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Kroatien bezwingt Japan: Große Gesten, viele Tränen

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Von: Frank Hellmann

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Am Boden und doch obenauf: Torhüter Dominik Livakovic, kroatischer Held im Elfmeterschießen.
Am Boden und doch obenauf: Torhüter Dominik Livakovic, kroatischer Held im Elfmeterschießen. © afp

Im ersten Elferschießen der WM setzt sich Kroatien gegen Japan durch - dank Torhüter Dominik Livakovic.

Mitunter spielen sich die großen Gesten fast unbemerkt ab. Gerade war fast die gesamte Delegation von Kroatien zur Torauslinie gerannt, um ihren Torhüter Dominik Livakovic nach dem 3:1-Sieg im Elfmeterschießen gegen Japan für das Erreichen des Viertelfinals zu feiern. Der grün gekleidete Teufelskerl konnte sich vor Umarmungen, Glückwünschen und Gratulationen kaum retten konnte. Auch Kapitän Luka Modric hatte nur Augen für den Keeper von Dinamo Zagreb, der gleich drei Elfmeter abgewehrt hatte, als sich Ivan Perisic lieber um die Verlierer dieses spannenden, aber selten hochklassigen Achtelfinalduells kümmerte. Der 33-Jährige mit der langen Bundesligazugehörigkeit schritt durch die Reihen der Japaner, spendete jedem einzelnen Spieler Trost, um erst dann langsam zu den Kollegen zu laufen. Eine große Geste.

Wie schon bei der WM 2018 kommt den Kroaten die Nervenstärke vom Kreidepunkt zugute. „Wir haben eine Tradition fortgesetzt“, sagte Elfmetertöter Livakovic, der die flach geschossenen Versuche von Takumi Minamino, Kaoru Mitoma und Kapitän Maya Yoshida reaktionsschnell parierte. „Einiges ist Instinkt, das andere Analyse“, fügte der 27-Jährige an, der sich einiges von seinem Vorgänger Danijel Subasic abgeschaut hat. Auf die These, dass die Strafstöße schlecht geschossen waren, wollte der Blondschopf nicht eingehen. „Es waren keine perfekten Elfmeter, aber einfach war es auch nicht.“

Sich über diesen Weg in die nächste Runde zu hieven, war bei den „Vatreni“, den Feurigen, schon in Russland ein oft im Training geübtes Programm: Erst im Achtelfinale gegen Dänemark, dann im Viertelfinale gegen den Gastgeber schafften sie sich über diesen Umweg in die nächste Runde. Kroatiens Coach Zlatko Dalic sparte nicht mit Lob für die besondere Mentalität seiner Mannschaft nach einem „schwierigen Spiel“. Ein gewisser Überlebenswille sei wohl angeboren: „Wir sind eine kleine Nation. Wir müssen hart fighten, um unsere Ziele zu erreichen.“ Ob es nun auch in Katar bis ins Finale gehen kann, wollte der Fußballlehrer nicht ausschließen: „Wir haben eine hohe Qualität, aber diese WM ist voll von großen Teams.“

Stolz bei den Japanern

Während der kroatische Anhang die freundlicherweise von der Stadionregie im Al-Janoub-Stadium eingespielten Fanlieder voller Inbrunst mitsangen, kullerten den japanischen Fans viele Tränen über die geschminkten Wangen. Nationaltrainer Hajime Moriyasu versuchte mühsam, seine Enttäuschung über das erneut verpasste WM-Viertelfinale zu verbergen. Man solle bitte nicht vergessen, betonte der 54-Jährige, dass zuvor Deutschland und Spanien besiegt worden seien. „Das Resultat schmälert nicht unsere Leistung, die wir bei solch einem Turnier gezeigt haben. Ich denke, dass der japanische Fußball viel Kraft aus dieser WM schöpfen kann.“

In der ersten Halbzeit hatten die „Samurai Blue“ den Gegner teilweise sogar dominiert. Nachdem der erneut wenig effektive Frankfurter Daichi Kamada nach einer tollen Kombination des starken Stuttgarters Waturo Endo noch den Ball über die Latte gehoben hatte (41.), machte es Daizen Maeda kurz vor der Pause besser: Einen abgewehrten Ball beförderte der auch „Maschine“ genannte Stürmer ohne Umschweife über die Linie (44.). Doch bald sollte der Motor bei Maeda und Mitspielern nicht mehr so rund laufen: Im zweiten Durchgang erhöhten nämlich die Kroaten deutlich die Schlagzahl und kamen durch den Kopfball von Perisic nach Maßflanke von Dejan Lovren zum hochverdienten Ausgleich (55.).

Die mittlerweile bei Tottenham Hotspur spielende Allzweckwaffe gilt eigentlich nicht als Kopfballspezialist, wunderte sich daher selbst ein bisschen über sein 33. Länderspieltor, das als Wachmacher diente. In der Folgezeit waren die Kroaten bis Ende der regulären Spielzeit das aktivere Team, ehe sich die Japaner in der Verlängerung mehr zutrauten.

Moriyasu musste sich damit trösten, dass „uns leider gegen dieses Topteam noch ein bisschen was gefehlt hat.“ Es passte zum aufrichtigen Auftritt des auch außerhalb des Platzes immer vorbildhaft, weil respektvoll aufgetretenen Deutschland-Bezwingers, dass er sich mit einem aufrichtigen Dank an alle Beteiligten dieser WM verabschiedete – und sich ein letztes Mal verbeugte. Für diese höfliche Geste gab es den letzten Applaus für Team Nippon bei dieser WM.

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