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Bayern-Trainer Niko Kovac.

Niko Kovac

Kovac bleibt ein Bayerntrainer auf Abruf

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Trotz des Sieges gegen Benfica Lissabon ist die Zukunft von Niko Kovac als Trainer bei Bayern München ungewiss.

Die Spieler von Benfica Lissabon sahen am Dienstagabend aus, als würden sie sich noch ins Münchner Nachtleben aufmachen wollen. Als sie um Mitternacht frischgeduscht die Arena verließen, hatte man den Eindruck, eine überdimensionale Boygroup aus den 90er-Jahren strebe da dem Ausgang zu, das Outfit war lässig: silbrig-schwarzes Blouson zu Jeans, dazu ein weißes Polo, das mit den weißen Sneakern harmonierte. Problem eins: Selbst das Münchner Nachtleben gibt am Dienstag nicht so viel her. Problem zwei: Nur die Profis des FC Bayern hatten sich nach dem 5:1 eine Party verdient gehabt.

Die Münchner Spieler gingen jedoch brav nach Hause. Ausgiebige Abende sind während der Saison höchstens in Ausnahmesituationen erlaubt, zudem genügt aktuell selbst ein ziemlich überzeugender Kantersieg längst nicht mehr, um die vergangenen Wochen auf Knopfdruck vergessen zu machen.

Die Gemüter haben sich nach dem 5:1 zumindest etwas beruhigt, doch für eine endgültige Absolution ist es viel zu früh. Stand jetzt hat sich Trainer Niko Kovac eine Verschnaufpause verschafft. Das Analysegespräch, das die Bosse für den Tag nach dem Duell mit Benfica angesetzt hatten, werde stattfinden, so Hasan Salihamidzic. Doch der Sportchef stufte schon vorab die Alarmstufe herab: „Es wird ein angenehmes Gespräch.“

Kaffeekränzchen statt Krisengipfel – dabei trauten die Spieler sich selbst nach dem Sieg über erschreckend passive Portugiesen nicht so recht über den Weg. „Wenn wir am Samstag in Bremen nicht gewinnen, ist wieder Unruhe“, sagte Rechtsaußen Arjen Robben. Das 5:1 könne ein Befreiungsschlag sein, ergänzte Torhüter Manuel Neuer, „es kann aber alles sein. Wie es jetzt weitergeht, wissen wir nicht.“ Wie tief die Wunden der letzten Wochen sind, verdeutlichte der Kapitän mit einem Satz, der laut der Mia-san-mia-Doktrin des Vereins eigentlich mit einer Geldstrafe belegt sein müsste: „Es ist jetzt nicht so, dass wir das Selbstvertrauen haben und sagen: Wir hauen jede Mannschaft weg.“ Dafür, so Neuer, „ist zu viel schiefgelaufen in der Vergangenheit“.

Obwohl Salihamidzic das gerne hätte und auch Uli Hoeneß mit einem vergnügten Abgang („Ich bin sehr zufrieden“) die gleiche Gemütslage suggerierte – die Bosse wären gut beraten, sich bei ihrer Analyse nicht in die eigene Tasche zu lügen. Selbst Trainer Kovac bestritt nach der Partie nicht mehr, dass es in der Mannschaft Vorbehalte gegen ihn gibt. Er wolle es mal so sagen, begann er ein höchst ungewöhnliches Bekenntnis. Es sei immer die Rede von vier Spielern, „die gegen mich sind. Man spricht aber nicht von denen, die auf unserer Seite sind.“ Das seien, so der Coach, „eindeutig genug“. „Und daher gehen wir unseren Weg weiter“, sagte Kovac und fügte an: „Ich hoffe, dass das ein Befreiungsschlag war.“

Diese Sätze lesen sich wie die Bestätigung der Meldungen, die Bosse hätten sich in letzter Zeit in der Mannschaft umgehört, wie die Spieler zu ihrem Übungsleiter stehen. Die nächsten Spiele werden nun zeigen, wie sich die verschiedenen Parteien verhalten: Es gibt interne Kritiker, es gibt Befürworter und es gibt die, die sich für ihre Ziele einsetzen – Ziele, die sich mit denen des Vereins decken.

Suche nach dem Maulwurf

„Wir wollen uns in stürmischen Zeiten nicht splitten lassen“, sagte Thomas Müller, „die Stimmung steht und fällt mit dem Erfolg, das ist in jeder Firma so. In Krisenzeiten ist sie nicht so gut.“ Müller schob noch nach: „Ich glaube, grundsätzlich stehen Mannschaft und Verein zum Trainer.“ Es gab schon flammendere Plädoyers, aber es war zumindest ein Zuspruch. 

Das Trainer-Thema rückt in der Agenda zumindest etwas nach hinten, dafür will sich Salihamidzic der Jagd nach dem Spieler widmen, der Interna aus der Kabine nach draußen trägt: „Sie können sich ausmalen: wenn ich den erwische ...“ Der Rest blieb unausgesprochen, doch der Sportchef wirkte entschlossen: Die Fahndung läuft. Zur Not vielleicht sogar im Münchner Nachtleben.

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