+
Er kann es kaum glauben: Jürgen Klopp nach dem unerwarteten Sieg seiner Mannschaft.

Abstiegskampf

Klopp-Wunder inspiriert Hannover und Nürnberg

Seit Wochen scheint die Sache klar, doch Nürnberg und Hannover wollen im Abstiegskampf nicht klein beigeben. Als Vorbild bemühen die Bundesliga-Kellerkinder das märchenhafte Königsklassen-Comeback von Jürgen Klopps FC Liverpool.

(Abstiegs-)Not macht erfinderisch. Und treibt mitunter seltsame Blüten. So wählte nicht bloß Nürnbergs Kapitän Hanno Behrens einen kreativen, aber doch etwas schiefen Vergleich mit den wilden Ereignissen in der Champions League, um die verbliebenen Hoffnungen der Kellerkinder auf den Bundesliga-Klassenerhalt auszudrücken.

„Wenn man sieht, wie Liverpool da zurückgekommen ist - niemand hat das erwartet. Genauso erwartet niemand das bei uns, deswegen haben wir die Chance, das noch zu schaffen“, sagte Behrens vor dem Heimspiel des FCN gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag - und er sprach damit auch Schlusslicht Hannover 96 aus der Seele.

„Wir haben gesehen, was Glaube und Mentalität bewirken können. Das ist das Geile im Fußball“, sagte Trainer Thomas Doll auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel der Niedersachsen gegen den SC Freiburg: „Wir sollten an unsere Chance glauben.“ Sein Glaube an den Klassenerhalt sei „sehr groß“.

Der Ligaverbleib der Niedersachsen wäre, so der Coach, verglichen mit den Comeback-Siegen vom FC Liverpool und Tottenham Hotspur in den Halbfinalspielen der Königsklasse ein noch „größeres Wunder, weil wir schon vor Wochen abgeschrieben waren“. Aber, schränkte Doll ein, „wir sollten uns nicht mit solchen Truppen vergleichen“.

Nicht bloß sportlich, auch sonst hinkt der Vergleich: Während Jürgen Klopps Himmelsstürmer und Tottenhams Endspurt-Könige ihr Schicksal selbst in der Hand hielten, muss bei den Bundesliga-Kellerkindern einiges zusammenkommen. Die Chancen auf ein ähnlich märchenhaftes Comeback von Nürnberg und Hannover sind gering.

Fünf bzw. sechs Punkte beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz vor den letzten beiden Spieltagen. Nürnberg (gegen Gladbach, in Freiburg) und Hannover (gegen Freiburg, in Düsseldorf) müssen ihre verbleibenden Spiele also beide gewinnen und gleichzeitig auf zwei Ausrutscher des VfB Stuttgart (gegen Wolfsburg, auf Schalke) hoffen. „Ich weiß, dass die Chance sehr, sehr klein ist und dass wir ein kleineres, mittleres Wunder brauchen“, sagte FCN-Trainer Boris Schommers, aber: „Ich glaube an diese Chance. Warum sollte ich es nicht tun?“

Ganz ähnliche Töne sind in Hannover zu vernehmen, wo man plötzlich dem Wolfsburger Lokalrivalen die Daumen drückt. Besondere Motivationsmaßnahmen seien für den Europacup-Aspiranten aber nicht nötig, versicherte Doll: „Ich glaube nicht, dass ich Bruno mit einem Kasten Bier beeindrucken kann.“ Auch Nürnbergs Behrens outete sich vor dem Wochenende als „absoluter“ Wölfe-Fan.

Beispiele aus der Vergangenheit sind es, die den beiden abgeschlagenen Teams Mut machen. So bekam ausgerechnet der VfB Stuttgart bei seinem letzten Abstieg 2016 auf der Zielgeraden das große Nervenflattern und brachte zehn Punkte Vorsprung in den verbleibenden neun Spielen am Ende nicht durch.

Doch so weit will es der VfB in diesem Jahr nicht kommen lassen, schon am Samstag gegen 17.20 Uhr soll nach seinem Gusto alles entschieden sein. Mit einem Heimsieg gegen Wolfsburg könnte Stuttgart den Doppel-Abstieg der beiden Kontrahenten besiegeln. Für Hannover wäre es Abgang Nummer sechs, für Rekord-Absteiger Nürnberg gar Nummer neun.

„Verdient“ haben sich beide Klubs den erneuten Gang in die Zweitklassigkeit allemal. Seit dem 15. Spieltag, es war nicht einmal Weihnachten, belegen sie ohne Unterbrechung die beiden direkten Abstiegsplätze. Beiden Teams gelangen in den 17 Spielen seitdem jeweils noch sage und schreibe acht Zähler. (sid)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion