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Die Geisterspiele sind zurück: Den Anfang muss RB Leipzig machen.
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Die Geisterspiele sind zurück: Den Anfang muss RB Leipzig machen.

Fanverhalten in den Stadien

Corona im Fußball: Kontrastprogramm der Kurven

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Fanszenen und Experten sind sich uneins über die Auslastung und das Verhalten beim Stadionbesuch.

Frankfurt am Main - Selbst Michael Gabriel, als Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) einer der profundesten Kenner der Fanszene von Eintracht Frankfurt, hat sich am Sonntag über die eigenartige Atmosphäre in der neuen Heimat des SC Freiburg gewundert. Das Stadion war mit 32.500 Zuschauenden bestens besetzt, aber die Stimmung in dem neuen Schmucktempel vergleichsweise mau. Und das lag nicht nur daran, dass auf dem gesamten Stadiongelände - auch am Platz - zwingend Maskenpflicht herrschte. Zuvor hatten drei Ultragruppen gemeinsam entschieden, ihre Mannschaft ausnahmsweise nicht zu unterstützen. Es gab keine Gesänge. Man wollte sich in der aktuellen Corona-Lage angemessen verhalten und mit dem Verzicht den Ausstoß von Aerosolen reduzieren.

Trotz Corona: Schunkeln bei Mainz gegen Köln

Das war auch deshalb ein bemerkenswertes Zeichen, weil am selben Tag – Anpfiff zwei Stunden später – der FSV Mainz 05 bei seinem von 25.500 Fans besuchten Heimspiel gegen den 1. FC Köln das Kontrastprogramm aus seiner Kurve lieferte. Der Mainzer Fanblock hatte das Singen eben nicht lassen wollen. Man stand, schrie und schunkelte zusammen. Dicht an dicht, ohne Maske. Zwei Vereine, die in vielen gesellschaftspolitischen Fragen fast im Gleichklang ticken, hätten kaum einen größeren Gegensatz zum Fanverhalten im Stadion bieten können an diesem Sonntag. Einmal mehr zeigt sich, dass es auch in der vierten Welle für den Profifußball fast unmöglich ist, ein richtig oder falsch zu finden. Fakt ist derweil, dass sich in der dramatischen Pandemieentwicklung die nächsten Publikumsbeschränkungen ankündigen.

Das tückische Corona-Virus spart eben nichts und niemand aus. Drastisch trifft es als ersten Erstligisten den Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig, der im von den Infektionen besonders betroffenen Bundesland Sachsen mindestens bis zum 12. Dezember wieder Geisterspiele austragen muss. In einer Stellungnahme hatte der Brauseklub das Land dafür gescholten, „keine tragfähigen Konzepte“ zur Eindämmung der Pandemie umzusetzen.

BVB-Boss Watzke warnt die Politik

Symbolisch den mahnenden Zeigefinger hob mit Hans-Joachim Watzke einer der am besten in die höchsten politischen Ebenen vernetzten Bosse: Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund warnte am Sonntag (21.11.2021) auf der Mitgliederversammlung davor, eine bundeseinheitliche Regelung einzuführen. Eine Kollektivhaft dürfe es nicht geben. Den Gipfel gegen den FC Bayern will der BVB am 4. Dezember unbedingt vor großer Kulisse spielen. Der Rekordmeister hingegen muss sich wieder auf Einschränkungen einstellen: Der Freistaat Bayern will an diesem Dienstag beschließen, dass bis zum 15. Dezember die Auslastung in den Stadien und Hallen bei Sportveranstaltungen auf maximal 25 Prozent beschränkt werden.

Wie groß aber ist die Ansteckungsgefahr beim Stadionbesuch wirklich? Darüber besteht selbst unter den Experten keine Einigkeit. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer unterstrich im ZDF seine Haltung, dass die 2G-Regel nicht ausreichend ist. „Trotzdem sind die Menschen sehr eng beieinander, sie jubeln, sie schreien – da ist viel Kontakt und Möglichkeit sich anzustecken.“ Er empfiehlt neben zusätzlichen Tests („Wir müssen testen, damit es sicherer wird“) und einer Maskenpflicht („Die würde helfen“) notfalls auch eine Reduktion der Zuschauerzahl.

Für den Biophysiker Gerhard Scheuch, der als Koryphäe zur Ausbreitung von Aerosolen gilt, macht es dagegen überhaupt keinen Sinn, Großveranstaltungen unter freiem Himmel abzusagen. Man habe nach Pandemiebeginn relativ schnell festgestellt, dass es „fast ausschließlich in Innenräumen zu Ansteckungen kommt“. Sich in einem Stadion aufzuhalten, sei überhaupt keine Gefahr. „Aufpassen würde ich bei solchen Ereignissen bei der An-und Abreise, auf den Toiletten und dann natürlich in den Logen. Das sind die gefährlichsten Orte.“ Er könne nur wiederholen, was er schon im vergangenen Jahr gesagt habe: „Wenn ich Politiker wäre, würde ich alles dafür tun, um die Leute zu motivieren, ins Freie zu gehen. Also, raus an die frische Luft, auf Weihnachtsmärkte, ins Stadion, auch mal in den Park.“ (Frank Hellmann)

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