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Hoffen auf einen Sieg gegen Italien: Trainer Franco Foda (rechts) und Co-Trainer Thomas Kristl.
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Hoffen auf einen Sieg gegen Italien: Trainer Franco Foda (rechts) und Co-Trainer Thomas Kristl.

Österreich plant den Coup gegen Italien

Kraftquelle am Möserer See

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Warum für die erfolgreichen Österreicher bei dieser EM das Regenerieren wichtiger als das Trainieren ist.

Es ist nicht anzunehmen, dass es David Alaba in seiner Zeit beim FC Bayern an Annehmlichkeiten gefehlt hat. Wo auch immer die Reisen mit dem deutschen Rekordmeister den gebürtigen Wiener hinführten, stiegen die Münchner Stars zumeist in den edelsten Herbergen ab. Das Basiscamp der österreichischen Nationalmannschaft setzt beim Wohlfühlfaktor aber gerade das Sahnehäubchen. Als der Kapitän zuletzt ehrlich antwortete sollte, ob die nächsten Tage lieber in Tirol bleiben oder heim zur Familien reisen würde, legte der 28-Jährige ausdrücklich ein klares Bekenntnis für die vom Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) ausgesuchte Herberge in der Gemeinde Mösern bei Seefeld ab.

Das Nidum Casual Luxury Hotel hält, was es verspricht – das wird jeder bei der deutschen Nationalmannschaft bestätigen. Denn vor dem Einzug der Österreicher hatten die Deutschen in dem in einen Hang erbauten Resort fürs Trainingslager logiert – und der eine oder andere hätte es hier auch fürs ganze EM-Turnier ausgehalten. Nun aber ist es die elementare Kraftquelle der ÖFB-Auswahl – und entscheidend am historischen Einzug ins Achtelfinale gegen Italien (Samstag 18.00 Uhr) verantwortlich.

Körper und Geist vereint

Der ukrainische Teamchef Andrej Schewtschenko räumte nach dem verlorenen Abnutzungskampf im letzten Gruppenspiel (0:1) ein: „Die Österreicher waren körperlich stärker als wir.“ Mehr Lob für die Trainingssteuerung geht kaum, weshalb der renommierte Sportwissenschaftler Gerhard Zallinger nun eigens auf einer Pressekonferenz über den Erfolgsfaktor Fitness sprach. „Wir haben die Spiele von der körperlichen Seite sehr gut absolviert“, sagte der promovierte Performance-Manager, man habe gegen die Ukraine „physisch etwas über dem Gegner gestanden.“ Der auch schon mit Leichtathleten und Wintersportlern extrem erfolgreiche Zallinger vertritt die These, dass im Bereich der Regeneration wahrscheinlich gerade die größten Reserven im Leistungssport liegen. Daher wird vom Relaxen im Ermüdungsbecken, über Stabilisationstraining, Physiotherapie und Massagen bis zum Radeln auf dem Mountainbike für jeden ein individuelles Erholungspaket geschnürt – angepasst an die Bedürfnisse.

Dabei legt das österreichische Trainerteam großen Wert auf das Zusammenspiel mit der mentalen Komponente, die Nationaltrainer Franco Foda nach den ernüchternden Erlebnissen im März – darunter ein 0:4 in der WM-Qualifikation gegen Dänemark – im geheimen Feintuning angesteuert hat. Der gebürtige Mainzer mit italienischen Wurzeln beriet sich mit externen Fachleuten, wie in herausfordernden Corona-Zeiten Kopf und Beine auf Höchstleistung getrimmt werden können. Der im zehnten Jahr für Österreichs Verband tätige Zallinger sagt, dass sich die Euphorie jetzt weiter positiv auswirken kann: „Der Körper folgt dem Geist, das hat schon eine Bedeutung. Wenn du mit Überzeugung, mit Entschlossenheit am Platz stehst, kannst du auch mehr leisten.“

London drückt aufs Gemüt

Das soll auch gegen Italien der Schlüssel sein. „Wir müssen noch eine Schippe drauflegen, brauchen einen Top-Tag. Aber warum soll es für uns nicht weitergehen?“, fragt der gegen die Ukraine zum „Spieler des Spiels“ gewählte Florian Grillitsch. Eines kann der Mittelfeldmann der TSG Hoffenheim versprechen: „Wir werden von Anpfiff bis Abpfiff voll da sein.“ Und notfalls auch eine Verlängerung durchhalten. Der große Zusammenhalt soll einen Schub geben, um erstmals bei einem Turnier die Italiener zu schlagen. Das einzige, was derzeit auf die Gemütslage drückt, ist der nächste Spielort London. Denn zum Achtelfinale in Wembley darf nur der ÖFB-Tross reisen, für Fans und größtenteils auch die Journalisten ist der England-Trip wegen der Reiserestriktionen in ein Virusvariantengebiet nicht möglich. Für Foda macht es daher keinen Sinn, in London zu spielen – aber der Wunsch nach einer Verlegung wird ihm kaum erfüllt. „Es ist natürlich ewig schade“, erklärt ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel, „wenn bei unserem ersten EM-Achtelfinale überhaupt niemand aus Österreich dabei sein kann.“

Eigentlich gibt es nur einen Ausweg: Als Außenseiter „gegen die beste Mannschaft des Turniers“ (Schöttel) die Sensation bewerkstelligen. Denn das Viertelfinale würde in München stattfinden. Dorthin kämen die Österreicher sehr viel leichter – und Kapitän David Alaba kennt sich noch bestens aus.

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