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Trainer und Matchwinner: Hannes Wolf (links) und Pierre-Michel Lasogga.

Hamburger SV - 1. FC Köln

König der Box

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Pierre-Michel Lasogga macht den HSV mit einem Abstauber glücklich, derweil der Kölner Armin Veh zürnt wie nie.

Pierre-Michel Lasogga hatte bis dahin, nun ja, passables Zweitliganiveau geboten. Der bullige Mittelstürmer des Hamburger SV war in manchem Zweikampf hingeplumpst wie ein nasser Sack auf einem Reisfeld in China, er hatte sich danach aber nie beschwert, sondern war aufgestanden und hatte weitergemacht. Oft sah es unbeholfen aus, wenn der 26-Jährige außerhalb des Strafraums an den Ball gekommen war, dort befindet sich nicht der bevorzugte Terrain des mutmaßlich bestbezahlten Fußballprofis aller bisherigen Zweitligazeiten. Aber dort, wo Fußballsachverständige neudeutsch die „Box“ ausmachen, fühlt sich das Schwergewicht so wohl wie eine Sau beim Suhlen.

So kam es, dass Lasogga in der 86. Minute des im Vorfeld zum „Duell der Giganten“ hochkrakelten Unterhaus-Spitzenspiels des HSV gegen den 1. FC Köln genau dort auftauchte, wohin der Kölner Keeper Timo Horn einen Schuss des durchgebrochenen Hamburgers Douglas Santos noch heroisch abgewehrt hatte. Lasogga staubte ab zum 1:0-Sieg, ganz einfach war das nicht, weil er schon ein wenig zu weit nach vorn gelangt war. Später, nach den Feierlichkeiten mit den Fans in der Nordkurve, lobte er sich selbst für die kleine Akrobatik: „Habe ich gut gemacht.“

Peinlichkeit verhindert

Der HSV ist jetzt wieder dort, wo er hingehört, auf Platz eins der Tabelle vor dem ungeliebten Stadtrivalen FC St. Pauli, und Lasogga hat mit seinem Treffer außerdem die Peinlichkeit verhindert, dass die Rothosen zum fünften Mal in dieser Saison nach dem 0:3 gegen Kiel, dem 0:0 gegen Bochum, dem 0:0 gegen St. Pauli und dem 0:5 gegen Regensburg daheim torlos geblieben wären.

Am Mittelstürmer hatten sich zuvor die Geister geschieden, Sportvorstand Ralf Becker und Allmacht Bernd Hoffmann finden Lasogga gut. Der neulich eilig geschasste Trainer Christian Titz sah das ein wenig anders, er wollte die Wuchtbrumme zum Joker umschulen und die Gegner mit filigraneren Mitteln als Abstauber- oder Kopfballtoren Marke Lasogga auseinandernehmen. Das klappte daheim ein paarmal nicht gut, schwupps, war Titz nur noch ein Ex-HSV-Trainer. Nachfolger Hannes Wolf hat dann vor allem zwei Dinge geändert: Lasogga spielt immer, und Torwart Julian Pollersbeck darf seinen Job mit dem Ball am Fuß nicht mehr so offensiv als Spielmacher interpretieren wie noch unter Titz. Dass Wolf nun in seinen drei Auftaktspielen mit drei Siegen ohne Gegentor einen HSV-Rekord aufstellte, wusste der Neue sehr nüchtern einzuschätzen: Bisher sei der HSV ja auch noch niemals in der zweiten Liga zu Hause gewesen, sondern stets oben, er habe es somit leichter als seine unzähligen Vorgänger.

Veh sieht nicht mehr zuckersüß aus

Verbessert hat der junge Wolf seine Mannschaft recht wirkungsvoll in der Kontervermeidung. Der HSV spielte auch gegen Köln mit mehr Biss als der Gegner, eine Zweikampfbilanz von 57 zu 43 Prozent spricht ebenso Bände wie achteinhalb mehr gelaufene Kilometer. Die Grundtugenden des Fußballspiels, Zweikampf, Laufstärke, Passqualität, ging dem 1. FC Köln dagegen nahezu vollkommen ab, Torjäger Simon Terodde kam auf erschreckende 16 Ballkontakte.

Noch am Tag vor dem Elefantengipfel hatte Geschäftsführer Armin Veh im Talk bei Sky 90 zuckersüß die Qualitäten des Trainers Markus Anfang gelobt, fast klang das ein wenig zu überschwänglich. Knapp 27 Stunden später sah derselbe Armin Veh schon gar nicht mehr zuckersüß aus, sondern ganz im Gegenteil ausgesprochen sauer. Und er hatte Recht, das unansehnliche Tun der gut betuchten Kölner Truppe nicht unnötig schönzureden. Veh redete sich ordentlich in Rage, sprach nacheinander von einem „miserablen Spiel von uns, von einer „Nicht-Leistung“, und er scheute sich auch nicht, zur Einordnung der Vorstellung das Adjektiv „grottenschlecht“ zu nutzen. Er weise darauf hin, schloss Veh, „dass man so nicht spielen kann und, wenn man aufsteigen will, etwas ändern muss“. Nach nunmehr vier Spielen mit bloß zwei gewonnenen Zählerchen ist das eine ungemütlich klingende Botschaft, die sowohl beim sperrigen Trainer Anfang als auch bei den Profis angekommen sein sollte. Irgendeine Idee, die mehr verspricht als Teroddes bislang 13 Saisontore, wäre aus Kölner Sicht wünschenswert. Anfang ist gefordert, damit er nicht Gefahr läuft, dass der Trip nach Hamburg schon der Anfang vom Ende gewesen sein könnte.

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