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Die umstrittene Szene: Schiedsrichter Tobias Stieler erteilt Alassane Plea die Gelb-Rote Karte.

Unentschieden gegen Mönchengladbach

RB Leipzig: Verlust der Leichtigkeit

RB Leipzig steht im Pokalspiel in Frankfurt plötzlich mehr unter Druck als gedacht.

Am Ende verlor sogar Matthias Ginter die Fassung. Der Nationalspieler in Diensten von Borussia Mönchengladbach, für seine Besonnenheit gemeinhin hoch geschätzt, war der Meinung, dass ihn Julian Nagelsmann nach dem Spitzenspiel bei RB Leipzig (2:2) unnötig gerempelt hätte. Nur mühsam konnten die Streithähne davon abgehalten werden, handgreiflich zu werden. „Ich glaube, ich bin irgendwie in ihn reingestoßen worden. Es war ein Missverständnis“, sagte Nagelsmann und entschuldigte sich.

Die über den Schlusspfiff hinaus zu spürende Hektik war entstanden, weil sich die Statik eines bis dahin hochspannenden, und teils hochklassigen Spitzenspiels beim Stande von 2:1 für die Gäste vom Niederrhein durch eine Gelb-Rote Karte gegen Alassane Plea (61.) komplett veränderte. Die Hinausstellung durch Schiedsrichter Tobias Stieler (siehe Infobox) begünstigte den späten Leipziger Ausgleich durch einen herrlichen Fernschuss von Christopher Nkunku (89.) und führte auch dazu, dass der Rückstand vor dem Duell beim neuen Spitzenreiter FC Bayern nur einen Punkt beträgt.

Rückenwind haben die Sachsen vor dem DFB-Pokalachtelfinale bei Eintracht Frankfurt (Dienstag, 18.30 Uhr) und dem Spiel in München nötig. Vor allem Letzteres ist jetzt schon in den Köpfen der Spieler. „Das wird eines der wichtigsten Spiele in der Geschichte von Leipzig“, sagte der tschechische Nationalspieler Patrick Schick.

Erstmals nach sieben Wochen sind die Sachsen nicht mehr Tabellenführer. Die Kardinalschelte von Nagelsmann nach der Niederlage in Frankfurt (0:2) und die Debatte um den extra eingeflogenen Starfriseur für etliche Profis vor diesem Spiel im Luxushotel Villa Kennedy haben offenbar Spuren hinterlassen. Zumal Ralf Rangnick, der Baumeister des Brauseklubs, deutliche Worte für die Friseuraffäre fand.

Unruhige Woche

„Wir sind ein junger Bundesligaklub und machen sicher nicht alles perfekt. Das wurde auch von uns unnötigerweise etwas größer gemacht, als es eigentlich war“, versuchte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff das leidige Thema wieder einzufangen. Nun muss der Verein aufpassen, dass die Leichtigkeit der Hinrunde nicht vollends verloren geht. Die abgegebene Tabellenführung kommt einerseits zur Unzeit, andererseits hat die Mannschaft immerhin im zweiten Durchgang gegen Gladbach Moral bewiesen, wobei erst ein Gemeinschaftsgeschenk von Torwart Yann Sommer und Denis Zakaria das Anschlusstor von Schick (50.) ermöglichte. Danach baute RB alte Dominanz auf.

„Dass wir nicht gewonnen haben, schmerzt mehr als der Verlust der Tabellenführung“, sagte Nagelsmann. Der in Leipzig geborene Kollege Marco Rose hatte nach einer überragenden ersten Halbzeit und Toren von Plea (24.) sowie Jonas Hofmann (35.) schon als Sieger gefühlt. dpa/sid/FR

Interview mit Schiedsrichter Stieler

Schiedsrichter Tobias Stielerhat nach dem Spitzenspiel RB Leipzig gegen Borussia Mönchengladbach (2:2) ein Umdenken gefordert. 

Warum haben Sie Alassane Plea die Gelb-Rote Karte gezeigt?
Der Gladbacher Spieler wollte einen Freistoßpfiff bekommen. Dann hat er heftig reklamiert – durch Abwinken. Daraufhin hat er die Gelbe Karte gesehen. Mit der Gelben Karte war er auch wieder nicht einverstanden. Er hat dann zweimal eine abfällige Geste in meine Richtung gemacht. In der Konsequenz ist das Gelb-Rot. Diese zweimalige abfällige Geste ist eine Unsportlichkeit, eine Respektlosigkeit – und ist so nicht mehr akzeptabel.“ 

Haben Sie die Gelb-Rote Karte wegen der schärfen Regelauslegung gegeben?
Das ist Folge der verschärften Regelauslegung. Wir Schiedsrichter der Bundesliga und der 2. Liga haben uns dazu in unserem Wintertrainingslager committed. Ich werde nicht der erste Schiedsrichter sein, der dieses Committment bricht. Das ist auch die Linie, die die Uefa international schon seit vielen Jahren fährt. Wir in Deutschland waren da ein bisschen nachlässig. Da muss jetzt ein Umlernen stattfinden. 

Was denken Sie, wie lange der von Ihnen angesprochene Lernprozess dauern wird?
Das ist ein wenig ein erlerntes Verhalten - so ein bisschen wie bei schlechten Gewohnheiten. Ich hoffe sehr, dass schnellstmöglich ein Umdenken stattfinden wird. Die Bundesliga hat einen totalen Vorbildcharakter – auch für den Amateurfußball. sid

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