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War früher Bayern-Fan: der Leipziger Trainer Julian Nagelsmann.

RB Leipzig

Gegen die alte Liebe

Julian Nagelsmann will als Fußballlehrer von RB Leipzig den FC Bayern überraschen.

Als Junge richtete Julian Nagelsmann den Blick sehnsüchtig gen Osten. Rund 60 Kilometer sind es von seiner Heimat Landsberg am Lech nach München, dorthin, wo die erste große Liebe des Trainers von RB Leipzig tief verwurzelt ist. „Als kleines Kind und Heranwachsender war ich Bayern-München-Fan, das war fast jeder in der Region, in der ich groß geworden bin“, sagte Nagelsmann vor dem Bundesligagipfeltreffen am Samstag (18.30 Uhr) zwischen Tabellenführer Leipzig und Rekordmeister München: „Als kleiner Stöpsel war Bayern München die Übermacht schlechthin. Man hat zu ihnen aufgeschaut. Nur ein paar Mutige haben sich zu 1860 getraut, ich dann auch als Spieler.“ 

Weil Nagelsmann seine Karriere viel zu früh beenden musste, wechselte er ins Trainermetier bei den Löwen. Bereits in der B-Junioren-Regionalliga gewann er 2002 sein erstes Derby gegen die Bayern. „Wir haben verdient gewonnen, das war sehr schön“, erinnert er sich noch heute. 

2016 startete der Mountainbike-Liebhaber in der Bundesliga durch: Die TSG Hoffenheim vertraute ihm vorzeitig das Amt als Cheftrainer an. Sein Wechsel zu RB Leipzig in diesem Sommer war von langer Hand eingefädelt. Nagelsmann ist bereits in der Bundesliga etabliert, mit 32 Jahren steht er in Leipzig bei einem nationalen Spitzenklub in der Verantwortung, auch international darf er sich in dieser Saison wieder in der Champions League beweisen und sein Profil schärfen. 

Kommt dann irgendwann ein Engagement beim Vorzeigeklub des deutschen Fußballs infrage? Landesweit ist Nagelsmann der Respekt längst sicher, auch an der Säbener Straße. „Er ist ein guter, junger Trainer“, sagte jetzt Bayern-Präsident Uli Hoeneß, betonte aber gleichzeitig: „Er muss noch älter werden.“ Womöglich war es das Alter, das Nagelsmann bisher einer Stelle in München im Weg stand. 

Als im Sommer 2017 ein Nachfolger für Carlo Ancelotti gesucht wurde, war auch Nagelsmann Teil der mittelfristigen Spekulationen, die er damals selbst befeuerte. Der FC Bayern würde ihn „vielleicht noch ein Stück glücklicher machen“, sagte er in einem Eurosport-Interview, das ihn bis heute immer wieder einholt. Er habe zu diesem Interview schon „1200 Antworten gegeben“, sagte er am Donnerstag. Jener Satz sei aus dem „ganz großen Zusammenhang“ gerissen worden, und: „Wenn ich nicht Trainer von Bayern München werde, bin trotzdem glücklich. Das habe ich schon oft gesagt.“ 

Ohnehin sei er „sehr weit weg von Bayern München“. Langfristig könnte sich das einmal ändern. Nagelsmann gilt als selbstbewusster, intelligenter, taktisch gewiefter und moderner Trainer, der seinen Spielern auch mental viel abverlangt. Auch der unbedingte Siegeswille zeichnet ihn aus. 

„Es widerstrebt mir, nur einen Punkt zu wollen“, sagte Nagelsmann mit Blick auf das Duell mit dem FC Bayern: „Ich möchte gewinnen, und so gehe ich auch ins Spiel.“ Dahingehende Erfahrungen hat Nagelsmann schon gesammelt. Sechsmal traf er mit Hoffenheim in der Bundesliga auf den FC Bayern, immerhin zweimal gelang ihm ein Sieg mit dem Außenseiter. „Ich habe eine gute Bilanz gegen Bayern, Ich hoffe, dass wir die ausbauen.“ 

Sein Anspruchsdenken ist an der neuen Dienststelle im Osten gewachsen. In naher Zukunft will er mit den Sachsen einen Titel gewinnen, am liebsten schon in dieser Saison. Im DFB-Pokal steht RB in der zweiten Runde, in der Bundesliga gewann der Klub die ersten drei Spiele (9:2 Tore). Der vierte Sieg gegen die Jugendliebe würde zum rechten Zeitpunkt kommen. (hel/sid/dpa)

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