+
Leipzigs Yussuf Poulsen jubelt mit der Mannschaft über das von ihm vorbereitete Tor zum 1:2.

DFB-Pokal

RB Leipzig zieht erstmals ins DFB-Pokalfinale ein

  • schließen

Während der HSV sich seine Sehnsucht auf das erste Pokalfinale seit 32 Jahren nicht erfüllen kann, zieht der der Brauseklub RB Leipzig erstmals ins DFB-Pokalfinale ein.

Blau-weißes Fahnenmeer, reichlich Gesangsfolklore, aufwendige Choreographie und inbrünstige Unterstützung: Die Fußballstadt Hamburg hat an einem lauwarmen Aprilabend alles gegeben, um das Volksparkstadion in einen Stimmungstempel zu verwandeln: Letztlich aber hat der HSV trotz eines prächtigen äußeren Rahmens im DFB-Pokalhalbfinale gegen RB Leipzig den Kürzeren gezogen: Der Erstligist aus Sachsen löste mit einem letztlich verdienten, aber schwer erkämpften 3:1 (1:1)-Erfolg beim einzig verbliebenen Zweitligisten das Endspielticket. Nach der frühen Führung durch Yussuf Poulsen (12.) glich Bakery Jatta mit einem spektakulären Treffer zunächst aus (24.), ehe ein unglückliches Eigentor von Vasilije Janjicic (53.) und Emil Forsberg (72.) die Sachsen auf die Siegerstraße brachten.

Nun könnte es am 25. Mai in Berlin den ersten Titel für das erst vor einem Jahrzehnt aus der Taufe gehobene Red-Bull-Konstrukt geben. Für den Brauseklub besitzt dieser Erfolg daher zuvorderst aus Imagegründen immensen Wert. „Das ist für die ganze Stadt eine großartige Sache“, sagte Mittelfeldantreiber Kevin Kampl. Denn aus der Messestadt ist es nicht weit in die Hauptstadt. Nebenher könnte es für den Allesmacher Ralf Rangnick keine bessere Bühne geben, um seinen Nachfolger Julian Nagelsmann das Traineramt zu übergeben.

HSV muss weiter vom DFB-Pokalfinale träumen

An der Elbe bleibt trotz einer leidenschaftlichen und über weite Strecken erstligareifen Vorstellung die Sehnsucht auf das erste Pokalfinale seit 32 Jahren unerfüllt. Zuletzt hatte ein gewisser Manfred Kastl den stolzen HSV am 31. März 1987 zum Showdown ins Olympiastadion geschossen.

Unter der guten, weil großzügigen Leitung von Fifa-Referee Felix Brych hatten die Gäste zunächst klare Vorteile. Der Matchplan vom HSV-Trainer Hannes Wolf, mit einem neuen 3-4-3-System, dem Brasilianer Douglas Santos in zentraler Rolle und einer körperbetonten Gangart die Offensivkraft der Roten Bullen einzudämmen, wurde früh durchkreuzt: Nach Ecke von Marcel Halstenberg köpfte nämlich Poulsen unbehelligt die Leipziger in Führung.

Und bereits nach 16 Minuten hätte es eigentlich 2:0 stehen müssen, als zunächst Poulsen den Ball an den linken Pfosten jagte, dann Timo Werner scheiterte, ehe Marcel Sabitzer noch das rechte Torgestänge anschoss. Diese kuriose Dreifachchance schien jedoch das Hamburger Wecksignal. Nach Ballverlust von Kevin Kampl fasste sich der an diesem Abend unermüdliche Außenstürmer Bakery Jatta aus 30 Meter ein Herz und überwand Peter Gulacsi mit einem herausragenden Heber.

Leipzig zwingt HSV zum Eigentor

Nun verwandelte sich die Arena in ein Tollhaus, das den HSV-Profis die berühmten Flügel verlieh. Denn in seiner stärksten Phase war der gepushte Zweitligist nun drauf und dran, selbst in Führung zu gehen: Khaled Narey schob bei der besten Möglichkeit die Kugel am langen Eck vorbei (42.). Das im Ligaalltag bei den Heimspielen so oft verärgerte Hamburger Publikum spendete beim Halbzeitpfiff jedenfalls tosenden Applaus: Kaum einer hatte geglaubt, dass ihr junges Team so prächtig mithalten würden.

Lesen Sie auch: Am Mittwochabend tritt der FC Bayern im zweiten DFB-Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen an. Die Bayern sind in einer für sie ungewohnten Situation.

Nach Wiederanpfiff genügte der Rangnick-Elf indes ein Geistesblitz zur erneuten Führung: Kampl hob den Ball in den Lauf von Poulsen und dessen Direktabnahme bugsierte Janjicic bei seinem missglückten Rettungsversuch selbst über die Linie. Und die Leipziger begingen danach auch nicht den Fehler, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Forsberg hatte zuerst Pech mit einem Lattenschuss (70.), zielte dann aber nur zwei Minuten später aus ähnlicher Distanz deutlich besser und zog den zusehends entkräfteten Rothosen damit den Stecker.

Für den HSV kann es nur darum gehen, aus dem achtbaren Auftritt genug Zuversicht für den Schlussspurt der zweiten Liga zu sammeln. Und kurioserweise geht es schon am Sonntag an den Sehnsuchtsort Berlin, wenn die wegweisende Auswärtsaufgabe bei Union ansteht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion