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Der Topfavorit auf den Trainerposten in München: Ajax-Coach Erik ten Hag.

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Kovac-Nachfolge: Wer kann Bayern München?

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Einige prominente Trainerkandidaten sind als Nachfolger von Niko Kovac im Gespräch – doch die Münchner Wunschlösung ist nicht ganz so bekannt.

Matthias Sammer ist ein Fußballfachmann, daran besteht kaum ein Zweifel. Nicht in Dortmund, wo er jetzt arbeitet, nicht in München, wo er einst arbeitete. Insofern mutet die Idee, Erik ten Hag nach München zu lotsen, durchaus sinnvoll an. Denn sie kommt ursprünglich – Achtung Trommelwirbel – von Matthias Sammer. Noch als DFB-Sportdirektor hätte dieser den Niederländer gerne als U21-Coach gesehen, Bundestrainer Joachim Löw legte sein Veto ein. Als Sammer später Sportvorstand in München wurde, coachte ten Hag alsbald von 2013 bis 2015 die Viertligareserve des Rekordmeisters. „Er hat eine klare Denkweise, dennoch ist er offen für die Entwicklungen des Fußballs. Das ist ein moderner Trainer“, sagte Sammer. Ten Hag selbst bezeichnet die Zeit an der Isar als „Sechser im Lotto“, vor allem deshalb weil Pep Guardiola der Chef der Profis war. Vom katalanischen Über-Coach habe er „viel mitgenommen. Ich habe fast jedes Training angeschaut“. Bei Ajax Amsterdam, ten Hags aktuellem Arbeitgeber, setzt er auf typischen Holland-Fußball, auf bedingungslose Offensive. Aber, und das wird gerade Pep Guardiola freuen, auch der Ballbesitz sei dem 49-Jährigen nicht nur Selbstzweck, sondern ein Mittel, „um dem Gegner wehzutun“. Ajax gewann vergangene Saison die Liga, den Pokal und kam ins Halbfinale der Champions League. In der Grachtenstadt ist ten Hag noch bis Juni 2022 vertraglich gebunden, doch wenn der deutsche Branchenprimus sich bei ihm melde, so der Fußballlehrer, schließe er „nichts aus“. Das haben die Bayern dem Vernehmen nach getan, Gespräche gab es, und selbst Ajax-Boss Marc Overmars scheint verhandlungsbereit. Er sagte kürzlich: „Wenn solche großen Vereine auf einen zukommen, dann werden wir uns das immer anschauen.“

FR-Prognose:  Ten Hag ist offenbar Wunschkandidat der Bayern, der es sich auch selbst wünscht, die Bayern zu trainieren. Einzig der Zeitpunkt scheint schwierig. Ob Ajax mitten in der Saison den Trainer gehen lässt? Da ist Verhandlungsgeschick gefragt, und wohl der eine oder andere Euroschein.

Massimiliano Allegri

Der Fußball ist sein Leben. Seit 36 Jahren verdient der 52-jährige Italiener, aufgewachsen in der Toskana, sein Geld im Geschäft mit dem Ball – erst als Mittelfeldspieler bei Klubs wie Cagliari, Perugia oder Neapel, dann im fließenden Übergang als Trainer in Sassuolo, Lecce oder zuletzt beim AC Milan und Juventus Turin. Eine Pause vom Gekicke? Kennt er nicht, zumindest bis zu diesem Sommer. Da kündigte Allegri nach seinem Rauswurf bei Juve, nach fünf Jahren in Turin, insgesamt sechs Serie-A-Titeln sowie vier Pokaltriumphen, eine Sabbatsaison an. „Weil ich mein Privatleben wieder in die Hand nehmen muss.“ Familie statt Fußball. 

Massimiliano Allegri

Nun klopfen die Münchner während des Urlaubs an, ganz logisch aus ihrer Sicht, denn Allegri wäre ja verfügbar, hat eine Menge Erfahrung und oft genug bewiesen, dass er Erfolg haben kann. Allerdings: Er spricht weder Deutsch, noch gutes Englisch, letzteres hielt ihn schon immer von Auslandsstationen ab. Dazu haben die Bayern mit italienischen Fußballlehrern nicht gerade die allerbesten Erfahrungen gemacht – siehe Flasche-leer-Wutredner Giovanni Trapattoni oder Dolce-Vita-Genießer Carlo Ancelotti. Aber: Allegri ist ein guter Freund von Giovanni Branchini, der Spielerberater ist einer der wichtigsten Unterhändler der Bayern und war schon an mehreren Transfers beteiligt.

FR-Prognose:  Allegri hat eine Chance auf den Bayern-Posten, wenn er ihn denn selbst will, er ist jedoch nicht der Münchner Favorit. Doch das war Niko Kovac ja auch nicht.

