+
Genießt wieder die Kölner Fannähe: Anthony Modeste.

Bundesliga

1. FC Köln: Aus neu mach alt

  • schließen

Anthony Modeste soll den 1. FC Köln mit früherer Treffsicherheit zum Klassenerhalt schießen.

Nach dem Totalabsturz vom Europapokalteilnehmer zum Absteiger und der sofortigen Rückkehr in die Bundesliga strebt der 1. FC Köln diesmal eine ruhige Saison an. Das ist möglich, in der Stadt am Rhein aber kein leichtes Unterfangen. Die Ambitionen sind seit jeher groß, das ist auch dieses Jahr nicht anders. Für den neuen Trainer Achim Beierlorzer wird das ein echter Prüfstein, sein erster in der Bundesliga. Starten werden die Kölner am Sonntag mit dem Pokalspiel beim SV Wehen Wiesbaden, ehe es eine Woche später im Fußball-Oberhaus in Wolfsburg weitergeht.

Wie ist die Stimmung?
Ein normaler Aufsteiger ist der FC wahrlich nicht, die Rückkehr in die Bundesliga war lediglich die rasche Schadensbehebung nach dem Abstieg. Entsprechend entfachte der direkte Wiederaufstieg auch keine überbordende Begeisterung im Umfeld wie bei manch anderem Liganeuling. Auch, weil es in Liga zwei fußballerisch nicht immer nach Wunsch verlief. Aufgrund mancher dürftiger Vorstellung musste gar Trainer Markus Anfang kurz vor dem Aufstieg gehen. Zudem gab es während der Vorbereitung Gerüchte um den angeblich abwanderungswilligen Sport-Geschäftsführer Armin Veh. Nun ist die Stimmung am Rhein natürlich nicht ganz schlecht, schließlich sind die Kölner ja wieder erstklassig, und das zählt. Zudem agiert der neue Trainer Beierlorzer bisher geschickt, stets gut gelaunt, dazu fordernd. Das kommt an bei den Fans. Zur Saisoneröffnungsfeier kamen 50 000 Zuschauer und schickten Geißbock Hennes VIII in den Ruhestand.

Wie stark ist der Kader?
Der bundesligaerfahrene Torhüter Timo Horn, der deutsche Nationalspieler Jonas Hector, der spanische U21-Europameister Jorge Mere, die drei Torjäger Simon Terodde, Jhon Cordoba, Anthony Modeste, und noch ein paar Andere – Qualität haben die Kölner allemal in ihrem Kader. Vor allem das Offensivtrio, das vom flexiblen Dominick Drexler dahinter in Szene gesetzt werden soll, verspricht reichlich Torgefahr. Terodde gelangen in der vergangenen Runde 29 Treffer in Liga zwei, dem ehemaligen Mainzer Cordoba 20. Modeste war nach seiner Winterrückkehr aus China in zehn Einsätzen sechsmal erfolgreich. Nicht schlecht. Allerdings: In der Bundesliga haben Terodde und Cordoba selten verlässlich getroffen. Ändert sich das, haben die Domstädter qualitativ eine gute Truppe beisammen.

Worauf steht der Trainer?
Armin Veh hatte, so sagt er selbst, eine ganze Reihe von Namen auf seiner Liste stehen, als er sich mit der Besetzung des vakanten Trainerpostens beschäftigte. Dennoch sprach der Kölner Sport-Geschäftsführer nur mit einem Mann: Achim Beierlorzer. Der gebürtige Erlanger habe ihn derart überzeugt, so Veh, dass weitere Kontaktaufnahmen überflüssig wurden. Beierlorzer, 51 Jahre, schloss 2014 seinen Fußballlehrerschein beim DFB als Jahrgangsbester ab, arbeitete daraufhin drei Jahre im Jugendbereich bei RB Leipzig, später als Co-Trainer von Ralf Rangnick bei den Sachsen, und zuletzt für zwei Jahre erfolgreich als Chefcoach beim SSV Jahn Regensburg in der zweiten Liga. „Achim hat starke Führungsqualitäten. Darüber hinaus schätze ich seine authentische Ausstrahlung“, sagt Veh. Dem FC waren diese Eigenschaften eine Ablöse von 700 000 Euro wert. „Spaß finde ich außerordentlich wichtig. Gibt es etwas Schöneres, als sein Hobby zum Beruf zu machen?“, sagt Beierlorzer, der ursprünglich Mathematik- und Sportlehrer war. Vor wenigen Tagen, Anfang August, verlor er seinen Beamtenstatus. „Ich habe mir das gut überlegt“, sagt er.

Zu- und Abgänge

Zugänge: Sebastiaan Bornauw (RSC Anderlecht),Ellyes Skhiri (HSC Montpellier), Birger Verstraete (KAA Gent), Kingsley Ehizibue (PEC Zwolle), Julian Krahl (RB Leipzig), Kingsley Schindler (Holstein Kiel).

Abgänge: Tim Handwerker (1. FC Nürnberg), Jan-Christoph Bartels (SV Wehen Wiesbaden, Leihe), Johannes Geis (unbekannt), Chris Führich (Borussia Dortmund II), Matthias Lehmann (Karriereende).

Wo hapert’s noch?
Nach anfänglich guten Testergebnisse gab es zuletzt Niederlagen gegen den FC Villarreal und den FC Southampton - sicher keine Laufkundschaft, und dennoch hapert es ein wenig an der Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen bei den Kölnern. Das wiederum kommt nicht überraschend, da nahezu alle Zugänge auch für eine mögliche Startformation in Frage kommen. Damit sich alle Teile ineinanderfügen, müssen die Kölner noch ein wenig puzzeln.

Wer sticht heraus?
Der Tony will wieder der alte Tony werden, das sagt der Tony selbst. Gemeint ist Anthony Modeste, der eine ziemlich verkorkste Zeit in China hinter sich hat – bei Tianjian Quanjian, wo er zwar viel Geld verdiente, aber eben doch nicht so viel wie gewollt; wo er fast nur allein in seiner Wohnung hockte, während in der riesigen Hafenstadt das Leben pulsierte. „China ist nicht mein Land“, sagte er jüngst. Da schon eher Deutschland, wo sie dem Franzosen sogar Lieder singen. In Köln lassen sie den 31-Jährigen hochleben, der in der Bundesligasaison 2016/17 25 Treffer schoss, und der seit einem halben Jahr zurück ist. Der Klassenerhalt stehe „über allem“, sagt der Tony, der gerne wieder der alte Tony werden will und deshalb auch ein klares Ziel verfolgt: „Mit 15 bis 20 Toren wäre ich glücklich.“

Wie geht’s dem Schatzmeister?
18 Millionen Euro musste der FC für seine neuen Profis hinblättern, zuletzt kam noch der belgische Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw, 20 Jahre alt, vom RSC Anderlecht, für sechs Millionen Euro. 18 Millionen sind acht Millionen mehr als Geschäftsführer Veh ursprünglich geplant hatte. Macht aber nichts, sagt der Kölner Finanzchef Alexander Wehrle: „Wir sind kein Risiko eingegangen, wir können uns das leisten. Wir sind keine Bank, wir sind ein Fußballverein. Deswegen ist es das oberste Ziel, eine starke Mannschaft zu haben.“

Was ist drin?
Der Klassenerhalt allemal, der Kader des Zweitligameisters mutet stark genug an, um mindestens die beiden Mitaufsteiger und auch manch anderen Klub hinter sich zu lassen. Der Weg nach Europa, wo die Kölner ja vor zwei Jahren zuletzt waren, ist aber lang. Der FC läuft im hinteren Mittelfeld der Tabelle ein, das tippt zumindest die FR. Und die Kölner Bosse wären damit wohl zufrieden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion