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Robert Lewandowski.
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Robert Lewandowski.

Fußballer des Jahres

Lewy, der Große

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Robert Lewandowski ist der beste Stürmer der Welt, auch weil er dank Bayern-Trainer Hansi Flick den Wert des Gemeinsinns erkannt hat.

Es gibt eine Geschichte über den jungen Robert Lewandowski, eine von damals, als er in Warschau noch ein kleiner Bub war, die tief blicken lässt in sein Inneres. Angeblich, so die Erzählung, soll der kleine Robby den Hund der Familie, einen Boxer namens Kokusia, wochenlang derart strikt erzogen haben, dass der nicht mehr auf Bällen herumkaute, sondern sie stattdessen nur mit der Schnauze stubste. Und noch mehr: Er soll sie sogar mit einem kleinen Hopser, so hoch dies Boxern überhaupt möglich ist, in der Luft abgebremst haben. Der Grund für die ungewöhnliche Hundeerziehung: Der kleine Robert Lewandowski brauchte einen Torwart, er wollte Elfmeterschießen üben.

Mag sein, dass der Geschichte mit all den Jahren einige nette Wendungen hinzugefügt wurden, dass Robert Lewandowski aber bereits als Heranwachsender ein ehrgeiziger Typ war, steht ohne Zweifel fest. In seiner Autobiografie „Meine wahre Geschichte“, die auch die tierische Story preisgibt, berichtet der Starstürmer des FC Bayern München, wie es für ihn so war als kleiner Robert. Mit seiner Mutter Iwona, die Volleyballspielerin in Polens erster Liga war. Mit seinem Vater Krzysztof, der Fußball in der zweiten polnischen Liga spielte und zusätzlich Judo-Europameister wurde. Mit ihm, dem fußballverrückten Kind, das schon damals immer nur eines wollte: Tore schießen.

Zwei Jahrzehnte später ist Lewandowski aktuell wohl der beste Mittelstürmer der Welt, für Lothar Matthäus gar der „kompletteste Spieler auf diesem Planeten“. Gestern Abend wurde der 32-Jährige dann in Zürich bei der Fifa-Wahl zum Weltfußballer dann entsprechend ausgezeichnet. Er gewann vor Lionel Messi (FC Barcelona) und Cristiano Ronaldo (Juventus Turin) den begehrten Silberball. Lewandowski, der sich für seinen großen Abend im lilafarbenen Smoking mit Fliege präsentierte, war am Ziel seiner Träume angelangt: „Uff! Das ist ein unglaubliches Gefühl, ich bin sehr stolz und zufrieden. Das ist ein großer Tag für mich und meinen Verein, die Mitspieler. Dieser Preis gehört auch ihnen und dem Staff.“ Nach den Ehrungen als Deutschlands und Europas Fußballer des Jahres machte „Lewa“ seinen persönlichen Titel-Hattrick perfekt. Er ist der erste Profi aus der Bundesliga, dem die Weltfußballer-Ehre zuteil wird. Einziger deutscher Sieger war 1991 Lothar Matthäus (Inter Mailand). Zur Weltfußballerin kürten die Juroren die Engländerin Lucy Bronze, die mit Olympique Lyon die Champions League gewonnen hatte. Erwartungsgemäß wurde Lewandowskis Vereinskollege Manuel Neuer als Welttorwart ausgezeichnet, Welttrainer wurde erneut Jürgen Klopp (FC Liverpool) vor Hansi Flick (FC Bayern) und Marcelo Bielsa (Leeds United).

Als ob Robert Lewandowski hätte zuvor noch einmal Werbung in eigener Sache betreiben müssen, unterstrich Lewandowski zuvor am Mittwochabend beim mühevollen 2:1 im Bundesligaspiel gegen Wolfsburg erneut seine Weltklasse. Er erzielte beide Treffer für die Münchner. Es waren seine Bundesligabuden 250 und 251 im 332. Spiel, nur Klaus Fischer (268) und Gerd Müller (365) waren in der Historie noch treffsicherer. 15-mal hat der Angreifer in dieser Saison bereits in der Liga getroffen, 18 Pflichtspieltreffer in 17 Spielen sind es wettbewerbsübergreifend. Und der Superlative noch nicht genug: Die vergangene Runde beendete er insgesamt mit 47 Treffern. Geschmeidigkeit, Athletik und Präzision stehen bei ihm in einem idealen Verhältnis.

Tore hat Robert Lewandowski zeit seiner Profilaufbahn quasi schon immer geschossen. Erst in Polen bei Lech Posen, dann ab 2010 unter Trainer Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund, ehe er vier Jahre darauf zum deutschen und zurzeit auch weltweiten Branchenführer aus München wechselte. Lewy, wie er gerufen wird, war stets einer der prägendsten Profikicker in Deutschland, im polnischen Nationalteam sowieso, allerdings: Oft wirkte er dabei wie ein Individualsportler.

Als er den BVB 2014 gen Süden verließ, schmerzte das die Dortmunder sportlich sicher gewaltig, die schwarz-gelben Fanseelen aber trauerten eher der Abgänge von Mats Hummels und Mario Götze wegen. Lewandowski umwaberte lange Jahre die Aura eines Unnahbaren, einer fehlerlosen Maschine, ja auch eines Egoisten. Die Bachelorarbeit an der Sporthochschule von Warschau schrieb er über sich selbst. Der Titel: „RL9. Der Weg zum Ruhm.“

Er traf und traf und traf, die Zuneigung aber gehörte im Gros den Ribérys und Robbens dieser bayerischen Fußballwelt. Lewandowski wollte zwischenzeitlich weg aus München, zu Real Madrid, um dort beim größten Klub der Welt der Größte seines Sports zu werden. Er durfte nicht.

Und dann kam Hansi Flick. Der Fußballlehrer aus Heidelberg legt viel Wert auf den Gemeinsinn, er lebte diesen vom ersten Tag seines Cheftrainerdaseins bei den Bayern vor – und führte nicht nur den Klub durch das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte, sondern auch Lewandowski.

„Vom Ich zum Wir“, titelte das Fußballmagazin „11 Freunde“ vor einigen Monaten, als Lewandowski gerade die persönliche Auszeichnung zu Deutschlands und Europas Fußballer des Jahres erhalten hatte. „Ich bin sehr stolz darauf. Umso mehr, als die Erwartungen an mich immer höher werden und ich in jedem Jahr versuche, sie noch zu übertreffen“, sagte der Angreifer im „Kicker“.

Mit 32 Jahren ist Robert Lewandowski auf dem Rasen der beste Robert Lewandowski, der er je war. Sein Körper ist noch immer ausgezeichnet in Schuss, eine kleinere Verletzung zu Anfang des Jahres überstand er locker, vor allem ohne anschließenden Formverlust. Er ist ein perfekter Athlet, „er ist einer der professionellsten Fußballspieler, mit denen ich je gearbeitet habe“, sagte auch Trainer Pep Guardiola.

Lewandowski achtet gemeinsam mit Gattin Anna, einer ehemaligen professionellen Karatesportlerin, penibel auf die Ernährung. Kohlenhydrate und Proteine werden nur getrennt gegessen, auf Fast Food verzichten beide, ebenso wie auf frittierte Speisen. Er holte sich Rat bei einem Schlafexperten, um nachts die optimale Liegeposition zu finden.

Fleiß, Disziplin, Ehrgeiz, Talent, Kameradschaft – Attribute, die Robert Lewandowski vom FC Bayern München in diesem Jahr zum besten Stürmer des Planeten gemacht haben. (mit dpa/sid)

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