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Während Augsburgs Spieler jubeln, ist Münchens Benjamin Pavard enttäuscht.

Fußball

Kommentar: Die Spannung in der Bundesliga ist zurück

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Die Bundesliga ist in der laufenden Saison so spannend wie schon lange nicht mehr. Ein Kommentar von Jan Christian Müller.

Die wiederkehrenden Beschwerden hatte es in den Jahren 2013 bis 2018 zu Recht gegeben. Immer diese blöden Bayern mit ihrer ungebrochenen Vorherrschaft. Vergangene Saison dann wieder, wenn auch ausnahmsweise erst im Schlussspurt. Eintönigkeit dort droben an der Spitze, die den armen DFL-Boss Christian Seifert nahezu alptraumartig verfolgte. Denn die zahlungskräftigen Medienpartner moserten. Tenor: Zu viel Geld für zu wenig Spannung.

Zwei Auswege tun sich auf: Entweder den Bayern Substanz klauen (zum Beispiel, indem man ihnen viel Geld aus der TV-Verteilung wegnimmt, was sie sich nicht so einfach bieten lassen würden) oder die anderen besser machen (zum Beispiel, indem sie gegen die Überbayern mutiger und taktisch klüger auftreten). Oder: weder noch. Einfach alles laufen lassen, die Bayern spielen einfach schlechter, die anderen ungefähr weiter so wie bisher, und siehe da: Nach acht Spieltagen liegen sie alle, von Platz eins bis neun, hübsch eng beieinander. Seifert hätte es nicht spannender orchestrieren können.

Wenig Spannung in der Premier League

Die Premier League dagegen, vielfach hochgepriesen wegen ihrer Enge an der Spitze: Vorn der FC Liverpool einsam und verlassen, dreiviertel der Verfolger schon hoffnungslos abgeschlagen, mindestens. Bayerische Verhältnisse sozusagen.

Die Bayern, vor noch nicht allzu langer Zeit rauschhaft gut bei Tottenham Hotspur, sind aus der Spur gekommen. Es mag einer oberflächlichen Betrachtungsweise aus der Ferne geschuldet sein, hierfür auch die knifflige Causa Thomas Müller als mitverantwortlich auszumachen. Was macht es mit der Mannschaft, dass diese jahrelange Führungskraft zur Randfigur geworden ist? Was macht es mit dem sensiblen Brasilianer Philippe Coutinho, dass vordergründig er derjenige ist, dessentwegen Müller nicht nur zum unzufriedenen Ersatzmann wurde, sondern auch die negativen Schlagzeilen füllt. Mit unangenehmen Auswirkungen auch auf Niko Kovac, der gerade als entsprechend dünnhäutiger Trainer daherkommt. Gut für die Liga und schlecht für die Bayern.

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Bundesliga: Viele Teams mischen vorne mit

Zumal Borussia Dortmund der zuletzt schlechten Stimmung gerade noch von der Schippe gesprungen ist, ohne dabei gegen die widerspenstigen Mönchengladbacher das eigene Führungszeugnis entscheidend aufzuhübschen. Dazwischen: der VfL Wolfsburg noch immer ungeschlagen – Hut ab vor Trainer und Team – dahinter RB Leipzig, befallen von einer aktuellen Miesepetrigkeit des Trainers, die verdächtig an die Gemütslage von Favre und Kovac aus den vergangenen Wochen erinnert. Schalke, Freiburg und Frankfurt solide überperformend, hintendran Leverkusen mit bedeutend weniger Output als dem Potenzial entspricht.

Coming out: Wahrheit oder Fake-Accounts?

So köchelt sie weiter auf mittlerer Temperatur vor sich hin, die gute alte Bundesliga, ganz hinten sind genau die, die man dort erwartet hatte. Sie repräsentieren den sportlichen Gegenwert der finanziellen Möglichkeiten. Manche (Union Berlin, Fortuna Düsseldorf) besser, manche (Mainz 05, FC Augsburg) schlechter. Alltag im Herbst 2019, nicht immer nur grau. Manchmal kommt sogar die Sonne durch.

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