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Christian Seifert hat in seiner Rede so viel über den Fußball als Sport gesprochen wie noch nie zuvor bei einem derartigen Anlass. Der erste Mann der Bundesliga ist ja vor allem für die Vermarktung zuständig.

DFL-Neujahrsempfang

Der lange, harte Weg des deutschen Fußballs

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Beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball-Liga wird so viel über Fußball geredet wie schon lange nicht mehr. Das ist auch dringend nötig. Ein Kommentar.

Das waren mal ganz neue Bilder auf der Bühne: Die für den Profifußball hierzulande zuständige Deutsche Fußball-Liga mit ihrem Gehirn Christian Seifert an der Spitze hatte die DFB-Führung zum Neujahrempfang erstmals nicht nur als Laufvolk geladen. Nein, der neue Präsident Fritz Keller und sein Außenminister und Amateurlobbyist Rainer Koch durften sich droben im Scheinwerferlicht präsentieren. Erstmals, seit die Bundesliga seit nunmehr 13 Jahren im Januar zum Get-together lädt, wurde dem Deutschen Fußball-Bund derartige Ehre zuteil. Man hat gemeinsam erkannt: Es bringt nichts, in Sonntagsreden über das gemeinsame deutsche Fußballhaus zu schwadronieren, währenddessen man sich gegenseitig das Schwarze unter den Fingernägeln nicht gönnt. Es bringt auch nichts, wenn der Profifußball in Gestalt von Big Boss Seifert, wie einst geschehen, muskulös erklärt, die Bundesliga sei die Lokomotive (und der DFB somit der Anhänger). Denn die Aufgaben, die gemeinsamen Aufgaben wohlgemerkt, sind schlicht zu groß, als dass sie die Profiklubs bewältigen könnten, ohne die Amateure mit in den Führerstand der Lok zu nehmen.

Das Jahr 2020 soll den Umbruch manifestieren, das wurde in der voluminösen ehemaligen Offenbacher Maschinenhalle sehr deutlich. Auf 2020 wollen sie eines Tages gemeinsam zurückblicken und sagen können: „Da haben wir die richtigen Weichen gestellt, damit der deutsche Fußball wieder Weltklasse werden konnte.“ Das Loch im Jugendbereich ist so groß, dass sich die Experten für den Nachwuchsfußball nicht mehr scheuen, es in drastischen Worten zu beschreiben. Deutschland ist in der Trainerausbildung um zehn Jahre hinter England zurückgefallen, in der Schulung von Talenten ebenso. Das „Projekt Zukunft“, welches Seifert für die Bundesliga und Oliver Bierhoff für den Verband im April 2018 dem Präsidium vorgeschlagen haben, braucht dringend Dynamik. Die Pläne, dass etwa in Jugendmannschaften jeder Spieler an jedem Spieltag eine Mindestzeit an Einsatzminuten gewährt bekommt, liegen in der Schublade, ebenso jene, die B- und A-Junioren-Bundesligen abzuschaffen und durch Spielrunden zu ersetzen, die Nachwuchsspielern nicht mehr das viel zu frühe Gefühl geben, sie seien bereits richtige Bundesligaspieler.

Christian Seifert hat in seiner Rede so viel über den Fußball als Sport gesprochen wie noch nie zuvor bei einem derartigen Anlass. Der erste Mann der Bundesliga ist ja vor allem für die Vermarktung zuständig, dafür, ab 2021 den neuen nationalen TV-, Audio- und Internetvertrag auf rund 1,5 Milliarden Euro pro Saison aufzupumpen. Das kann nur dann funktionieren, wenn Spitzenfußball aus Deutschland mehr ist als Bayern München. Und um im gnadenlosen Verdrängungswettbewerb auch danach noch eine führende Rolle hinter der alles überragenden englischen Premier League einzunehmen, braucht es wieder eine bessere Jugendarbeit und eine völlig neue Kultur der Ausbildung. Die Köpfe im Land haben das kapiert. Bis es in den Füßen angekommen ist, steht noch ein harter Weg bevor.

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