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Die deutschen Fans traten etwas in den Hintergrund.

Deutsche Nationalelf

Leise, aber gut gelaunt

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Trotz der Niederlage gegen Mexiko - die deutschen Fans in Russland genießen die WM.

Es ist schon spät, als Jubelschreie durchs Cosmos-Hotel im Norden Moskaus schallen. „Mexiko, Mexiko rarara“, brüllen die Herrschaften in den Mexiko-Trikots durch die Lobby. Die wenigen deutschen Fans, die am Sonntagabend noch im Pub des riesigen Hotels sitzen, ertragen die Gesänge schweigend. „Ich will heim nach Offenbach“, steht auf dem T-Shirt eines Deutschen. Für sich und seine Freunde bestellt er noch einen Pitcher, eine große Karaffe mit Zapfhahn, die fünf Liter Bier fasst.

Nicht nur die deutschen Spieler, auch ihre Fans haben am Sonntag von Mexiko eine Lehrstunde erteilt bekommen. Denn die Anhänger aus Mittelamerika waren nicht nur deutlich in der Überzahl. Sie waren auch viel lauter und viel ausgelassener beim Feiern als die Deutschen.

Schon mittags tanzten Dutzende Fans in grünen Trikots auf dem Platz vor der Basilius-Kathedrale und sangen Karnevalslieder. Nur zaghaft meldeten sich die Deutschen mit ihrem Lieblingslied seit 2014: „Die Nummer eins der Welt sind wir.“ Und im Stadion waren fast nur die mexikanischen Anhänger zu hören. Selbst in der deutschen Fankurve bekam man vorwiegend die von Mexikanern gemachte Stimmung mit – und das, obwohl der Fanclub Nationalmannschaft Hunderte schwarz-rot-goldene Fahnen verteilt hatte.

Dabei sind sich die allermeisten der rund 7000 deutschen Fans, die am Wochenende in Moskau waren, einig: Bisher ist es eine gute, eine stimmungsvolle Weltmeisterschaft. Andrea Treupke, die mit ihrem Freund aus Berlin angereist ist, spricht gar von einer „besseren Stimmung als zuletzt in Brasilien“. In Moskau treffe man Fans von allen möglichen Mannschaften, „die einfach nur ziemlich krass und total friedlich miteinander feiern“.

Tatsächlich braucht man sich nur eine halbe Stunde an den Kreml zu stellen, um Menschen in den Trikots aller 32 Teilnehmerländer zu sehen. Isländer tragen Wikingerhelme auf dem Kopf, Argentinier haben sich russische Fellmützen gekauft, Deutsche sind mit einem überdimensionalen WM-Pokal aus Pappe unterwegs – und auch Fans aus China, Indien und Uganda, deren Mannschaften nicht dabei sind, haben sich unters Partyvolk gemischt. Das seit Tagen andauernde Sommerwetter tut sein Übriges zur guten Stimmung.

Zudem klappt die Organisation erstaunlich gut. Der Weg zu den Stadien und der etwas zu groß geratenen Fanmeile ist ausgeschildert, die U-Bahnen rauschen im Minutentakt in die imposanten Metro-Stationen, und die zahlreichen Polizisten und Soldaten in der Moskauer Innenstadt sind zwar nicht über die Maßen freundlich, aber doch hilfsbereit.

Nur ein Problem gibt es: Weil der Rote Platz gesperrt ist, herrscht in den teils schmalen Gassen rund um Kreml und Basilius-Kathedrale extreme Enge. Offiziell heißt es, die Fläche müsse nach dem Umzug am Nationalfeiertag vor einer Woche ausgebessert werden. Viele Fans haben einen anderen Verdacht: Allzu ausgelassene Feiern sind auf dem bedeutendsten Platz Russlands schlicht unerwünscht.

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