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Läuft rund: Die Leipziger Fußballer zeigen bisher starke Leistungen. Foto: afp

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Leipzig, Dortmund, Gladbach: Die Verfolger drücken

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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In Leipzig, Dortmund und Mönchengladbach wissen sie, was sie tun. Ihre Kader wirken in der Tiefe sogar austarierter als der des FC Bayern. Ein Kommentar.

Natürlich ist es noch viel, viel zu früh, um vorherzusagen, ob der FC Bayern schon bald nach der Winterpause uneinholbar Meister sein wird. Niemand will ja, dass das passiert, selbst die Bayern ihrerseits nicht. Denn ein bisschen Zittern kann ja auch Spaß bringen. Zur Abwechslung.

Schaut man sich an, was die Klubs ausstrahlen, die schon vor Saisonstart als heißeste Verfolger gehandelt worden sind, dann darf diese Aura das Publikum hoffnungsfroh stimmen. Wer beobachtet hat, wie RB Leipzig mit seinem stets mutigen Trainer Julian Nagelsmann den FC Schalke 04 am Samstagabend nach allen Regeln der Kunst mit einer wahren Pressingorgie zerlegte, kann darin Potenzial für mehr erkennen. Erstaunlich, welch frische Spielfreude etwa der Schwede Emil Forsberg entwickelt, der schon fast aussortiert erschien. Nur ein Beispiel. Erwähnenswert auch, wie die beiden Spanier Angelino und Olmo ihre aus der Heimat exportierte Klassetechnik mit Kraft kombinieren. Der stolze Nagelsmann kam folgerichtig am Samstagabend aus dem Dauergrinsen gar nicht mehr raus.

Fröhlich nach vorn agieren auch Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach. Die Gegner aus Freiburg und Köln wussten vor lauter Tiefenläufen des BVB und der Fohlen irgendwann gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand. Auffällig ist zudem: Leipzig, Dortmund und Gladbach haben ihre Kader - anders als die wie im Vorjahr auf der gehobenen Resterampe hyperaktiven Last-Minute-Bayern - frühzeitig komplett beieinander. Leipzig musste nur einen Spieler - Timo Werner - abgeben, dessen Verlust wehtut. Dortmund und Gladbach konnten ihr Personal sogar komplett so zusammenhalten und sinnvoll ergänzen, wie sie es wollten.

Was diese Kontinuität bewirken kann - die jeweils auch für die Trainerpositionen und das Management gilt - ist dieses Wochenende an allen drei Standorten sichtbar geworden. In Leipzig, Dortmund und Mönchengladbach wissen sie, was sie tun. Ihre Kader wirken in der Tiefe sogar austarierter als der des FC Bayern, der mit Eric Maxim Choupo-Moting und Marc Roca kurz vor Transferschluss Leute geholt hat, die eher Löcher stopfen als Träume wecken. Aber, um ehrlich zu sein: Das war so ähnlich auch der Eindruck im vergangenen Sommer, als noch fix Ivan Perisic und Philippe Coutinho per Leihgebühr vom Grabbeltisch geholt wurden. Das erstaunliche Ergebnis der Saison ist bekannt, sicher auch dank Übertrainer Hansi Flick. Leipzig, Gladbach, Dortmund haben guten Grund, ein paar Dinge zurechtzurücken. Sie sollten dranbleiben.

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