Marco Reus

Kraftschub vom Kapitän

Marco Reus schwingt sich vor den Augen des Bundestrainers zum Matchwinner auf.

Lucien Favre bekam das Lächeln in den Katakomben seiner alten Wirkungsstätte gar nicht mehr aus dem Gesicht. Und Matchwinner Marco Reus übermittelte eine deutliche Botschaft an den Titelkontrahenten FC Bayern. „Mit dieser Moral wird es schwer, uns aufzuhalten“, erklärte der Nationalspieler zum Duell um den Titel: „Es tut unheimlich gut, dass der Glaube und die Kraft wiederkommen, bis zum Ende so zu gehen“, schloss der Last-Minute-Siegtorschütze nach einem spektakulären Auf und Ab in Berlin an. 60 Punkte sind erst einmal sicher.

Auch Bundestrainer Joachim Löw sowie seine Vorgänger Jürgen Klinsmann und Berti Vogts auf der Tribüne durften sich beim 3:2 (1:2) des BVB gegen eine mutige und taktisch bestens eingestellte Hertha gut unterhalten fühlen. Vor allem sahen die 74 649 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion zwei Teams, die gegen die oft kritisierte Tendenz in der Bundesliga enormes Tempo und den permanenten Willen zum Offensivspiel demonstrierten.

„Das Spiel war verrückt“, sagte BVB-Coach Favre, der von 2007 bis 2009 auf seiner ersten Bundesliga-Station die Hertha betreut hatte. Zweimal waren die Gastgeber am 43. Geburtstag von Chefcoach Pal Dardai in Führung gegangen, zweimal glich die Borussia aus. Dazu gab es zwei heiß diskutierte Elfmeterszenen und zwei Platzverweise für die Berliner Jordan Torunarigha und Vedad Ibisevic, der in der Nachspielzeit dem Dortmunder Torhüter Roman Bürki den Ball an den Kopf warf und berechtigterweise von Schiedsrichter Tobias Welz Rot sah.

Favres zentrale Erkenntnis aus 94 tollen Minuten wirkte dafür fast langweilig: „Wichtig ist, dass wir gewinnen. Wir können immer Tore schießen.“ Am Ende stand der erste BVB-Ligasieg in Berlin seit fast fünf Jahren. „Verdient, weil wir mehr Chancen hatten“, befand Favre. Sportdirektor Michael Zorc hofft auf eine „Dynamik, die entstehen kann“ und betonte: „Wir gehen jetzt ins letzte Drittel der Saison und werden alles versuchen, um deutscher Meister zu werden.“

Der erfahrene Reus (29), der gemeinsam mit seinen jungen Angriffskollegen Jadon Sancho (18), Christian Pulisic (20) und Jacob Bruun Larsen (20) die Hertha vor allem in Halbzeit zwei immer wieder in Verlegenheit stürzte, sah noch nicht alles wieder rosarot. „Wir wissen, dass es momentan nicht so leichtfüßig geht wie in der Hinrunde.“

Reifeprüfung der jungen Elf

Aber Reus betonte auch, gerade so ein Sieg in der zweiten Minute der Nachspielzeit sorge nun wieder für Selbstvertrauen bei der Titelmission 2019, die Spieler und Offizielle inzwischen auf offen vertreten. „Es zeigt, dass wir Mentalität und Charakter haben, darauf können wir aufbauen.“ Auch ohne Leitwolf Axel Witsel sowie die ebenfalls verletzten Mario Götze und Paco Alcácer stemmte sich die junge Elf mit einem Altersdurchschnitt von 22,9 Jahren gegen den drohenden Punktverlust in Berlin.

Bitter für die nun im Mittelfeld feststeckende Hertha (35 Punkte): Erst in der hektischen Schlussphase, als Torunarigha Gelb-Rot sah, nutzte der BVB die Unordnung. „Das waren sehr wilde letzte zehn Minuten. Jeder wusste, dass sich Dortmund noch die Tabellenführung zurückholen wollte. Dafür muss man kein Sportwissenschaftler sein“, ärgerte sich Valentino Lazaro. (FR/dpa)

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