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Kosten auf der Rennbahn galoppieren davon

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Von: Frank Hellmann, Jan Christian Müller

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Tteurer als gedacht: der Neubau DFB-Akademie.
Teurer als gedacht: der Neubau DFB-Akademie. © Imago

Nicht nur das Image des DFB ist im Keller, der Verband gerät mit seiner schicken neuen Heimat auch finanziell in Nöte.

Insgesamt fünfeinhalb Jahre hat Ulrich Ruf dem Prüfungsausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vorgestanden. Der 66-Jährige stellt sich am Freitag beim DFB-Bundestag nicht mehr zur Wiederwahl in das unabhängige Gremium. Ruf zieht die Konsequenzen aus den „beispiellosen Vorgängen“ rund um den dubiosen Beratervertrag mit der Agentur von Kurt Diekmann, um die sich jetzt auch die Staatsanwaltschaft kümmert (die FR berichtete). Doch wird der Schwabe noch an anderer Stelle seines Berichts überaus deutlich: „Der Prüfungsausschuss beobachtet seit Jahren mit großer Sorge die mittelfristige Finanzsituation des DFB, die eine besorgniserregende Entwicklung genommen und ein strukturelles Defizit auch in den nächsten Jahren zur Folge hat.“

Die ständig steigenden Kosten für Personal und für Beratungsdienstleister, die zusätzlich Belastungen durch den Neubau des DFB-Campus und neue steuerliche Bewertungen seien hierfür im Wesentlichen verantwortlich. Dass in derart drastischer Form auf finanzielle Engpässe von Prüferseite aufmerksam gemacht wird, ist neu. Es wird angeregt, „Grundsatzdiskussionen im DFB-Präsidium zu führen, welche Projekte sich der DFB weiterhin leisten kann und welche nicht“.

Zuletzt monierte Schatzmeister-Kandidat Ralf Viktora im FR-Interview: „Wir haben per Rundschreiben die Information erhalten, dass Sichtungsturniere aus Kostengründen abgesagt werden mussten. Damit können wir uns keineswegs identifizieren. Solche Turniere sind doch das für die Zukunft ganz wichtige Butter-und-Brot-Geschäft des DFB. Also müssen wir Kosten woanders einsparen.“ Peinlich für den DFB, dass es überhaupt soweit gekommen ist.

Phantasievolle Bilanzen

Kritisch hinterfragt werden von den DFB-Prüfern die enormen Investitionen in die bald fertige Akademie, da „dieses Leuchtturmprojekt auch eine Fülle von Risiken in sich birgt, und zwar hinsichtlich der Kosten, der Finanzierung und der Folgekosten“. Denn der von einem eigenen DFB-Bundestag maximal genehmigte Kostenrahmen von 150 Millionen Euro kann laut Prüfungsausschuss nicht eingehalten werden.

Der scheidende Schatzmeister Stephan Osnabrügge informiert in seinem Bericht für den Bundestag über die klamme Kassenlage angesichts des größten Einzelprojekts in der DFB-Geschichte. Das eigentliche Baubudget werde eingehalten, versucht er zu beruhigen, allerdings kämen einmalig noch sogenannte Projektnebenkosten für Inbetriebnahme, die Möblierung, die Außenanlage, aber auch die Lichttechnik obendrauf – insgesamt 19,3 Millionen Euro.

Da wird, freundlich formuliert, offenbar sehr phantasievoll bilanziert, um die vom DFB-Bundestag erlaubte Obergrenze nicht zu reißen. Durch teils nicht geplante Zuschüsse (Fifa, Uefa und KfW) werden die Mehrkosten zwar gelindert, aber nicht komplett aufgefangen. Osnabrügge gibt auch zu, dass die laufenden Betriebskosten für den Prachtbau auf der ehemaligen Frankfurter Rennbahn davongaloppieren: Rund 5,3 Millionen Euro müssen dafür ab 2023 jährlich eingeplant werden. Die Erlöse aus der Vermietung der derzeitigen DFB-Zentrale sind bereits gegengerechnet.

Verband noch gesund. Noch.

Im Geschäftsbericht steht dazu schwarz auf weiß: „Die kommenden Jahren werden für den DFB finanziell herausfordernd.“ Die letzten zwei Worte sind sogar gefettet. Im Gegenzug ist auf der Erlösseite operativ kein starkes Wachstum mehr zu erwarten. Die Sponsoring- und Vermarktungsverträge rund um das Zugpferd der A-Nationalmannschaft der Männer scheinen weitgehend ausgereizt. Möglicherweise werden TV-Einnahmen sogar sinken.

Um mehr Geld einzunehmen, muss ein künftiger DFB-Präsident mit seinem neuen Schatzmeister den im Sommer 2023 auslaufenden Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL neu verhandeln. Derzeit kommen bei den Landesverbänden sechs Millionen Euro pro Jahr an. Das Zehnfache, also jährlich 60 Millionen Euro von oben nach unten, fordert etwa Gerd Thomas vom FC Internationale in Berlin: „Dafür könnte man die Trainerausbildung optimieren, das Riesenproblem Schiedsrichter angehen und das Ehrenamt stärken.“

Beide Präsidentenkandidaten, Peter Peters und Bernd Neuendorf, haben angekündigt, die Vereinbarung im Sinne des DFB zu überprüfen. Aber die Erwartung des Berliners Gerd Thomas wird nicht annähernd zu realisieren sein.

Noch immer verfügt der DFB bei über konservativ angelegte Eigenmittel von rund 100 Millionen Euro auf dem Konto. Von seiner derartigen freien Rücklage träumt abseits des FC Bayern jeder Bundesligaverein. Osnabrügge hat schon im FR-Interview im vergangenen Oktober deutlich gemacht, dass die fetten Jahre zu Ende gehen und stellte dabei etwa die Millionen-Unterstützung für die Arbeit der darüber erzürnten Fanprojekte in Frage. Es ist eine dieser „unpopulären Entscheidungen“, zu denen er rät. Für den 51-Jährigen ist unvermeidlich, dass der Verband den Rotstift ansetzen muss. Man sollte „dabei auch die Mut haben, sich von Aufgaben zu trennen“.

Für zwingend erforderlich hält Osnabrügge „die kraftvolle Unterstützung des Landesverbände, erforderliche Investitionen in die Nationalmannschaften und die Talentförderung“. Unmissverständlich mahnt er: „Noch ist der DFB in einer gesunden Verfassung. Dass dies so bleibt, ist aber kein Selbstläufer.“

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