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Keine Zukunft in Augsburg: Martin Hinteregger.

Kommentar Martin Hinteregger

Kritische Unruhe

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Martin Hinteregger ist nicht pflegeleicht - er lässt sich auch in Krisenzeiten nicht den Mund verbieten.

Martin Hinteregger, der sich jetzt nach despektierlichen Aussagen gegen den Trainer des abstiegsbedrohten FC Augsburg selbst ins Abseits gestellt hat, ist kein stromlinienförmiger Profi. Eher das genaue Gegenteil. Der Mann, im Brotberuf knüppelharter Innenverteidiger, verkörpert eigentlich genau das, was gerne als mündiger Bürger dargestellt wird, er ist einer, der nicht zu allem Ja und Amen sagt, der eine Meinung hat und mit der nicht hinter dem Berg hält. Hinteregger, einst bei RB Salzburg unter Vertrag, hat sich früh kritisch über die enge Verzahnung der Brauseklubs in Salzburg und Leipzig geäußert, alles werde aus Salzburg „wegdirigiert“. Er hat in einem Interview auch gesagt, er wäre „lieber Profi in den 80er Jahren gewesen und hätte dafür ein lustigeres, authentischeres Leben geführt“.

Der Man, 26 Jahre alt, österreichischer Nationalspieler zudem, passt nicht in die Welt der gegelten, von Spielerberatern wie Marionetten geführten, aalglatten, smarten Fußballer. Er hat kein Smartphone, ist nicht in den sozialen Medien aktiv und trainiert in seiner Freizeit eine Kindermannschaft eines Stadtteilklubs in Augsburg. „Ich werde immer sagen, was ich denke“, hat er häufig erzählt, er will sich nicht verbiegen, sich anpassen, aus Angst vielleicht nicht aufgestellt zu werden. Eigentlich ist Martin Hinteregger, aus einem kleinen Weiler in Kärnten stammend, genau jener Typus Profi, den man sich gerne in Schaufensterreden wünscht, ein Fußballer mit Rückgrat, ein echter Typ, geradeaus.

Solche Typen sind nicht pflegeleicht, das ist der Nachteil. Und sie lassen sich halt auch in Krisenzeiten nicht den Mund verbieten. Der FC Augsburg, jahrzehntelang ein Muster an Beständigkeit, Solidität und Rechtschaffenheit, ist in die Schieflage geraten. Es gibt zuweilen Klagen über Disziplinlosigkeiten einzelner Spieler, etwa jene des Brasilianers Caiuby, der eigenmächtig seine Heimaturlaube verlängert und mitunter schlafend schwarzfährt im Zug. Ganz offensichtlich stimmt es im Klub nicht mehr, zudem wird die Mannschaft sportlich nach hinten durchgereicht, seit ewigen Zeiten wartet der FC auf einen Sieg. Es gärt sehr vernehmlich.

In dieser ohnehin sehr sensiblen Phase, in der Nerven extrem angespannt sind und faktisch falsche Schiedsrichterentscheidungen, wie vor dem 0:1 am Samstag gegen Mönchengladbach, die Lage zusätzlich anheizen, hat Martin Hinteregger seinen Mund nicht halten können. Oder wollen. Seit 2018 zeige die Kurve nach unten, er könne über den Trainer nichts Positives und werde nichts Negatives sagen, hat er gesagt. Starker Tobak, denn damit hat er die ohnehin schwindende Autorität des Trainers Manuel Baum erheblich untergraben. Die Konsequenz: Ab sofort kann sich Hinteregger, seit 2016 in der Fuggerstadt, Leistungsträger und Stammspieler, einen neuen Verein suchen.

Denn das kann sich ein Bundesligaklub nicht gefallen lassen. Oder doch? Vielleicht hat Hinteregger ja recht, vielleicht hat er das ausgesprochen, was manche im Team denken? Oder ist er doch ein Quertreiber, der sich mit den Zielen des Klubs nicht mehr identifizieren kann? Ein Unbequemer, der den Weg nicht mitgehen will? Und Unruhe aufwirbelt? Sportlich, da gibt es wenig Zweifel, ist die Suspendierung für den Klub ein herber Verlust. Der FC Augsburg hat sich für die Ruhe entschieden. Und gegen die Reibung.

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