+
Im innigen Infight: Robert Lewandowski vom FC Bayern (li.) gegen Ibrahima Konaté von RB Leipzig.

Lewandowski und Konaté

Leithammel gegen Prachtbulle

  • schließen

Der Zweikampf zwischen Bayern-Mittelstürmer Robert Lewandowski und Leipzig-Verteidiger Ibrahima Konaté könnte zum Schlüsselduell des diesjährigen DFB-Pokalfinales werden.

Natürlich, Robert Lewandowski macht keinen Unterschied, welcher Sieg der schönere war. Zwei Mal hat der Torgarant in Diensten des FC Bayern den DFB-Pokal gewonnen, 2012 mit Borussia Dortmund gegen seinen heutigen Verein, 2016 mit den Münchnern dann gegen Dortmund. Beide Male, sagt er, „war es etwas Besonderes“. Vor sieben Jahren hatte Lewandowski drei Tore zum 5:2-Triumph des BVB beigetragen – und somit für eine ziemliche Klatsche gesorgt, die das Mia-san-mia-Selbstverständnis seines aktuellen Arbeitgebers auf das Schwerste erschütterte. 2016, das zweite Jahr im Bayern-Dress, war der Pole nicht so dominant, aber er hat seinen Job erledigt, als er im Elfmeterschießen antrat und traf. Die Münchner gewannen 4:3. Auf dem Münchner Rathausbalkon hüpfte er einen Tag später mit dem Pokal in der Hand.

Im vergangenen Jahr haben dann die Spieler von Eintracht Frankfurt getanzt. Der Stachel, das Spiel gegen Hessen verloren zu haben, sitzt immer noch tief. „Ich hoffe“, sagte Lewandowski am Donnerstag, „wir haben daraus etwas gelernt.“ Ins Detail wollte der Bayern-Stürmer nicht gehen, sonst würde man ja dem Finalgegner RB Leipzig womöglich ein paar Tipps geben, „Das ist ein Geheimnis“, sagte der 30-Jährige. Nur so viel: „Wir müssen mehr Gas geben als letztes Jahr und besser spielen.“ Er wird dabei, wie so oft in den vergangenen Wochen, als Leithammel vorangehen müssen. Seine Trefferquote ist in dieser Spielzeit mal wieder famos: 22 Tore in der Bundesliga – dafür gab es zum vierten Mal die Torjägerkanone -, weitere fünf im Pokal und acht in der Champions League. Auf die Münchner Nummer neun ist Verlass.

Und doch dürfte ihm auf der großen Berliner Bühne das Leben so schwer gemacht werden wie selten. Einen Vorgeschmack lieferte das Bundesligaspiel vor zwei Wochen in Leipzig (0:0), als er sich mit seinem Gegenspieler Ibrahima Konaté Duelle lieferte, die in jedes Lehrbuch der intensiven Zweikampfführung passen würden. Mitunter verhakten sich die Kontrahenten wie zwei Freistilringer, die im Olympischen Finale um Gold fighten.

Dortmunds Trainer Lucien Favre hat Konaté mal als „Schrank“ bezeichnet, was bei 1,92 Meter Körpergröße und 93 Kilo Lebendgewicht gewiss nicht unpassend war. Wer nicht wüsste, dass er Fußballer ist, könnte ihn auch beim American Football verorten. Angefangen hat alles auf den Straßen von Paris, wo ihm seine sechs Brüder beibrachten, sich nicht nur beim täglichen Kicken zu behaupten.

Ablösefrei aus Sochaux

Mit zehn Jahren ging er zum FC Paris, mit 15 zog er zu Hause aus, um der Jugendakademie beim FC Sochaux beizutreten – dort fand seine Mutter die schulische Betreuung am besten. Mit 17 meisterte er sein Abitur und bestritt sein erstes Punktspiel in der Ligue 1. Seitdem hatte ihn RB-Macher Ralf Rangnick auf dem Radar und holte ihn letztlich 2017 ablösefrei aus Sochaux. „Er ist für sein Alter relativ weit und sehr klar im Kopf“, sagt Rangnick. Der Spieler gibt das Kompliment an den Trainer zurück: „Er behandelt mich, wie ein Vater normalerweise seine Kinder behandelt.“

Unter Rangnick entwickelte sich Konaté zum Prachtbullen. In 42 Pflichtspieleinsätzen hat er mehr Spielminuten angesammelt als Kai Havertz (Leverkusen) oder Jadon Sancho (Dortmund). Am Tag des Endspiels feiert der Verteidiger auch noch seinen 20. Geburtstag. Klarer Auftrag: Lewandowski die Pokal-Party vermiesen. Es könnte ein Schlüsselduell sein. Der Gegenspieler des Bayern-Stars gewinnt zwei von drei Zweikämpfen, fängt mit Abstand die meisten Pässe ab. Und nebenbei weist er im Brauseklub die viertbesten Sprintwerte auf, was bei der Speed-Truppe auch etwas heißen soll. Sein Arbeitspapier ist bereits zu aufgebesserten Bezügen bis 2023 ausgedehnt worden.

Während bei Konaté die Zukunft also geklärt ist, ranken sich um Lewandowski immer wieder Spekulationen. Die Bayern wollen ihn zu einer erneuten vorzeitigen Vertragsverlängerung bewegen. Sie sehen Lewandowski als wichtige Stütze in der im Umbruch befindlichen Mannschaft. Und der Stürmer darf sich auf mindestens einen neuen Kollegen im Angriff einstellen. Er rät, keine Talente zu verpflichten, die sich erst noch entwickeln müssen. „Wenn ein Spieler kommt, muss er direkt helfen können. Du hast hier keine zwei Jahre Zeit“, sagt er. Timo Werner und Leroy Sané sollen im Fokus stehen. Wenn Lewandowski die Wahl hätte, würde er wohl eher den Flügelstürmer von Manchester City nehmen, zumindest schwärmte er von Sané als „ein Spieler mit großer Qualität und großem Potenzial. So ein Spieler kann die Mannschaft sofort nach vorne bringen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare