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Kommentar: Das Signal aus Camp Nou

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Von: Frank Hellmann

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Volle Hütte: Die Fußballerinnen des FC Barcelona feiern im Camp Nou einen tollen Sieg.
Volle Hütte: Die Fußballerinnen des FC Barcelona feiern im Camp Nou einen tollen Sieg. © dpa

Der FC Barcelona setzt mit dem Zuschauer-Weltrekord im Frauenfußball ein Ausrufezeichen. Auch deutsche Vereine sollten sich daran orientieren. Ein Kommentar.

Gratulationen erfolgten an diesem historischen Abend aus aller Welt – zuerst aber an Ort und Stelle. Joan Laporta, Präsident des FC Barcelona, eilte sofort in die Kabine zu seinen Fußballerinnen, um auszurufen: „Lo hemos logrado!“ Wir haben es geschafft. 91 553 Menschen beim Frauen-Clasico gegen Real Madrid im Camp Nou als globales Signal für Gleichberechtigung. Ein Weltrekord, der riesige Strahlkraft, aber auch einen echten Aufforderungscharakter hat.

Der katalanische Renommierklub, dessen Frauen und Mädchen zu Anfang des Jahrtausends noch auf den staubigen Sandplätzen neben dem Camp Nou kickten, auf denen vor den Männerpartien die Autos parkten, hat ein Vorbild geliefert, wie eine nachhaltige Förderung einer Abteilung mit geschickten Marketing verknüpft werden kann. Doppelpässe mit den prominenten Männern-Gesichtern sind dabei nur ein Stilmittel. Viel wichtiger ist, dass ein Verein sich dazu entschließt, die professionellen Strukturen zum einen in der Frauen-Abteilung zu verankern, zum anderen ein gewisses Investment in diesen Imagefaktor nicht zu scheuen. Viele ausländische Klubs sind weiter als die deutschen Topvereine: Im Pariser Prinzenpark verfolgten am Mittwochabend auch 27 262 Fans, darunter viele Ultras, ein spannendes Viertelfinale der PSG-Fußballerinnen gegen den corona-geplagten FC Bayern, der nach großem Kampf und einem 2:2 in der Verlängerung ausschied. Das Spiel bot beste Unterhaltung und knisternde Spannung. Der größere Rahmen ist dann nur der notwendige Respekt.

Wenn Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann kommende Woche zu den flirrenden Europapokalspielen gegen Barcelona mit dem Kollegen Laporta zusammentrifft, darf sich auch die Frankfurter Führung gerne mal anhören, wie dieser Klub in wenigen Jahren zur Benchmark im Frauenfußball geworden ist.

Noch hat unter dem Eintracht-Dach nicht ein Spiel in der Arena vor Publikum stattgefunden. Vergangenen Samstag in der Länderspielpause wäre eine prima Gelegenheit gewesen. Doch fand das Heimspiel gegen den Spitzenreiter VfL Wolfsburg wieder im Stadion am Brentanobad statt. Die Tageskassen waren bei prächtigem Wetter nicht geöffnet, viele Kurzentschlossene traten enttäuscht den Heimweg an. Offizielle Besucherzahl: 2030. Das war zwar Bestwert dieser Saison, aber da geht mehr. Viel mehr.

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