Reform

Kritik an aufgeblähter Klub-WM

„Die Spieler sind die Leidtragenden“, sagt Trainer Hansi Flick.

Noch mehr Geld für die reichen Klubs, noch mehr Spiele für die gestressten Stars? Die Pläne für die reformierte Klub-WM 2021 treffen selbst beim möglichen Teilnehmer Bayern München nicht nur auf Gegenliebe. „Die Spieler, das sind die Leidtragenden“, sagte Trainer Hansi Flick am Freitag: „Man muss wirklich gucken, ob es für die Spieler zumutbar ist, dass es in einer Sommerpause, in der keine großen Turniere stattfinden, auch noch eine Klub-WM gibt.“

Die Münchner Führungsriege sieht das geplante neue Format und den damit verbundenen Geldregen ganz anders: „Super“ und „wunderbar“ nannte Ex-Präsident Uli Hoeneß die aufgeblähte Klub-WM als Ersatz für den Confed Cup schon vor einem Jahr. Und auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge fand die Reformpläne „richtig“, weil die aktuelle Klub-WM kurz vor Weihnachten „uninteressant“, „unpassend“ und „nicht lukrativ“ sei.

Nach einem Bericht des ZDF sollen die künftig 24 Mannschaften an dem ausgedehnten Turnier allein für ihre Teilnahme jeweils 46,1 Millionen Euro erhalten. Der Titelgewinn soll mit 106 Millionen Euro vergütet werden – die direkte Folge wäre ein noch größerer Wettbewerbsvorteil in der Bundesliga für Serienmeister Bayern, der im Vergleich „nur“ 15,25 Millionen Euro als Antrittsgeld für die Champions League in dieser Saison kassierte.

Die nationale Konkurrenz sieht die Pläne kritisch. „Bayern München hat jetzt schon einen finanziellen Vorteil“, sagte Trainer Peter Bosz von Bayer Leverkusen. Sport-Geschäftsführer Horst Heldt vom 1. FC Köln spottete: „Sollen sie doch noch einen Wettbewerb erfinden und alle zwei Tage spielen. Ich werde es mir nicht anschauen.“

Der FC Bayern gilt als heißer Kandidat für die Teilnahme im nächsten Jahr in China. Die reformierte Klub-WM soll den Confederations Cup ablösen und statt der unbeliebten jährlichen Ausgabe im Winter nur noch alle vier Jahre für fast drei Wochen im Sommer stattfinden. Acht Starter sollen aus Europa kommen. Darunter die Champions-League-Sieger der Spielzeiten 2017/18 (Real Madrid), 18/19 (Liverpool), 19/20 und 20/21 sowie die besten vier weiteren Vereine der UEFA-Klub-Rangliste – die vermeintliche Eintrittskarte für den FC Bayern. Einzige Einschränkung: Maximal zwei Vereine aus einem Land dürfen teilnehmen. Ob sich die Bayern tatsächlich am großen Kuchen beteiligen darf, wird sich Anfang März endgültig herausstellen. Dann will der Weltverband Fifa die Teilnehmer offiziell verkünden.

„Es gibt wirklich eine Menge Szenarien. Und das Szenario mit Bayern München könnte eines sein. Aber es ist nur eine Schublade von Möglichkeiten. Ob die favorisiert ist, kann ich nicht sagen“, sagte ein Sprecher der Europäischen Fußball-Union (Uefa). (sid)

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