José Mourinho

Eine große italienische Sporttageszeitung mit rosafarbenen Seiten berichtete im Juli, dass José Mourinho Deutschunterricht nehmen würde. Fortan ist der Name des Portugiesen immer dann dick im Geschäft, wenn bei großen deutschen Klubs Trainerdiskussionen aufkommen. Also bei Bayern oder Dortmund. Also dauernd. 

Jose Mourinho

Mourinho, 56, wäre die ganz große Lösung, er ist zweimaliger Champions-League-Sieger, feierte Meisterschaften und Pokalsiege in Portugal, England, Spanien und Italien, und dem Vernehmen nach würde der streitbare Startrainer auch gerne hinter die Bundesliga eine Haken machen. Allerdings wäre er extrem teuer. Für einen Dreijahresvertrag müssten die Bayern wohl ein Gehaltspaket um die 50 Millionen Euro stemmen. Hansi Flick ist günstiger. Und netter.

FR-Prognose:  Der Name ist schillernd, aber den Bayern dürfte das (finanzielle) Risiko mit Mourinho, dessen Erfolge schon ein paar Jährchen zurückliegen, zu groß sein.

Arsene Wenger

Er sollte schon einmal Bayern-Trainer werden. 1994. „Es ist leider nicht zustande gekommen damals“, erzählte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im März 2017. Und: „Ich habe persönlich ein sehr gutes Verhältnis zu Wenger, den ich sehr schätze seit langer, langer Zeit.“ Würden die Bayern ihn wollen, würden sie den Franzosen wohl auch kriegen, der im vergangenen Jahr den FC Arsenal verließ, nach 22 langen, langen Jahren in London. 

Arsene Wenger

Was für Wenger spricht: Er steht für schönen Offensivfußball, und der Elsässer kann fließend Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch, womit er sich selbst dem internationalen Münchner Kader problemlos verständlich machen könnte. Was gegen Wenger spricht: Es ist nicht mehr 1994. Der Mann ist 70, und der moderne Fußball hat ihn überholt.

FR-Prognose:  Auch wenn Rummenigge Wenger seit langer, langer Zeit schätzt, sind die Chancen auf eine Verpflichtung sehr, sehr gering.

Mauricio Pochettino

Neulich hat der 47-Jährige mit den Tottenham Hotspurs in der Champions League gegen den FC Bayern mit 2:7 verloren. Für den Münchner Coach Niko Kovac war das bemerkenswerterweise der Anfang vom Ende, denn der Höhenflug stellte sich doch als freier Fall heraus. Viel wahrscheinlicher war damals, vor gut einem Monat, dass Pochettino bei den Spurs seinen Job verlieren würde. Hat er aber nicht. Noch nicht. 

Mauricio Pochettino

In der Premier League krebsen die Londoner aktuell im Mittelfeld herum, der Zauber des argentinischen Trainers scheint verflogen. Angeblich baggern die Bayern schon etwas länger am smarten Taktiker herum, der Tottenham in den vergangenen Jahren jeweils in die Top vier in England führte und in diesem Mai ins Champions-League-Finale.

FR-Prognose:  Sollte er schnell auf dem Markt kommen, ist er ein Topkandidat bei den Bayern. Pochettino wäre die ideale Besetzung für die Ansprüche der Münchner, halbwegs jung, international erfahren, stark in der Menschenführung. Aber sein Vertrag läuft bis 2023, und noch hat er bei den Spurs Kredit. Aktuell ist ein Wechsel deshalb schwer vorstellbar.

Ralf Rangnick

Der 61-Jährige fällt gerne Entscheidungen unter der Dusche, zumindest im vergangenen Winter war das so, als der damalige Leipziger Trainer sich abbrauste und zeitgleich entschloss, bald kein Leipziger Trainer mehr zu sein. Der Duschintuition folgend wurde er im Sommer zum „Head of International Relations and Scouting“ des RB-Imperiums. Eine wolkige Bezeichnung, die eines meint: Rangnick wechselte vom Konzernfußball zum Fußballkonzern und ist seitdem bei Red Bull in einer Direktorenrolle mit präsidialem Touch gefangen – ohne Worthoheit bei den RB-Klubs, die Sportdirektoren handeln autark, dafür in beratender Funktion vordringlich zuständig für die Entwicklung der Vereine in New York und Brasilien. 

Ralf Rangnick

Ob ihm das reicht? Wohl kaum. Bei Manchester United brachte er sich kürzlich im „Guardian“ selbst als Teammanager ins Gespräch und auch bei den Bayern sollen sie über ihn nachgedacht haben. Aber: Uli Hoeneß ist bekanntlich nicht gerade Rangnicks Freund, eher das Gegenteil.

FR-Prognose:  Rangnick könnte sich ein Engagement in München vorstellen, die Bayern eher nicht – eine Zusammenkunft ist unwahrscheinlich. Daran wird auch eine heiße Dusche nichts ändern.

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