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Der Kölsche Jung knipst den Cup: Lukas Podolski fotografiert den Pokal.

Europa-League-Finale in Köln

Köcheln auf Sparflamme

  • vonAndreas Morbach
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Warum das Europa-League-Finale zwischen Inter Mailand und dem Rekordsieger FC Sevilla in Köln kein Straßenfeger ist. In der Innenstadt bleiben sogar viele Bildschirme schwarz.

Noch stehen die bunten Liegestühle im Cologne Beach Club einsam im weißen Sand – doch der Soundcheck, der leise aus dem Hintergrund herüberdringt, weist schon auf eine bevorstehende Veranstaltung hin. Von hier, vom Rheinkilometer 689 aus, begleitet RTL das Europa-League-Finale (Freitag 21 Uhr). Knapp sieben Kilometer Luftlinie entfernt duellieren sich dann der FC Sevilla und Inter Mailand in der fast menschenleeren Arena in Köln-Müngersdorf. Doch beim Gedanken an die Übertragung aus dem Beach Club, die er zum Beispiel vom Leverkusener Viertelfinale gegen Inter kennt, reibt sich Jürgen Amann vorab die Hände.

„Das waren tolle Bilder. Vor dem Spiel, in der Halbzeitpause und nach dem Spiel gab es Experteninterviews. Und im Hintergrund war der Dom zu sehen. Das ist natürlich eine Dauerwerbesendung, bei der Reichweite“, schwärmt der Geschäftsführer von KölnTourismus.

Ein bisschen Reklame für ihren kleinen kontinentalen Klubwettbewerb, dessen Finalturnier in den vergangenen zwei Wochen in vier nordrhein-westfälischen Städten ausgetragen wurde, hat auch die Uefa gemacht: An prominenter Stelle, direkt gegenüber dem Dom, auf der anderen Rheinseite, steht die überdimensionierte Ausgabe des Europa-League-Pokals. Und die in der Sonne glitzernde Trophäe, seitlich vor dem Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm I. platziert, erzielt den gewünschten Effekt.

Die meisten Touristen bleiben für ein Erinnerungsfoto stehen. Andere Anzeichen eines Endspiels sind in der Stadt nicht zu entdecken. „Wir haben bewusst vermieden, irgendwo Partys zu inszenieren – und mit diesem Finalturnier groß an die Öffentlichkeit zu gehen“, erklärt Amann. Es sei, erläutert der gebürtige Oberbayer, gerade einfach nicht die Zeit dafür. „Und ich denke, das ist auch okay so.“

In Ordnung fanden es in touristisch schwierigen Zeiten auch die Betreiber der auserwählten Hotels in Köln und Düsseldorf, zuletzt einige europäische Fußballklubs mit einem Tross von jeweils 60 bis 70 Personen beherbergt zu haben. Die Kicker von Manchester United etwa logierten bis zum Halbfinal-Aus gegen Sevilla im Zentrum der Domstadt – und schauten zwischendurch auch mal im nahegelegenen Eiscafé von Lukas Podolski vorbei.

Kein Eis, sondern Bier bevorzugen die acht Männer, die in der Sportbar Italia den Halbfinalsieg von Inter gegen Donezk im Fernsehen verfolgen. Bei WM- oder EM-Auftritten der Squadra Azzurra verwandelt sich das Lokal in der Kölner Südstadt regelmäßig in Klein-Palermo. Nun diskutieren die wenigen Herren eher pflichtschuldig über das 5:0 der Mailänder.

Bildschirme bleiben schwarz

In vielen Restaurants ringsherum bleiben die Bildschirme komplett schwarz. Denn fiebern in den Stadien keine Zuschauer mit, köchelt auch die Euphorie der TV-Fans auf Plätzen und in Eckkneipen maximal auf Sparflamme. Auf den Plakaten überall in der Stadt sind keine Fußballer oder Werbebotschaften der Uefa zu sehen. Sondern die Gesichter und Slogans von Lokalpolitikern – Mitte September sind Kommunalwahlen in NRW.

„Unter normalen Umständen wäre das Finale zwischen Sevilla und Inter ein touristisches Highlight – mit Fans aus den beiden Städten“, seufzt Jürgen Amann, betont aber zugleich: „Für Europa-League-Verhältnisse ist das fast ein Klassiker. Das wird schon einige Millionen Zuschauer vor den Fernseher ziehen.“ Auf den Straßen von Köln hat der Tourismus-Chef in den letzten Tagen allerdings keinen Fußballfan gesichtet. „Ich möchte aber nicht ausschließen, dass der eine oder andere im selben Hotel abgestiegen ist wie sein Team“, sagt er. „Das gibt es ja manchmal.“

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