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Unter die Füße gekommen: Yussuf Poulsen und RB Leipzig.

RB Leipzig

RB Leipzig fährt nicht singend nach München

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Ausgerechnet vor dem Topspiel beim FC Bayern ist RB Leipzig mit seinem Spiel vollends aus der Spur geraten.

Dayot Upamecano war irgendwann nur noch frustriert. Kurz vor Schluss, als das Pokal-Aus sich für RB Leipzig im Achtelfinale bei Eintracht Frankfurt (1:3) längst andeutete, spielte der Innenverteidiger einen von höhnischem Gelächter begleiteten Pass ins Seitenaus. Enttäuscht schwang die Nummer fünf ohne Ball zwei, drei Mal das Schussbein durch – wie es Kicker im American Football probeweise tun. Kurioserweise stellte Julian Nagelsmann für den Franzosen genau diese Eignung fest. Mit seiner kräftigen Statur und enormen Schnelligkeit hätten ihn zuletzt die Duelle gegen den Gladbacher Stürmer Marcus Thuram an den Superbowl erinnert, „beide dieselbe Gewichtsklasse“, merkte der Fußballlehrer ein bisschen sarkastisch an.

Es ging um die Frage, ob der zunehmend überspielt wirkende 21-Jährige nicht mal eine Auszeit vertragen könnte. „Wir können ihm keine Pause geben“, zischte Nagelsmann. Nicht jetzt, wo das „für die Medienlandschaft allerwichtigste Spiel“ anstehe. Allein der süffisante Unterton verriet, wie sehr den 32-Jährigen die Schaffenskrise vor dem Topspiel beim FC Bayern am Sonntag (18 Uhr) ärgerte. Der Herbstmeister ist nach drei sieglosen Spielen aus der Spur geraten, hat in der Liga die Tabellenführung verloren und als Vorjahresfinalist den Pokal verspielt. Kraftstrotzende Bullen haben sich in eine schlappe Herde verwandelt, die sich im Frankfurter Stadtwald binnen zehn Tagen gleich zweimal am Nasenring durch die Manege hat führen lassen. Und Nagelsmann hat für seine Mannschaft keinen Plan gehabt, der aufging.

„Nach dem 0:1 war das Bundesligaspiel wieder im Kopf“, gab der RB-Coach zu. Bereits zum sechsten Mal in Folge gerieten die Sachsen in einem Pflichtspiel in Rückstand. Strukturelle Probleme negierte Nagelsmann gar nicht, wollte die vertiefende Analyse aber mit den Akteuren angehen. Wie sehr den Mountainbike-Liebhaber die verpuffte Gipfelkreuz-Rede wurmte, war bestens an seiner schnippischen Reaktion zu den Folgewirkungen des Ausscheidens abzuleiten. „Auf jeden Fall fahren wir nicht nach München und singen: ‚Wir fahren nach Berlin‘.“ Die Sprechchöre der Eintracht-Fans, die noch lange durch den Stadtwald tönten, waren offenbar Gift für die Ohren des jungen Übungsleiters, der gut beraten ist, nicht das Umfeld für eine insgesamt gerade wenig glückliche Außendarstellung etwa bei der Friseuraffäre verantwortlich zu machen. Die Malaise hat sich der Brauseklub schon selbst eingebrockt.

Nagelsmann scheint froh, dass sich am Wochenende die Ausgangslage ändert. „München wird etwas anderes, weil die Bayern nicht so tief wie Frankfurt stehen werden. Die Bayern spielen eher weniger auf Konter.“ Sein Team wirkt hinten derzeit nicht stabil und vorne nicht konsequent. „Uns hat im letzten Drittel die Effektivität gefehlt“, gab Stürmer Yussuf Poulsen zu. Torjäger Timo Werner kam zu spät, um dem zu schematischen Offensivspiel noch die Wende zu geben. Dass Nagelsmann auf seine schnellste Waffe bei den Bayern nicht erneut verzichtet, steht mal fest. Einen Lichtblick gab es noch: Dani Olmo erzielte nach seiner Einwechslung nicht zufällig das einzige Tor (68.). Der Spanier, im Winter für 20 Millionen Euro Basisablöse von Dinamo Zagreb geholt, legte einen sehr zielgerichteten Auftritt hin, der RB Leipzig in diesem Jahr noch helfen könnte. Nur vielleicht nicht gleich beim Branchenführer.

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