Küss die Hand: Der Kölner Sebastiaan Bornauw (rechts) jubelt mit Teamkollegen nach seinem Ausgleich zum 2:2 in Frankfurt. Bild: dpa
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Küss die Hand: Der Kölner Sebastiaan Bornauw (rechts) jubelt mit Teamkollegen nach seinem Ausgleich zum 2:2 in Frankfurt.

Die Auferstehung des 1. FC Köln

Plötzlich wachgeküsst

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Neuer Mut, jugendliche Frische und begeisterte Fans: Die Geißböcke landen bei Eintracht Frankfurt einen furiosen 4:2-Sieg nach 0:2-Rückstand.

Obwohl der Bereich vor den Kabinen in der Frankfurter Arena inzwischen mit pechschwarzen Stellwänden ziemlich verbaut ist, hallt es hier ungemein. Und so verstärkten sich die Jubelschreie, mit denen die Protagonisten des 1. FC Köln in grasverschmierten Trikots ihrer Freude freien Lauf ließen. Zuvor draußen noch von den eigenen Fans abgefeiert, die zahlreich mitgereist waren. 200 Kilometer Autofahrt über die A3 hatten sich gelohnt: Mit dem 4:2 (1:2) bei Eintracht Frankfurt sendete der Effzeh sein bislang stärkstes Lebenszeichen. „Wenn man sich vorher aussuchen dürfte, wie man ein Auswärtsspiel gewinnen möchte, dann würde man das so nehmen“, sagte der neue Trainer Markus Gisdol.

Dass seine wachgeküsste Mannschaft nach dem euphorisch bejubelten Derbysieg gegen die Werkself aus Leverkusen nun den zweiten Europapokalteilnehmer, noch dazu nach einem 0:2-Rückstand, auf die Bretter schickte, war gar nicht hoch genug zu bewerten. Ein abgefälschter Distanzschuss von Jonas Hector (44.), dazu fein herausgespielte Treffer von Sebastian Bornauw (72.), Dominick Drexler (81.) und Ismail Jakobs (90.+4) haben den netten Nebeneffekt, dass sich die Rheinländer vor dem Kellerduell gegen Werder Bremen (Samstag 15.30 Uhr) von den Abstiegsplätzen fortbewegt haben.

Dass die auf den Relegationsrang abgeschmierten Bremer als „dankbarer Gegner“ im Kölner Grüngürtel aufschlagen könnten, diese Vermutung konterte Gisdol umgehend. „Solche Spiele gibt es in der Bundesliga nicht“, entgegnete der in der Domstadt mit fast keinen Vorschusslorbeeren empfangene Schwabe, aber man werde sicher alle Kräfte bündeln: Dass sich auch der Anhang wieder hinter dem Klub – ungeachtet aller Grabenkämpfe auf Führungsebene – vereint, weil das aktuelle Ensemble wieder mehr Identifikation stiftet, könnte in eine vorgezogene Bescherung münden: Mit 17 Punkten zu überwintern, hätten selbst kühnste Optimisten kürzlich als Hirngespinst abgetan. Jetzt würde sich das so anfühlen, als käme der Weihnachtsmann persönlich auf dem Schlitten am Geißbockheim vorbei, um Geschenke abzuladen.

Youngster Jakobs hat am Mittwochabend schon mal gestrahlt wie ein Kind, das unter dem Baum vorzeitig Geschenke auspacken darf. Seine Tor-Premiere bescherte ihm „Gänsehaut – das werde ich nie vergessen“. Mit dem bereits als C-Jugendlichen im Nachwuchsleistungszentrum ausgebildeten Eigengewächs und dem bärenstarken Belgier Bornauw trugen sich zwei 20-Jährige in die Torschützenliste ein. Dazu komplettierten der 17-jährige Jan Thielmann als Rechtsaußen und der 18-jährige Noah Katterbach als Linksverteidiger die Jugend-forscht-Abteilung. Der Zusammenhang zwischen Erfolgen und Verjüngung ist eklatant, aber Gisdol auch ein bisschen zu simpel. „Die Jungen bringen frisches Blut, und bei dem einen oder anderen hat das die Sinne mehr geschärft. Aber ein Junger kann nicht funktionieren, wenn er von den Älteren nicht gut aufgenommen wird. Die Mischung macht es.“

Die aber scheint unter dem 50-Jährigen ebenso wieder zu stimmen wie ein Spielsystem, das sich an den machbaren Möglichkeiten des Kaders orientiert. Eine hoch pressende 4-2-3-1-Formation, die einen offensiven Ansatz pflegt.

Kainz sticht als Joker

Wozu der Konkurrenzkampf gut ist, zeigte das Beispiel Florian Kainz: Der 27 Jahre alter Österreicher ersetzte nach gut einer Stunde den erschöpften Thielmann, nachdem dem noch gar nicht volljährigen Toptalent nicht viel gelungen war. Prompt war Kainz von seiner ungewohnten rechten Seite zweimal als Wegbereiter des 2:2 und 3:2 erfolgreich. Genauso hatte sich das sein Trainer mit dem feinen Techniker gedacht, den der kommende Gegner Bremen im vergangenen Winter abgegeben hatte. „Schön, dass es so funktioniert hat“, sagte Gisdol, der aber keine Heldenverehrung betreiben wollte, was in dieser zu Extremen aller Art neigenden Fußballstadt selten gut gegangen ist. „Wir müssen als Team gut sein.“ Vor allem im letzten Spiel des Jahres, wobei der Coach jedweden Druck gegen die Bremer negierte: „Ich schau nicht auf die Tabelle. Mir ist wichtig, dass wir vernünftig Fußball spielen.“

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