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Lange Nachspielzeiten irrtieren: Fußball in Überlänge

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Von: Günter Klein

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14 Minuten Nachspielzeit in Hälfte zwei, deren 13 in Hälfte eins: Das Spiel zwischen England und Iran wollte einfach nicht enden.
14 Minuten Nachspielzeit in Hälfte zwei, deren 13 in Hälfte eins: Das Spiel zwischen England und Iran wollte einfach nicht enden. © dpa

Die langen Nachspielzeiten bei der WM irritieren, aus Fifa-Sicht gibt es dafür aber gute Gründe.

Das Spiel zwischen den USA und Wales begann am Montagabend Ortszeit um 22 Uhr – und endete, als schon der Dienstag angebrochen war. Die WM-Partien starten auf die Sekunde, doch haben Überlänge. So kam die Begegnung zwischen England und Iran auf 27 Brutto-Minuten extra. In der ersten Halbzeit war das noch zu verstehen, weil der iranische Torhüter zweimal behandelt werden musste, deswegen wurden 14 Minuten angehängt. Im zweiten Durchgang sorgte lediglich der Engländer Harry Maguire für eine Unterbrechung, auch er war angeschlagen. Dass der Vierte Offizielle auf seiner Anzeigetafel eine „10“ als Zusatzzeit anzeigte, erschien bereits übertrieben, und tatsächlich wurden dann gar 13 Minuten nachgespielt.

90 Minuten nur auf Papier

Auf alle Fälle ist der Fußball in neue zeitliche Dimensionen vorgestoßen. Fast wehmütig erinnert man sich an 1998, als die Fifa bei der WM in Frankreich einführte, dass die Mindest-Zusatzzeit offiziell verlautbart wurde und der damalige ARD-Reporter Gerd Rubenbauer angesichts der „1“ auf der Tafel entgeistert fragte: „Warum wechselt er denn jetzt den Torhüter aus?“

Es gibt greifbare Gründe, dass die Nachspielzeit länger geworden ist: Infolge der Coronakrise sind mehr Wechsel erlaubt, dazu kommen die Eingriffe durch den Video Assistant Referee, laut Ex-Schiedsrichter Pierluigi Collina, der nun in Diensten der Fifa steht, summieren sich die „Zwischenfälle“, wie er sie nennt, grundsätzlich auf „sechs bis neun Minuten pro Spiel“. Er erläutert die Politik des Weltverbandes: „42 oder 43 Minuten aktives Spiel pro Halbzeit sind nicht akzeptabel.“ Die Netto-Spielzeit ist eh deutlich geringer.

So wie es in Katar läuft, kommen einem die Gerüchte aus dem April dieses Jahres wieder in den Sinn. Italienische Medien wollten damals wissen, Gianni Infantino plane für diese WM bereits eine neue Festlegung: Ein Spiel dauert 100 Minuten. Der Fifa-Boss fing die Meldungen mit einem Dementi ein.

Die Realität der WM 2022 übertrifft die 100 Minuten bereits. 90 Minuten gibt es nur noch auf wehmütigem Papier.

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