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Friedhelm Funkel , 67, altgedienter Trainer des 1. FC Köln, vor seiner x-ten Rettungstat. afp
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Friedhelm Funkel , 67, altgedienter Trainer des 1. FC Köln, vor seiner x-ten Rettungstat. afp

Relegation

Köln gegen Kiel: Ein Duell der Trainer-Generationen

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Relegationsspiele zwischen Köln gegen Kiel sind auch Duelle zweier Trainer-Generationen

Vermutlich ist in der jüngeren Geschichte der Relegation noch nie ein Außenseiter unter schlechteren Voraussetzungen in diese beiden Endspiele gegangen wie Holstein Kiel. Das liebevoll „Störche“ genannte Team hat nach zahlreichen Corona-Fällen und den damit verbundenen zweimaligen Aufenthalt in Quarantäne in den letzten 30 Tagen neun Pflichtspiele spielen und nachholen müssen, also jeden dritten Tag eine Partie. Und jetzt zwei weitere, am heutigen Mittwoch (18.30 Uhr/Dazn) beim Bundesliga-16. 1. FC Köln und am kommenden Samstag im eigenen Stadion. Dazu kommt, dass die Kieler zusätzlich fünf Runden im DFB-Pokal spielten, die Bayern in einem heroischen Kampf bezwangen und sich erst im Mai dem späteren Pokalsieger Borussia Dortmund beugen mussten.

Dazu leistete sich die mit einem Mini-Etat von etwas über elf Millionen Euro wirtschaftenden Kieler auf der Schlussgerade den Luxus, zwei Matchbälle zu vergeben: Ein einziger Sieg aus den Begegnungen gegen Karlsruhe und Darmstadt 98 hätte zum direkten Aufstieg gereicht, beide Spiele gingen - nach eigener 1:0-Führung - jeweils 2:3 verloren. Holstein Kiel, ohnehin erst im vierten Jahr im Unterhaus, geht also physisch und psychisch schwer angeschlagen in die Duelle. Das sieht auch Trainer Ole Werner so, aber er will Kraft aus diesen Rückschlägen ziehen. Er habe der Enttäuschung „ganz bewusst“ Raum gegeben. Denn: „Du kannst dich auf neue Dinge nur dann einstellen, wenn du die Dinge, die hinter dir liegen, verarbeitet hast.“

Der 33 Jahre alte Ole Werner, kein Zweifel, ist der Architekt des Kieler Höhenflugs, es ist seine Handschrift, die er dem Team verpasst hat. Werner ist ja eine Kieler Sprotte durch und durch, bodenständig, nüchtern, zwar in Preetz geboren, aber nur weil bei seiner Geburt 1988 in Kiel kein Bett in der Geburtshilfe frei war. Seit 2000 spielte er für Holstein, mit 16 wechselte er ins Fußball-Internat von Hertha BSC, kam wegen Heimwehs aber bald wieder zurück. Seine aktive Karriere musste er wegen eines Hüftleidens beenden, 2009 war das, er schloss eine Banklehre ab und holte auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur nach. „Das Abitur auf regulärem Wege hätte ich nicht zustande gebracht, weil ich damals vom Kopf her noch nicht so weit gewesen wäre“, hatte er mal dem „Störche-Magazin“ berichtet.

Weil er wichtige Unterlagen nicht bei der Uni eingereicht hatte, wurde er zum Studium nicht zugelassen - das scheinbar verlorene Jahr nutzte er zu einem neunmonatigen Trip nach Indonesien und Australien, wo er als Gärtner arbeitete, in Sydney Hecken schnitt und Bäume pflanzte, 23 Jahre war er da alt. Danach reiste er kreuz und quer durch den Fünften Kontinent. Nach seiner Rückkehr schrieb er sich endlich für Germanistik und Wirtschaftswissenschaften ein, kehrte als Jugendtrainer zur KSV Holstein zurück, jobbte wieder als Gärtner und zudem als Statist beim Kieler „Tatort“, machte seinen Fußballlehrer und übernahm 2019 in der Nachfolge von Andre Schubert die erste Mannschaft. Der jüngste Trainer im Profigeschäft ist er weiterhin, bar jeglichem Geltungsdrang, typisch norddeutsch, und kaum einer könnte falscher liegen als jene, die ihn als „Nagelsmann des Nordens“ bezeichnen.

Aber natürlich ist dieses Duell um die Erstklassigkeit auch eines der beiden Trainer, ist ein Duell jung gegen alt. Auf der anderen Seite steht nämlich Friedhelm Funkel an der Linie, 67, kaum einer verfügt über mehr Erfahrung als der Neusser, bekennender Karnevalist und gelernter Großhandelskaufmann. Funkel, der eine geplante Weltreise immer wieder verschiebt, hat alles erlebt in seiner schier ewigen Laufbahn, mehr als 1000 Spiele hat er binnen bald 50 Jahren in beiden Bundesligen zugebracht, als Spieler und Trainer.

Er hat, seine Spezialität, Mannschaften aufsteigen lassen und vermeintlich hoffnungslose Fälle vor dem Niedergang bewahrt, und manche gar ins Pokalfinale geführt. Kaum einer geht mit Drucksituationen entspannter, besonnener um als der pragmatische Fahrensmann, in zweiter Ehe verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Opa ist er auch schon. Funkel, das Urgestein der Liga und doch nicht altmodisch, holt das Machbare aus seinen Mannschaften heraus, weil er authentisch geblieben ist, weil ihm die Spieler abnehmen, was er zu sagen hat, weil er - auf seine Art - jung geblieben ist.

Auch ihm ist natürlich klar: Der 1. FC Köln geht als Favorit in diese Spiele, das späte Tor gegen Schalke hat dem Klub weiteren Schub versetzt. Die Rettung ist mit Händen greifbar nah, auch die Statistik hilft: In neun von zwölf Fällen seit Wiedereinführung der Relegationsspiele hat sich der Bundesligist durchgesetzt. Aber Funkel wäre nicht Funkel, wenn er den Ball nicht flach halten würde. Er erwarte beim Gegner nach den jüngsten Tiefschlägen „eine Jetzt-erst-recht-Haltung“. Er weiß aber auch: Der Trend ist mit dem FC.

Ole Werner, 33, junger Trainer von Holstein Kiel, vor seinem größten Erfolg. dpa

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