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Anerkannt: Manuel Gräfe. Foto: dpa
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Anerkannt: Manuel Gräfe.

Schiedsrichter

Kommentar: Der Fall Manuel Gräfe

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Manuel Gräfe soll als Bundesligaschiedsrichter aufhören, weil er mit 47 Jahren die Altersgrenze überschreitet - dagegen regt sich Widerstand aus Spielerkreisen. Ein Kommentar.

Eigentlich hatte DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich das dringende Anliegen von Manuel Gräfe schon abmoderiert. Gräfe, der anerkannt coolste und beste deutsche Schiedsrichter, müsse wegen des Erreichens der Altersgrenze von 47 Jahren zum Saisonende ebenso seine Bundesligakarriere beenden wie Guido Winkmann und Markus Schmidt. Fröhlichs Argumentation in schlichten Worten zusammengefasst: Die Alten sollen Platz machen für Jüngere, damit diese vorankommen.

Der Schiri-Chef - einst selbst ein sehr guter Unparteiischer und zudem kein Betonkopf, sondern ein Mann mit Empathie - möchte eigentlich keine „Lex Gräfe“. Mit der zunehmenden Betonung auf „eigentlich“. Denn der Druck aus Medien und Liga wächst beträchtlich. Verschiedene Trainer, Spieler, TV-Experten und Journalisten fordern ultimativ: Gräfe muss weiter pfeifen dürfen! Die Folge: Fröhlich wankt.

Der 63-Jährige und seine DFB-Führungscrew um die einst ebenfalls hervorragenden Schiedsrichter Lutz Wagner, Jochen Drees und Florian Meyer (die allesamt mit 47 aufhören mussten) wissen natürlich, dass der meinungsstarke, unangepasste und nicht ganz einfach zu führende Gräfe ein herausragender Referee ist, der auf dem Spielfeld allerhöchste Anerkennung genießt. Tatsächlich handelt es sich bei dem Berliner um eine Ausnahmeerscheinung, einen Manuel Neuer des Schiedsrichterwesens sozusagen.

Und doch: Ohne den öffentlichen Druck gäbe es ganz sicher kein Erbarmen. Gräfe dürfte nach dem Saisonende am 23. Mai allenfalls noch Amateurkicks auf Landesebene pfeifen, könnte zurück in den Videokeller kommen (in dem er seit dreieinhalb Jahren nicht mehr tätig ist) oder sich um Nachwuchsschulungen kümmern, Alles Tätigkeiten, die ihm weit weniger liegen als die Leitung eines Bundesliga-Spitzenspiels, mal ganz abgesehen vom sechsstelligen Jahreshonorar.

In England dürfen die Oldtimer Mike Dean, 52, und Martin Atkinson, 50, weiterhin Begegnungen der Premier League pfeifen und holen sich dabei regelmäßig die geballte Wut der Sozialen Netzwerke ab. Manuel Gräfe dagegen gibt mit seiner Spielführung nur selten Anlass für Kritik. Seine Souveränität ist mit der Erfahrung noch größer geworden. Aber er hat auch deshalb Raum für diese Entwicklung bekommen, weil seine Vorgänger, die jetzt die DFB-Eliteschiedsrichter als Funktionäre anleiten, ohne Murren Platz gemacht haben.

Die Ausnahmesituation der Pandemie erlaubt unbürokratische Entscheidungen. Fröhlich sollte sich flexibel zeigen. Ein Jahr des Abschieds vor Publikum lang.

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