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Steht im Regen: Niko Kovac.

FC Bayern München

Kovac muss liefern

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Der neue Münchner Trainer wirkt in seiner ersten Minikrise ein wenig ratlos. Hinter den blanken Resultaten der vergangenen Tage stecken erstaunlich trübe Leistungen. Ein Kommentar.

In ihrer jüngsten Ausgabe grub die „Sportbild“ die Anekdote aus, wonach der neue Münchner Trainer Niko Kovac in seinem letzten Pflichtspiel für seinen alten Arbeitgeber, die Frankfurter Eintracht, einen ebenso schlichten wie cleveren Matchplan ausbaldowert hatte, um die Bayern im Pokalfinale zu Fall zu bringen: Lange Bälle in die Tiefe über den Münchner Abwehrchef Mats Hummels. Den hatte Kovac als Schwachstelle ausgemacht, weil der deutsche Nationalspieler einfach zu langsam sei, um einen Bullen wie Eintracht-Stürmer Ante Rebic in Schach zu halten. Das Konzept, das ist bekannt, ging auf, Rebic machte zwei Tore, Hummels kam zweimal zu spät. Die Bayern waren k. o.

Die von Kovac ausgegebene Taktik entsprang sicher nicht dem großen Einmaleins für Fußballlehrer, auf diese Idee wären wohl auch weniger gut beleumundete Trainer gekommen. Und doch entbehrt die Geschichte nicht einer gewissen Pikanterie, weil Kovac seit Sommer ja der Chef von Hummels ist. Den klugen und smarten Charakterkopf sollte man besser nicht gegen sich haben.

Mats Hummels ist derzeit sicher nicht das Kardinalproblem von Niko Kovac an der Säbener Straße, aber diese kleine Randnotiz verdeutlicht auch, wie viele Brandherde und Nebenschauplätze es bei dem bekanntesten und am meisten beachteten Fußballklub Deutschlands gibt.

Nein, Kovacs größte Baustellen sind, so banal es klingen mag, die letzten drei Ergebnisse, 1:1 gegen Augsburg, 0:2 in Berlin, 1:1 gegen Amsterdam. Das ist nicht Bayern-like, da kann zumindest schon mal ein Ast am Baum anfangen zu lodern. Hinter den blanken Resultaten stecken, und das ist schon eher besorgniserregend, aber auch erstaunlich trübe Leistungen. Und für die ist nun mal der Cheftrainer verantwortlich.

Kovac wirkt in seiner ersten Minikrise in München ein wenig ratlos, aus dem einfachen Grund, weil er selbst nicht richtig greifen kann, weshalb all das stockt, was noch vor zwei, drei Wochen geschmeidig flutschte. Der 46-Jährige hat schon früh in der Saison ein wenig zu viel rotieren lassen, und sich gleich mal einen dezenten Hinweis seiner Vorgesetzten gefallen lassen müssen: „Das muss der Trainer entscheiden“, sagte Uli Hoeneß. „Am Ende muss er ja auch den Kopf dafür hinhalten.“ Das hörte sich sehr viel brisanter an, als es gemeint war. Doch die Botschaft ist klar.

Kovac, erst seit zweieinhalb Jahren Bundesligacoach, ist ja noch ein Suchender, er ist zwar klug und abgezockt, aber eben noch jung im Geschäft. Er kam zudem zu keinem günstigen Zeitpunkt an die Isar, die Mannschaft ist über ihren Zenit hinaus, einige Leistungsträger sind in die Jahre gekommen – adäquater Ersatz aus den eigenen Reihen? Fehlanzeige. Das macht es für Kovac nicht einfacher.

Für ihn ist in dieser Gemengelage unabdingbar, die Führungsspieler an seiner Seite zu wissen, er darf die Mannschaft nicht verlieren, sonst wird er am Ende der große Verlierer sein. Aus dem Team gibt es schon den einen oder anderen Unzufriedenen, problematisch wird es, wenn die großen Stars aufbegehren, wenn Hummels, Thomas Müller, Franck Ribéry oder Arjen Robben ihre Gefolgschaft verweigern. Das ist ein sensibles Thema, da ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Das wird der Kroate entwickeln müssen.

Und er muss seiner Mannschaft auch fußballerisch etwas an die Hand geben, zuletzt spielten die Bayern einen langatmigen und ineffektiven Ballbesitzfußball, der sich ohnehin überholt hat. Niko Kovac wird Antworten geben und liefern müssen – Zeit hat man gerade in München nicht im Überfluss.

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