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Kolonialherr Hasan Ismaik gescheitert

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Von: Jan Christian Müller

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1860 Geschäftsführer Ian Ayre (links) spricht mit dem Vorsitzenden Hasan Ismaik, rechts hinter ihnen der Präsident Peter Cassalette.
1860 Geschäftsführer Ian Ayre (links) spricht mit dem Vorsitzenden Hasan Ismaik, rechts hinter ihnen der Präsident Peter Cassalette. © dpa

Das Engagement des Investors Hasan Ismaik bei 1860 München sollte allen Klubverantwortlichen eine Warnung sein. Ein Kommentar.

Viel zu viel Geld, gemischt mit Ignoranz, Herrschsucht, Ahnungslosigkeit und mutwillig untergrabenem Vertrauen, kann im Profifußball eine zerstörerische Kraft entwickeln. Wir haben dafür jetzt mit dem ruhmlosen Abstieg des TSV 1860 München ein besonders hässliches Beispiel vor Augen geführt bekommen. Hasan Ismaik aus Jordanien ist bei den handzahmen Löwen mit einer Rücksichtlosigkeit einmarschiert wie dereinst die Kolonialherren in vielen Ländern Afrikas. Der Investor hat gewachsene Strukturen zerschmettert, die Kultur des Miteinanders zerfleddert, die freie Presse missachtet, Personal vertrieben und sich in einem ihm zuvor völlig unbekannten Territorium einen Traditionsverein wie einen Leibeigenen gehalten – mitunter gar unter kompletter Missachtung des deutschen Arbeitsrechts.

1860 München muss Ismaik loswerden

Der Milliardär hat sich den willfährigen Präsidenten des übrig gebliebenen, in seinen Grundfesten erschütterten Vereins zur lächerlichen Marionette gebastelt, er hat seine Kolonialmacht stattdessen mit Männern stabilisieren wollen, die noch nicht einmal ansatzweise der deutschen Sprache mächtig sind und deren Netzwerk in Deutschland schlicht nicht vorhanden ist. Das konnte nicht funktionieren, und dass es nicht funktioniert hat, ist sogar gut, auch wenn es für Anhänger des Klubs überaus schmerzlich ist, so schmerzlich offenkundig, dass sich einige ihren Frust nur durch Gewalt vom Hals schaffen konnten. Ismaiks Engagement sollte allen Klubverantwortlichen eine Warnung sein, die sich unbekannte Mächte ins Haus holen, weil sie eilig auf Geld angewiesen sind. Und denen, die nun mit umso mehr Inbrunst die 50-plus-eins-Regel verteidigen, sei gesagt: Diese angebliche Form des Schutzes vor Übernahmen deutscher Lizenzklubs hat in diesem Fall jedenfalls nichts gebracht.

Ismaik hat zwar palavert, er sei längst ein „echter Löwe“ geworden und versprochen, er werde auch in der Dritten Liga ein Löwe bleiben, doch Zweifel sind angebracht. Es ist nicht auszuschließen, dass er aus der Kolonie 1860 München sehr zeitnah wieder abzieht. Das könnte unmittelbar mit einiger Sicherheit in die Insolvenz führen und sehr schmerzhaft für viele Gläubiger werden, sollte langfristig aber förderlich für die Entwicklung der leidgeprüften Löwen sein. Sie müssen sich von Ismaik befreien, wenn sie nach dem Untergang wieder auftauchen wollen.

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