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Seit er Löws Vertrauen hat, trifft er: Leroy Sané schüttelt den Niederländer Marten de Roon ab.

Leroy Sané

Von der Leine gelassen

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Seine WM-Ausbootung haben viele nicht verstanden, jetzt ist Leroy Sané unter Joachim Löw Stammspieler.

Es gibt doch noch eine Entdeckung in diesem für die Deutschen missratenen Fußballjahr. Die Entdeckung hat in den vergangenen beiden Spielen jeweils ein Tor gemacht, sie ist den gegnerischen Verteidigern davongelaufen und hat die Zuschauer verzückt. Die Kollegen erzählen respektvoll, wie unfassbar schnell dieser Kerl ist.

Die Geschichte, die zu dieser Entdeckung gehört, ist jedoch auch die, dass die Entdeckung eigentlich schon lange da war. In der Nationalmannschaft gelegentlich berücksichtigt seit 2016, sie steht bei mittlerweile 17 Länderspielen. Die Tore nun waren die ersten.

Keine sportlichen Gründe

Die Entdeckung des zweiten Halbjahres 2018 war das Politikum des ersten Halbjahres. Leroy Sané stand im erweiterten WM-Kader, rückte mit ein ins Trainingslager – und kaum jemand glaubte, dass er aussortiert werden würde. Weil er Gaben hatte, die anderen Spielern abgehen – eben: einen Hauch von Genie. Und auch wenn Leroy Sané, dessen Nachnamen Joachim Löw konsequent „Sahne“ ausspricht, bei seinen DFB-Auftritten wirklich wenig spektakulär agiert hatte, so sprach für ihn, dass er beim englischen Meister Manchester City unter dem anspruchsvollen Pep Guardiola seinen Platz gefunden hatte und zum besten Jungprofi der Premier League gewählt worden war. Auch neun Tore in England waren ein Pro-Sané-Argument.

Dass Löw Sané aus seinem Kader strich, beherrschte damals in Südtirol als Thema den Tag. Man sprach weniger über die Bestätigung von Manuel Neuer im 23er-Aufgebot für Russland oder die Pfiffe, die es für Mesut Özil beim Testspiel in Österreich aus der deutschen Kurve gegeben hatte – es ging um Löw und Sané. Man vermutete: Sportlich begründet kann die Nichtberücksichtigung wohl kaum sein. Es hätte doch nahegelegen, Sané für den WM-Verlauf in der Hinterhand zu behalten.

Das Thema wurde nun wieder angeschoben. Am Sonntag saß DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch, sowohl in Südtirol als auch Russland dabei gewesen, in der Sport1-Sendung „Doppelpass“ und verriet: Die Personalentscheidung Löws hatte außersportliche Gründe. Darüber war ja von Beginn an spekuliert worden: Dass es ein Entgegenkommen des Bundestrainers in Richtung der etablierten Spieler gewesen wäre, ihnen den flippigen und oft trainingsfaulen Typen zu ersparen. 

Was Koch im Fernsehen sagte, gefiel Löw überhaupt nicht, als er am Sonntagnachmittag in der Sportschule Kaiserau mit den Zitaten konfrontiert wurde. Er konterte: „Herr Koch hat mich dazu überhaupt nicht gefragt.“ Also könne es von ihm dazu keine Aussage geben. Auch keine interne. Das klang ein bisschen so, als meinte Löw auch, Koch nehme sich zu wichtig und wähne sich mehr inside, als er es tatsächlich sei.

Sané kartet nicht nach

Heute findet Löw, dass „Sané aus der Nichtnominierung gelernt hat“. Leroy Sané kommt aus einer Sportlerfamilie (Vater Souleymane war Bundesligaprofi, Mutter Regina Weber Bronzemedaillengewinnerin 1984 in der Rhythmischen Sportgymnastik), er kennt bei aller persönlichen Extravaganz die Regeln: Am längeren Hebel sitzt Löw als Personalentscheider, als Spieler muss man sich fügen. Darum kartet er nicht nach und meint gehorsam: „Ich denke schon, dass ich aus meinem Rückschlag gelernt habe.“ Er wird sogar zum Fürsprecher des Trainers, der ihn Anfang Juni fast gedemütigt hat. Zum Neuanfang mit Joachim Löw sagt Sané: „Der Jogi macht das sehr gut, er hat einen klaren Plan.“

Löw lässt Sané von der Leine, wechselt ihn nicht erst rein, stellt ihn von Beginn an auf, nun zum dritten Mal in Folge. Er hat ihn zum Stammspieler befördert, Sané ist zufrieden. Das ist der Deal.

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