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Unter Druck, aber weiter fest im Sattel. Werder-Trainer Florian Kohfeldt.

Bremen im freien Fall

Kohfeldt und der Werder-Klüngel

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Weshalb der Bremer Trainer trotz anhaltender Erfolgslosigkeit seinen Job behält und wann er zurücktreten würde.

Als am Sonntagmorgen die Ersatzspieler zum Trainingsplatz am Weserstadion gingen, war wie immer auch Florian Kohfeldt dabei. Der 37-Jährige bleibt nach der bitteren 0:3-Pleite am Samstag bei RB Leipzig und dem Verweilen auf einem Abstiegsplatz Chefcoach des SV Werder. Nach acht Pleiten in den vergangenen neun Ligaspielen ist das keine Selbstverständlichkeit im Profi-fußball. In Leipzig verteidigten Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann hartnäckig ihren Kurs, weiter gemeinsam um den Klassenerhalt zu kämpfen.

„Ich glaube daran, dass wir das in dieser Konstellation schaffen. Wenn ich das nicht glauben würde, wäre ich fehl am Platz“, sagte Kohfeldt nach einem Spiel, das er bei Weitem nicht so negativ gesehen hatte wie viele neutrale Beobachter. Der Coach gab zwar zu, dass sein Team insgesamt chancenlos war, „aber wir haben uns gewehrt, der Einsatz war komplett da und einige Dinge haben auch ganz gut geklappt.“

Doch auch ihm dürfte nicht entgangen sein, dass es die Leipziger nach der frühen Entscheidung mit Blick auf ihr Champions-League-Spiel am Mittwoch gegen Tottenham wesentlich ruhiger angehen ließen. RB-Sportdirektor Markus Krösche fand das clever: „Die Jungs wussten, dass eine Englische Woche auf uns wartet und wir nicht sechs, sieben Tore schießen müssen.“ Der Eindruck war aber da, dass die Leipziger höher hätten gewinnen können, wenn sie gewollt hätten.

Werder präsentierte dagegen die totale Harmlosigkeit. Wie so oft in den vergangenen Spielen gab es kaum echte Torchancen. „Dass sich eine gewisse Hoffnungslosigkeit breitmacht, kann ich verstehen, aber die teile ich nicht. Wir dürfen nicht vergessen, gegen wen wir gespielt haben und wie das Spiel gelaufen ist“, sagte Kohfeldt. Das Kurz-Trainingslager habe trotz der Niederlage gewiss einen Langzeiteffekt. Eine Wiederholung vor dem nächsten Spiel schloss der 37-Jährige allerdings aus. „Ganz sicher werde ich aber alles probieren, um alles aus der Mannschaft herauszukitzeln.“

Dass er das überhaupt darf, hat er Frank Baumann zu verdanken. Der Sportchef bleibt seiner Linie treu, stärkt dem Coach nicht nur den Rücken, sondern wendet sich auch direkt an seine Kritiker, die ihm Tatenlosigkeit vorwerfen: „Wir sind nicht tatenlos. Wenn als einzige Tat eine Trainerentlassung gesehen wird, dann ist das dem nicht angemessen, was wir jeden Tag unternehmen, um die Situation zu bewältigen.“ Und dann hob er noch hervor: „Wir haben keine Nibelungentreue zu Flo, sondern eine echte Überzeugung, dass er der richtige Trainer für diese Mannschaft und diesen Verein ist – auch in dieser schwierigen Situation.“

Die Familie hält zusammen

Die Werder-Familie hält also weiter zusammen. In Krisen-Zeiten ist dann gerne vom Bremer Klüngel die Rede, keiner mag dem anderen etwas Böses antun. Doch dem widersprach Kohfeldt, der schon sein halbes Leben im Klub ist, energisch. Sein sehr gutes Vertrauensverhältnis zu den Geschäftsführern Baumann, Klaus Filbry und Hubertus Hess-Grunewald sowie Aufsichtsratschef Marco Bode werde eher dazu führen, „dass wir uns deutlich früher unterhalten würden, als wenn wir jetzt ein rein professionelles Verhältnis hätten“. Und alle Beteiligten eine ein Grundsatz, so Kohfeldt: „Werder Bremen ist wichtiger als einzelne Personen und dementsprechend auch wichtiger als ich.“

Deshalb sei es nicht ausgeschlossen, dass er „ins Wanken“ kommen würde, wie Kohfeldt (Vertrag bis 2023) einen möglichen Rücktritt umschrieb. Drei Faktoren sind dabei für ihn entscheidend: das Vertrauen der Chefs, eigene Lösungsansätze und die Gefolgschaft der Mannschaft. Aber wie lässt sich Letzteres überprüfen? „Da gibt es keine harte Fakten“, antwortete Kohfeldt: „Es ist ein Gefühl, das man aus Gesprächen und aus dem, was man auf dem Platz sieht, entwickelt. Ob sie wenigstens versuchen, Dinge umzusetzen.“ Daran habe er keinen Zweifel. Deshalb macht der 37-Jährige weiter und bereitet die Mannschaft auf das nächste Spiel gegen ein Topteam vor – am Samstag kommt Borussia Dortmund ins Weserstadion.

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