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Der Ball will nicht gehorchen: Leroy Sané.
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Der Ball will nicht gehorchen: Leroy Sané.

DFB-Team

EM 2021: Leroy Sané verzweifelt an sich selbst - Ist der Druck zu groß?

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Im Spiel gegen Ungarn verzweifelt Nationalspieler Leroy Sané an sich selbst, Jamal Musiala macht dagegen alle glücklich.

München - Leroy Sané ist in der Gewitternacht von München nicht mehr vor ein Mikrofon gezwungen worden. Er durfte die Arena ohne öffentlichen Wortbeitrag verlassen. Die erfahrene Medienabteilung des Deutschen Fußball-Bundes weiß, wann man Nationalspieler besser in Ruhe lässt. Es war ja klar, dass der 25-Jährige im Interview keinen frischen Frühlingsblumenstrauß an Fragen zu erwarten gehabt hätte, sondern eher einen Kaktus, der wehtun würde.

Der non-verbale Beitrag des Stürmers war zuvor schon minimalistisch ausgefallen. Joachim Löw hatte sein Lob über Sanés Trainingsleistungen durch einen Startelfeinsatz bestätigt. Doch der Linksfuß schaffte es nicht, den Vorschuss auszugleichen. Vorne nicht und hinten nicht. Für viele mag es so ausgesehen haben, als gäbe der Beau sich keine Mühe, als entgleite seine Anmut ständig in Arroganz. Aber das ist vermutlich eine oberflächliche Betrachtungsweise.

EM 2021: Sané mit schwacher Leistung

Die Sozialen Netzwerke hatten schnell Held und Bettelmann gefunden: Jamal Musiala und Leroy Sané, beide FC Bayern, beide mit einer Vergangenheit auf der britischen Insel, auf die sie nun zum Clash gegen England am Dienstag (18 Uhr) zurückkehren werden. Twitter über Sané: „Der Typ ist Mobbing durch Anwesenheit.“ Twitter über Musiala: „Total frisch und unbekümmert.“

Von Frische und Unbekümmertheit ist bei Sané im Nationalteam selten viel zu sehen gewesen. Löw hatte sich an den wiederkehrenden Schlampigkeiten in dessen Spiel schon vor der WM 2018 derart abgearbeitet, dass er den Stürmer ungnädig aus dem Kader strich. Eine Entscheidung, die nach dem frühen Aus in Russland auf den Bundestrainer mit Wucht zurückprallte. Tenor: Wie kann der sture Jogi nur so blöd sein, seinen schnellsten Stürmer und besten Dribbler zu Hause zu lassen?

Drei Jahre später kehrt sich die Argumentation um: Wieso hält Löws Engelsgeduld mit dem angeblich schwer Erziehbaren noch an? Der Coach erklärte hinterher nachvollziehbar, er habe versucht, mit Sané auf dem rechten Flügel mehr Wucht in die Aktionen zu bekommen. Löw hoffte auf diesen einen Geistesblitz, diesen Geniestreich von Sané. Doch die Zauberfüße blieben wie in Betonschuhen gefangen. Am Ende blieben ein verlorenes Laufduell vorm zweiten Gegentor, als Sané fleißig hinten aushelfen wollte, ein Eckball ins Nirwana und in vorletzter Minute eine Flanke, die nutzlos über die einschussbereiten Thomas Müller und Leon Goretzka hinwegflog.

Der Ball hört aufs Wort: Jamal Musiala.

EM 2021: Löw hat Geduld mit Sané

Löw hat sich fest vorgenommen, mit der Künstlernatur des Stimmungsspielers Sanés mehr Geduld aufzubringen. Im Vorbereitungscamp in Seefeld übersah der Bundestrainer schon mal geflissentlich Lässigkeiten im Trainingsablauf des Bayern-Profis. Sané wirkte manchmal wie abwesend, dementierte auf Nachfrage aber Unwohlsein oder Unlust. Inzwischen stellt sich die Frage: Setzt er sich möglicherweise zu sehr unter Druck?

Jamal Musiala sind solche Befindlichkeiten noch fremd. Der mit 18 Jahren und 117 Tagen jüngste deutsche EM-Teilnehmer (Lukas Podolski verlor seine Pole-Position mit 19 Jahren und 19 Tagen aus dem Jahr 2004) gewann zwei Minuten nach seiner Einwechslung ein bedeutendes Duell. Mit einer Körpertäuschung verschaffte sich der Bubi mit einer fließenden Bewegung geschickt Raum halblinks und bereitete so den späten 2:2-Ausgleich von Leon Goretzka vor.

Hinterher durfte der Deutsch-Engländer sogar Interviews in der virtuellen Mixed Zone geben und redete in seiner lustigen Mixtur aus beiden Sprachen davon, dass er sich mit „viel Confidence Sachen zugetraut habe“ und „aggressiv nach vorn“ gegangen wäre. Das hat auch Joachim Löw mit Freude zur Kenntnis genommen: „Da sieht man schon, was er für eine Klasse bekommen wird in den nächsten Jahren.“ Zum Glück für Deutschland nicht erst dann. (Jan Christian Müller)

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