Schweigeminute für die Opfer der Corona-Pandemie in Freiburg.
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Schweigeminute für die Opfer der Corona-Pandemie in Freiburg.

Werder Bremen

Kohfeldt zeigt es den Kritikern

  • vonBjörn Knips
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Der Werder-Trainer geht „all in“ und bekommt beim Sieg in Freiburg viel von seinen Spielern zurück.

Plötzlich war er weg. Florian Kohfeldt hatte nach dem Schlusspfiff sofort die Flucht ergriffen. Der Coach des SV Werder Bremen wollte den so wichtigen 1:0 (1:0)-Sieg beim SC Freiburg nicht auf dem Platz feiern. Auch später in der Video-Pressekonferenz gab es keinen euphorischen Kohfeldt, der dieses Lebenszeichen im Abstiegskampf mit einem Strahlen im Gesicht garnierte. Dabei hätte er allen Grund dazu gehabt, denn der 37-Jährige hatte es allen gezeigt – vor allem seinen Kritikern. Doch gleich aus mehreren Gründen wollte und konnte Kohfeldt diesen Moment nicht vor den Augen der Öffentlichkeit genießen.

Zu allererst aus „Selbstschutz“, wie er mit Hinweis auf die Corona-Pandemie sagte: „Ich hätte nach dem Abpfiff gerne den einen oder anderen Spieler in den Arm genommen, aber das darf ich aktuell ja nicht. Wir sind weiter in einer Ausnahmesituation. Deshalb bin ich reingegangen, habe mich auf meinen Stuhl gesetzt und habe mich dort gefreut.“ Aber auch nicht mehr. Denn von einer persönlichen Genugtuung nach der Kritik in den Medien – vor allem von Werder-Legenden wie Rune Bratseth und Dieter Burdenski – wollte der Coach partout nichts wissen.

Die Bremer 1:4-Heimpleite zum Re-Start der Bundesliga hatte allerdings die Zweifel genährt, dass Kohfeldt mit seiner Mannschaft den Klassenerhalt noch schaffen kann. „Gefühlt waren wir seit Montag weg in der öffentlichen Wahrnehmung“, gestand der Coach: „Aber wir wollten es nicht über uns ergehen lassen. Die Jungs haben gezeigt, dass wir in der Liga bleiben wollen.“

Kein Wunder, er hatte ihnen in seiner denkwürdigen Pressekonferenz („Ich bin nach wie vor der Beste auf dieser Position“) quasi die berühmte letzte Patrone eines Trainers ins Magazin gesteckt, um das eigene Aus zu verhindern. Wenn sie, die Spieler, ihm jetzt nicht folgen und alles geben würden, dann müssten sie eben ohne ihn klarkommen, so die naheliegende Interpretation. Und wer Kohfeldt kennt, der weiß, dass er solche Momente plant. Und wer den Biss der Spieler im Schwarzwaldstadion sah, der wusste sofort: Kohfeldts Auftritt hatte Wirkung gezeigt. Nur wollte er diese Folge nicht für sich reklamieren. „Ich glaube nicht, dass meine Pressekonferenz irgendetwas mit dem Auftritt heute zu tun hat“, sagte Kohfeldt und merkte noch süffisant an: „Wir analysieren auf den Spielersitzungen ja nicht meine Pressekonferenzen. Wir analysieren Fußball.“

Und dabei ging es dem Trainer vor allem um eines: „den Kampfmodus“. Die Spieler hätten diesmal vor der Partie nicht nur davon gesprochen, sondern auch Taten folgen lassen. „Das waren nicht 99, das waren 101 Prozent Emotionen. Das muss die Basis für die nächsten Wochen sein“, forderte Kohfeldt und wünschte sich, dass es auch fußballerisch noch besser wird.

Und hätte der Videoassistent den vermeintlichen Freiburger Ausgleich kurz vor Schluss nicht zurückgenommen, wäre das wegen einer Abseitsstellung von Nils Petersen zurückgenommene Tor so bezeichnend für diese Pleiten-Pech-und-Pannen-Saison gewesen.

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