am Volksparkstadion zu finanzieren. Tatsächlich wurde das Geld dann ins laufende Geschäft gepumpt. Das Campus-projekt konnte nur dank eines Zehn-Millionen-Euro-Geschenks des Unternehmers Alexander Otto verwirklicht werden. Der Peinlichkeit wird nun die Krone aufgesetzt, denn am Samstag musste HSV-Finanzchef Frank Wettstein einräumen, dass die alte 17,5-Millionen-Euro-Anleihe nur zurückgezahlt werden könne, wenn eine neue 17,5-Millionen-Euro-Anleihe aufgelegt würde.

So lebt der HSV unfröhlich von der Hand in den Mund. Ein Verein in einer der bedeutendsten Metropolen Europas mit mehr als 80 000 Mitgliedern, aber auch mehr als 80 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Eine Herkulesaufgabe, aber auch eine große Chance für Jansen, dessen Eltern in seinem Heimatverein SV Mönchengladbach einst die Bratwürste überm Grill gedreht haben, der ehrenamtliche Arbeit somit von der Pike auf kennengelernt hat. Und der spätestens mit der Amtsübernahme beim HSV einen legendären Satz von Rudi Völler diametral widerlegt hat. Die Fußballlegende Völler hatte Jansen nach dessen Rücktritt im zarten Profialter von 29 Jahren überaus unfreundlich geziehen: „Wer so etwas macht, hat den Fußball nie geliebt.“ Und er liebt ihn doch!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion