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Als sei er nach einer zweiwöchigen Magen-Darm-Grippe zum ersten Mal wieder in die Küche gegangen: Bayern-Trainer Niko Kovac.

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Hello Goodbye

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Es war besonders schmerzlich für den FCB, ausgerechnet gegen Liverpool und Jürgen Klopp aus der Champions League auszuscheiden. Ein Kommentar.

Jürgen Klopps Mund besteht nur noch aus Zähnen, das war deutlich zu sehen am Mittwoch in München. Immer wieder blitzte das keramische Lachen des Liverpool-Trainers auf in der Arena des FC Bayern, abend- wie raumfüllend, zum Schluss auch bei der Pressekonferenz nach dem 3:1-Sieg der Engländer. Klopps Gebiss diente dabei als blendend weiße Projektionsfläche fürs Münchner Leid, nebendran saß Niko Kovac, der Bayern-Trainer, und der sah aus, als sei er nach einer zweiwöchigen Magen-Darm-Grippe zum ersten Mal wieder in die Küche gegangen. Schlaff wie ein Luftballon, aus dem die Luft draußen ist.

Hello Goodbye, FC Bayern. Ein Anfang ist immer ein Ende ist immer ein Anfang, und stets erkennt man es in den Gesichtern.

Eine blendend weiße Projektionsfläche fürs Münchner Leid: Jürgen Klopps Zähne.

Es war demnach besonders schmerzlich für den FCB, ausgerechnet gegen Liverpool und Jürgen Klopp aus der Champions League auszuscheiden, diese kraftstrotzende Symbiose aus Tausenden Zähnen und rasend schnellen Afrikanern und einer Zukunftsidee, die schon in der Gegenwart fruchtet. Die Bayern selbst wissen ja nur, dass gerade etwas zu Ende geht, der große Zyklus mit Ursprung in den Nullerjahren. Robben, Ribery. Der Herzschlag dieses Teams lagert gefühlt immer noch nah am letzten Champions-League-Triumph, fast sechs Jahre her inzwischen, und irgendwie hat der deutsche Rekordmeister den Absprung verpasst, raus aus dem Jahr 2013, rein in die Zukunft. Und jetzt stecken die Bayern wild strampelnd fest, eingeklemmt zwischen den Zeiten.

Die Reds waren die letztlich eindeutig bessere Mannschaft in diesem Achtelfinale der Königsklasse, und ganz nebenbei präsentierten die Briten eine Liste der Münchner Versäumnisse in den vergangenen Jahren. In der Coaching Zone der Gäste: Jürgen Klopps Gebiss samt Jürgen Klopp. Der Mann, der 2008 nach Dortmund ging, weil die Bayern fälschlicherweise einen anderen Jürgen für geeigneter hielten, den Klinsmann nämlich. Klopps Schatten besaß am Mittwoch im Flutlicht die Züge Thomas Tuchels, jenem ebenfalls visionären, aber nicht immer einfachen Trainer, mit dem sich Präsident Uli Hoeneß vor gut einem Jahr nicht auf die Nachfolge des scheidenden Jupp Heynckes einigen konnte oder wollte. Zu forsch, zu unbequem. Keinesfalls wollte Hoeneß den nächsten Van Gaal im Trainerbüro sitzen haben.

Stattdessen hat er dort nun also Kovac, dessen Visionen es offenbar nur bis zu kontrolliertem Defensivfußball schaffen. Zu wenig für die große Bühne. Andererseits: Was soll er machen. Der verspätete Aufbruch in die Post-Robben-Ribery-Zeit findet erst im Sommer statt. Bis dahin muss Kovac sich mit einem Kader durchschlagen, der mehr Vergangenheit ist als Zukunft.

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