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Die DFL will Absteiger - egal, wann die Saison endet.  

Fußball-Bundesliga

Kommentar zur Bundesliga: Wo ist das neue Denken?

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Die DFL will zwei Klubs absteigen lassen, selbst wenn die Saison vorzeitig abgebrochen wird. Fair ist das nicht. Der Kommentar.

Die Deutsche Fußball-Liga will verhindern, dass es ein Hauen und Stechen gibt, sollte die Bundesligasaison coronabedingt abgebrochen werden müssen. Deshalb ist es nachvollziehbar und der Professionalität geschuldet, vorbereitet zu sein. Denn in den Statuten ist so ein Szenario bisher nicht vorgesehen, was niemandem vorzuwerfen ist. Also sollen die 36 Lizenzklubs nach dem Willen der DFL noch eilig vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine juristische Absicherung beschließen, um später Streit vor Gerichten zu vermeiden, der sogar den Start in die kommende Saison behindern könnte.

Bundesliga: Raunen in der Branche

In der Branche wird - spätestens seit dem aktuellen Fall des Zweitligaschlusslichts Dynamo Dresden - mehr als bloß halblaut geraunt, dass Klubs auf Abstiegsrängen einen Saisonabbruch herbeiführen oder zumindest billigend in Kauf nehmen könnten, indem sie wiederholt wegen positiver Coronafälle mit anschließender Gruppenquarantäne wochenlang auszusetzen hätten. Eine nun vorangetriebene Regelung, die auch bei Saisonabbruch in erster und/oder zweiter Liga auf alle Fälle zwei Absteiger ausweist, könnte dem begegnen. Einerseits. Andererseits könnte auch ein Tabellen-15. oder 16. ähnliche Gedanken hegen, es mit den Schutzmaßnahmen nicht mehr ganz so ernst nehmen oder Fanaufmärschen nicht entgegenzuwirken und so ein vorzeitiges Ende der Spielzeit zu provozieren, ehe er noch unverhofft auf einen Abstiegsrang rutschen würde.

Ja, zugegeben: Derlei Szenarien sind böse gedacht. Und doch wäre es auch vor diesem Hintergrund ein ausdrückliches Gebot der Fairness, bei einem Saisonabbruch keinen Klub eine Liga tiefer zu bugsieren und diesem Einnahmeausfälle in zweifacher Millionenhöhe zu bescheren.

Warum, um ein noch nicht mal zugespitzt gedachtes Beispiel zu nennen, sollte der aktuelle Bundesliga-17. Werder Bremen etwa damit einverstanden sein, vor den letzten beiden Spielen in Mainz und gegen Köln kampflos in einen Abstieg einzuwilligen? Womöglich mit dann gerade mal einem Punkt Rückstand auf die Kontrahenten? Hallo?

Bundesliga: Keine Gerechtigkeit in Coronazeiten

Es gibt in Coronazeiten keine Gerechtigkeit, so viel steht mal fest. Aber es sollte ein dringendes Anliegen sein, mögliche Ungerechtigkeiten zu minimieren. Das, was jetzt angedacht und zurecht unter den Klubs heftig umstritten ist, hat mit dem ohnehin abgeschmackten Begriff Solidarität gegenüber Schwächeren nicht einen Hauch zu tun. Und mit neuem Denken schon mal gar nicht.

Von Jan Christian Müller

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