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Doppeltorschütze Marcel Sabitzer. Foto: dpa

Champions League

RB Leipzig zieht ins Viertelfinale ein

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RB Leipzig zieht locker ins Viertelfinale der Champions League ein.

Der akute Leipziger Widerspruch offenbarten sich schon in den vielen Straßenbahnlinien, die ziemlich zügig vom Hauptbahnhof über wenige Haltestellen bis zum Sportforum fahren: Über die Flachbildfernseher flimmerten Nachrichten, dass die Buchmesse oder die Integrationsmesse in der Stadt aus Vorsorge vor dem Coronavirus abgesagt worden sind. Gleichzeitig hat aber am Dienstagabend König Fußball ein Sonderrecht eingeräumt bekommen: Das Champions-League-Achtelfinale von RB Leipzig gegen Tottenham Hotspur hat ziemlich ungerührt vom Krisenmodus im ganzen Land vor offiziell vermeldeten 42 146 Fans stattgefunden.

Mit einem erstaunlich abgeklärten 3:0 (2:0) gegen den Vorjahresfinalisten löste der Brauseklub erstmals in seiner jungen Vereinsgeschichte das Ticket für die letzten Acht der Königsklasse. Auf den 1:0-Hinspielsieg an der White Hart Lane in London folgte abermals eine reife Vorstellung. Das blieb als sportliche Quintessenz hängen. Zum umjubelten Helden schwang sich Kapitän Marcel Sabitzer auf, der seine erstaunliche Entwicklung zum Leistungsträger mit einem Doppelpack (10. und 22.) krönte. Kurz vor Schluss und nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung erhöhte Emil Forsberg zum 3:0-Endstand (87.). Ob die Champions League aufgrund der europaweit grassierenden Epidemie bis zum Ende ausgespielt werden kann, steht freilich aktuell in den Sternen.

Die Messestadt hatte unter der Berücksichtigung der Risikobewertung des Robert-Koch-Instituts noch einmal das Publikum für die seit langem ausverkaufte Arena zugelassen. Vor Anpfiff begrüßte Vorstandschef Oliver Mintzlaff übers Stadionmikrofon explizit diesen Beschluss: „Wir haben zwei Stunden vor Anpfiff vier Fälle bei 600 000 Einwohnern. Deswegen müssen wir die Tore nicht schließen. Es ist die richtige Entscheidung, nicht in Panik zu verfallen.“ Nach diesem Statement ertönte verhaltener Applaus von den Fans auf den zu diesem Zeitpunkt nicht vollbesetzten Tribünen. Auch Trainer Julian Nagelsmann klatschte innerlich Beifall: „Das wäre ein Nachteil gewesen, wenn wir in London mit und hier ohne Fans gespielt hätten.“

Nie in Bedrängnis

Sein Ensemble ließ sich nicht anmerken, dass das Leistungsvermögen nach den zuletzt ernüchternden Ligaauftritten gelitten hat. Nach verhaltenem Beginn traten die Hausherren sehr bald das Gaspedal durch. Dabei half, dass der französische Weltmeister-Torwart Hugo Lloris nach langer Verletzungspause einiges von seinem Können eingebüßt hat. Bei beiden Treffen des herausragenden Sabitzer sah er nicht wirklich gut aus: Als der wie aufgedreht agierende Timo Werner nach einem abgeblockten Schuss vorlegte, schmetterte der 25 Jahre alte Österreicher die Kugel hinter der Strafraumgrenze flach, aber nicht unhaltbar ins Eck.

Nachdem ein Werner-Treffer zu Recht wegen Abseits nicht zählte (19.), brachte ein ähnlicher Spielzug das 2:0: Angelino flankte in die Mitte, wo Sabitzer mit einem Flugkopfball erfolgreich war, weil Lloris den Ball erst hinter der Linie nach vorne patschte. Startrainer José Mourinho sah das teils chaotische Abwehrverhalten an diesem Abend mit Grausen. Ohne Harry Kane und Heung-Min Son fehlten der latent verunsicherten Insel-Truppe auch die offensiven Mittel, um den in beiden Vergleichen mit der besseren Spielanlage aufwartenden Bundesligisten in Bedrängnis zu bringen.

Die Tottenham-Fans stellten schon vor dem Pausenpfiff den Support für ihr Team ein. Weil sie ahnten, dass das Ausscheiden unvermeidlich war? Die Sachsen setzten ihren Matchplan zwar nicht weniger energetisch, aber nicht mehr ganz so zielgerichtet um. Doch selbst der Ausfall des vom Notarzt begleiteten Nordi Mukiele (56.) brachte das Bullen-Gebilde nicht ins Wanken. In Ermangelung von Ereignissen auf dem Rasen, abgesehen vom späten Forsberg-Tor, sorgte nun tatsächlich die RB-Fankurve für die meiste Unterhaltung. Könnte nur sein, dass es für Sabitzer und Kollegen die vorerst letzte Aufführung vor so vielen Live-Augenzeugen war: Ob das nächste Heimspiel gegen den SC Freiburg am Samstag im selben Rahmen gespielt werden kann, ist fraglich.

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