DFB-Pokal Finale: Bayern Muenchen - Bayer Leverkusen, 04.07.2020 Fritz Keller (DFB-Prasident) mit Atemschutzmaske, Maske
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Die Idee von Fritz Keller steht für Realitätsferne.

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Kommentar zum DFB: Verdacht der Verschleierung

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Der Fußball wird, wenn er von Massentestungen spricht, die er organisieren würde, immer unter dem Verdacht stehen, er verschleiere damit nur das Eigeninteresse. Ein Kommentar.

Seit knapp neun Monaten ist Fritz Keller Präsident des DFB. Wenn man sich an seine Antrittsrede erinnert: Da stand er auf der Bühne, die linke Hand lässig in der Hosentasche versenkt, und erzählte, dass er für sich und seine Frau ja ein Wohnmobil gekauft habe, es aber kaum werde nutzen können, weil er diesen Verband umbauen will. Es hat tatsächlich einige Personalentscheidungen gegeben, die auf eine neue Linie hindeuten, trotzdem prägt es das Bild von Keller nicht, dass er die Spitze der DFB-Verwaltung mit einer Vize-Generalsekretärin und einer Kommunikationsdirektorin weiblicher gemacht hat.

Zu Fritz Keller fällt einem eher ein (nicht nur modisch wegen der roten Socken) missglückter Sportstudio-Auftritt ein, der in der These gipfelte, dass es in England und den Niederlanden Rassismus schon länger gäbe als in Deutschland. Der Winzer aus Freiburg ist spürbar auf der Suche nach einem Thema, das ihm liegt – und auch Relevanz hat.

Und so ist er bei Corona-Tests gelandet. Vor einigen Wochen schon brachte er die Reichweite des DFB ins Spiel. Dem Verband gehören über Vereinsmitgliedschaften indirekt mehr als sieben Millionen Menschen an, nahezu überall gibt es einen medizinisch Sachverständigen. Wenn die Fußballfamilie sich also komplett testen ließe und jeder noch weitere Personen aus seinem Umkreis dazu motivierte – ergäbe sich dann nicht ein verlässliches Bild von Infektionszahlen und Immunität? Könnte also der Fußball, der DFB, beitragen zum sinnvollen Umgang mit der Pandemie?

Theoretisch: Ja. Doch die Idee von Fritz Keller steht ebenso für Realitätsferne. Sie geht davon aus, dass Millionen Leute, die zufällig die Schnittstelle Fußball haben, auch bei anderen Themen ihre Ideale teilen. Doch in einer solchen Menge wird es eben kein homogenes Meinungsbild geben, sondern zwangsläufig auch die Ansichten von Verschwörungsfantasten, Corona-Leugnern, Impfgegnern, Drosten-Hassern, Warnapp-Verweigerern. Und natürlich auch Menschen, die ein Test-Privileg für sich ablehnen würden, weil sie glauben, dass man zuerst die systemrelevanten Berufe bedienen sollte.

Der Fußball wird, wenn er von Massentestungen spricht, die er organisieren würde, immer unter dem Verdacht stehen, er verschleiere damit nur das Eigeninteresse, möglichst schnell wieder seine Stadien zu füllen. Weil er – ob Union Berlin in der Liga oder der DFB mit Länderspielen – sein Publikum braucht. Warum sollte man dem Fußball auf einmal bedingungslos vertrauen?

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