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Lewandowski und der Preis

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Von: Thomas Kilchenstein

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Wieder in München: Robert Lewandowski. Wie lange noch? dpa
Wieder in München: Robert Lewandowski. Wie lange noch? dpa © dpa

Wahrscheinlich werden die Bayern den Weltstar ziehen lassen – wenn genügend Millionen aufs Konto fließen. Das muss man nicht unbedingt gut finden, aber so ist das Geschäft.

Es ist die ewige Frage im Profi(t)-Fußball, eine Frage, die sich einer wie Paul Breitner, die Älteren erinnern sich, Mao, Peking Rundschau, Rauschebart, Cohiba im Mund, zu seiner Zeit in den 70er, 80ern nicht mal zu stellen gewagt hätte, und der brillante Fußballer Breitner galt damals durchaus als Rebell: Gibt man einem Profi, der trotz Vertrags auf Teufel komm raus den Klub verlassen will, nach? Der FC Bayern muss sich diese Frage gerade nicht nur stellen, sondern sie auch beantworten. Und das dürfte eine spannende innenpolitische Erörterung wert sein - mit dem Ergebnis dürfte vermutlich in dieser Woche zu rechnen sein.

Immerhin hat Robert Lewandowski am Dienstag absprachegemäß nach seinem Sonderurlaub seinen Dienst angetreten, zur medizinischen Untersuchung ist er in München aufgetaucht. Ansonsten hat der Mann, der in 253 Bundesligaspielen für den Branchenführer 238 Tore erzielt und so ziemlich alle Rekorde pulverisiert hat, kein Hehl daraus gemacht, längst Vergangenheit zu sein beim FCB. Es könne keine „gute Zusammenarbeit mehr geben“, ließ er via Berater und persönlich mitteilen, die Geschichte bei den Bayern sei „vorbei“. Er strebt einen Tapetenwechsel an, der FC Barcelona soll es sein.

Die Kleinigkeit, dass der treffliche Pole noch einen rechtsgültigen Vertrag bis 2023 bei den Münchnern hat, interessiert ihn nicht: Er will weg, Punktum.

Offensichtlich gibt es im inneren Bayern-Kosmos zwei Strömungen: Die eine, die folkloristische, verklärende, vertritt die Auffassung: pacta sunt servanda, Verträge sind einzuhalten, und wenn nicht der FC Bayern, wer sonst, könnte selbst einen Superstar wie Lewandowski zur Räson bringen, die Bayern sollten hart bleiben. Uli Hoeneß, der Ehrenpräsident, ist entschieden der Meinung, diese guten, alten Werte hochzuhalten, er ist halt grade nur nicht mehr in der Verantwortung.

Das sind andere jetzt, Oliver Kahn etwa oder Hasan Salihamidzic, und die stammen nicht nur aus einer anderen Generation, sondern sind auch kühl kalkulierende, rationale CEOs. Wenn der Preis stimmt, sei über alles zu reden, 50 Millionen Euro sollten es aber halt schon sein.

Das ist eine schöne Stange Geld für einen bald 34-Jährigen am Ende seiner Karriere, der ja ohnehin spätestens in zwölf Monaten, dann ablösefrei, gehen könnte. Und wird er, quasi gegen seinen Willen, in einem letzten Jahr nochmals seine phänomenale Tor-Quote erreichen? Und will ein Julian Nagelsmann das Risiko eingehen, dass ein unzufriedener Lewandowski die Kabine durcheinander bringt. Schließlich: Auch ein Lewandowski wird, bei aller Professionalität, ja nicht jünger. Und Sadio Mané, frisch aus England geholt, steht im Ruf, auch nicht ganz schlecht zu sein.

Am Ende wird es darauf hinauslaufen, dass Lewandowski seinen Willen bekommt - wenn der Preis stimmt. Das ist unschön, es widerstrebt einem, jemanden ziehen zu lassen, der seinen Abgang dreist provoziert, der einem die Pistole auf die Brust setzt. Da ballt man die Faust in der Tasche, andererseits ist diese Praxis im Profizirkus gang und gebe. Es muss nicht mal gleich gestreikt werden, allein die Andeutung, womöglich nicht mehr mit ganzem Herzen bei der Sache sein zu wollen, reicht als Drohgebärde vollkommen aus.

Dass Robert Lewandowski seinen guten Ruf in der Öffentlichkeit aufs Spiel setzt, dass er seinen Arbeitgeber, der ihm in den letzten acht Jahren geschätzte 150 Millionen Euro aufs ohnehin schon prall gefüllt Konto überwiesen hat, brüskiert, ist ihm egal. In Barcelona ist der Scheck noch dicker.

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