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Leverkusen zu Gast bei Mainz 05: Hässlich siegen ist erlaubt

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Von: Jan Christian Müller

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Feiner Techniker mit viel Tempo: Leverkusens Doppeltorschütze Jeremie Frimpong.
Feiner Techniker mit viel Tempo: Leverkusens Doppeltorschütze Jeremie Frimpong. © IMAGO/Revierfoto

Bayer Leverkusen nimmt Gastgeschenke von Mainz 05 dankend an und verschafft sich in der Tabelle Luft nach unten.

Eigentlich besitzt Mainz 05 eine besondere Gabe: Die Nullfünfer beherrschen nämlich die Fertigkeit, Gegner, die eigentlich besonders schön Fußball spielen können, ausgesprochen hässlich aussehen zu lassen. Am Samstag jedoch hat Bayer Leverkusen es geschafft, den Spieß umzudrehen. Angesichts der prekären Krisensituation mit drei Niederlagen zum Saisonstart verordnete der kluge Trainer Gerardo Seoane seinen Künstlern nämlich Kärrnerarbeit. Obendrauf kam noch eine Prise Glück und Mainzer Unvermögen - und schon siegte die Werkself 3:0 (3:0). So wurde Mainz 05 mit eigenen Mitteln geschlagen und hinterließ einen ziemlich verärgerten Trainer.

Bo Svensson war vom Kollegen Seoane nach allen Regeln der Kunst ausgecoacht worden. Der als selbstkritisch bekannte Däne ärgerte sich auch über sich selbst. Er hatte nicht damit gerechnet, dass die als angriffslustig bekannten Leverkusener mit einer tiefstehenden Fünferkette agieren und sich nahezu rein aufs Kontern beschränken würden. Die beiden mit Abstand Schnellsten auf dem Platz waren schnell ausgemacht: Moussa Diaby und Jeremie Frimpong.

Der Niederländer ging mit zwei Treffern vom Platz, jeweils erzielt nach schweren Patzern des Mainzer Innenverteidigers Maxim Leitsch. Der Ex-Bochumer hatte in den ersten Spielen zur vollsten Zufriedenheit seines Vorgesetzten performt, dürfte aber Probleme bekommen, die vom zu Nottingham Forest abgewanderten Ex-Kapitän Mousaa Niakathé hinterlassene Lücke zu schließen. Wenn die Dreierkette der Rheinhessen mit den klugen, aber langsamen Stefan Bell und Alexnder Hack so hoch agiert wie gegen Leverkusen, darf sie sich derartige Aussetzer nicht leisten. Hinzu kam ein Eigentor von Jonathan Burkardt.

Der in der vergangenen Spielzeit noch so formstarke Stürmer ist nach seiner Muskelverletzung noch längst nicht wieder der Alte. Auch Nationalspieler Anton Stach findet nicht in den Flow, der ihn in den Kader von Hansi Flick gebracht hat. Entsprechend unzufrieden war Svensson nicht nur mit der Abwehrarbeit, sondern noch mehr mit dem rumpeligen Aufbauspiel. Schon zur Pause wechselte er neben Hack und Burkardt auch den Fünf-Millionen-Euro-Neuzugang Angelo Fulgini aus, der in der Anfangsphase die einzige Mainzer Großchance vergab. Der Verdacht liegt nahe: Svensson wähnte seine Mannschaft nach zwei Auswärtssiegen in Bochum und Augsburg und einem Unentschieden gegen Überflieger Union Berlin eigentlich schon weiter, als sie es in der Tat ist. 05-Torwart Robin Zentner fasste das Gesehene treffend zusammen: „Die haben uns den Ball gegeben, aber wir wussten nichts damit anzufangen.“

Zwei Gelb-Rote Karten

Bei Bayer Leverkusen ist durch den ersten Saisonsieg erst einmal pure Erleichterung eingezogen. Der Druck, der auf dem potenziellen Bayern-Verfolger lastete, war enorm. Trainer Seoane hielt ihm stand und war hinterher froh: „Es ist uns gelungen, eine andere Energie auf den Platz zu bringen.“ Keinem Zweikampf wurde aus dem Weg gegangen, zwei berechtigte Gelb-Rote Karten gegen Piero Hincapie und Mitchel Bakker zeugen davon. „Es stand eine andere Mannschaft auf dem Platz“, lobte der als kritisch bekannte Keeper Lukas Hradecky nach erfüllter Mission. „Es nun einmal so“, erklärte Sportchef Simon Rolfes zum Abschied, „wenn man gerade als Einzelner nicht so viel Selbstvertrauen hat, muss man sich als Mannschaft helfen.“ Mainz 05 lieferte dafür die Gastgeschenke.

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