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Nicht zufrieden in Dortmund: PSG-Coach Thomas Tuchel.

Paris St. Germain

Kurz vor Weltuntergang

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PSG-Trainer Thomas Tuchel muss sich für die Niederlage in Dortmund rechtfertigen, und Superstar Neymar ist sauer. Das Achtelfinalrückspiel in der Champions League ist von essenzieller Bedeutung für den französischen Klub und seinen deutschen Coach.

So wie Thomas Tuchel seine hochbezahlte Weltauswahl in den Anfangsminuten immer wieder neu justierte, so gestikulierte der Fußballlehrer weit nach Abpfiff auch im Dortmunder Medienzentrum. Die Skepsis der französischen Journalisten war greifbar, der Trainer von Paris Saint-Germain musste sich nach dem 1:2 gegen den BVB immer wieder kritische Nachfragen gefallen lassen. Der 46-Jährige arbeitete diesen vermutlich unangenehmen Teil seines Jobs geduldig ab, erklärte seine Vorgehensweise in perfektem Französisch. Und gab den Medienvertretern mit auf den Weg: „Ich muss die Entscheidung im Vorhinein treffen. Das ist der Unterschied: Der Trainer muss vorher entscheiden, die Experten und Journalisten können es später bewerten.“

Zu diesem Zeitpunkt wusste Tuchel noch nicht, dass sein sensibelster Superstar wenige Meter entfernt das nächste Feuer entfachte. Neymar erklärte seine enttäuschende Vorstellung mit einer vom Klub verordneten Zwangspause. „Es ist schwer, wenn man vier Spiele nicht gespielt hat. Leider war das nicht meine Entscheidung, sondern die vom Verein und von den Ärzten.“ Am 1. Februar hatte der Brasilianer eine Rippenverletzung erlitten und erst in Dortmund sein Comeback gegeben. Tuchel wusste, dass es „gerade für jemanden wie Ney unheimlich wichtig ist, im Rhythmus zu bleiben“. Der Offensivspieler hatte zwar Verständnis für die „Angst“ seines Arbeitgebers, er könne das Achtelfinale verpassen. Aber: „Am Ende habe ich darunter gelitten.“ Eine bessere Physis, so Neymars Meinung, hätte ihm eine bessere Leistung ermöglicht.

Ein Konflikt, mit dem Tuchel in den kommenden Tagen in der französischen Hauptstadt sicher beschäftigt sein wird. Dabei hatte ihm die Niederlage beim Ex-Klub schon genug Arbeit beschert. Seine vorsichtige Aufstellung, die Abkehr von der Viererkette, stand im Zentrum der Kritik. Tuchel spiegelte das Dortmunder System, wollte so den BVB-Außen Achraf Hakimi und Raphael Guerreiro ein Stoppschild entgegensetzen. Mit überschaubarem Erfolg. Sein Mannschaft habe „mit zu viel Angst vor Fehlern“ agiert, erklärte der Trainer, um sich daran abzuarbeiten, dass Paris seit Jahresbeginn deutlich mehr Spiele bestritten hat als der Konkurrent. Floskeln, die Präsident Nasser Al-Khelaifi kaum besänftigen werden, sollte Tuchel wie im Vorjahr das Achtelfinal-Aus ereilen.

Denn für die katarischen PSG-Besitzer zählt einzig das Prestige der Champions League. „Es ist nicht der Moment, das Vertrauen in diese Mannschaft zu verlieren“, sagte der deutsche Trainer. „Nach dem Rückspiel können wir uns darüber unterhalten.“ Doch nicht nur BVB-Boss Hans-Joachim Watzke weiß, was ein Dortmunder Weiterkommen für Paris und Tuchel bedeuten würde: „Für sie bricht ja die Welt zusammen, wenn sie ausscheiden. Insofern sind wir psychologisch im Vorteil.“

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