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Klinsmanns Peinlichkeiten

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Jürgen Klinsmann kann es nicht lassen. Auf eine Selbstdemontage folgt die nächste. Ein Kommentar.

Jürgen Klinsmann bleibt sich treu, so viel steht fest. Wenn er etwas mache, dann mache er es zu hundert Prozent, hatte der Bäckerssohn gesagt, als er Trainer von Hertha BSC wurde, im November 2019. Trainer von Hertha BSC ist Klinsmann jetzt nicht mehr. Die Gründe dafür hat er schnell in verschiedenen Facebook-Beiträgen dargelegt, die einer Selbstdemontage gleichkamen, was nicht daran lag, dass modern denkende Menschen – zu denen sich Klinsmann natürlich zählt –, eigentlich viel lieber bei Instagram sind.

Ohne jeden Zweifel und wirklich zu hundert Prozent unmöglich hat Klinsmann sich so aber noch nicht machen können. Das ist ihm erst zuletzt gelungen. Plötzlich war die „Bild“ im Besitz eines mysteriösen Protokolls, das Klinsmann über seine Berliner Zeit niederschrieb und in dem alles und jeder beim Bundesliga-Klub niedergemacht wird, vor allem aber der Manager Michael Preetz. Der sei ja auch schuld, dass Ralf Rangnick nicht als Trainer nach Berlin kommen wollte, nicht unter dem Vorgesetzten Preetz jedenfalls. Dass Rangnick dem nun widersprach über seinen Manager („In keiner Weise hat Ralf davon gesprochen, dass er ein Engagement ausschließt, weil Michael Preetz dort Geschäftsführer Sport ist und damit sein Vorgesetzter wäre“) passt ins Gesamtbild. Klinsmann schlägt um sich und trifft die eigene Nase.

Es ist alles eine einzige, hundertprozentige Peinlichkeit. Wer sich die seltsamen Tagebücher durchliest, entdeckt nicht ein Wort der Selbstkritik von Klinsmann. Alles toll, und wenn etwas nicht toll ist, sind die anderen schuld. An der Niederlage im ersten Spiel gegen Dortmund: der Schiedsrichter. Am 2:2 nach 2:0-Führung bei Eintracht Frankfurt: die schlechte Kondition des Teams und also die Fitnessarbeit des alten Trainerteams. Ein Gegner wie der SC Freiburg wird nach einem erbarmungswürdigen 1:0-Sieg in die Kategorie „Top-Team“ geschoben, und dass Hertha stets Mauerfußball zum Davonlaufen zeigte, wird sowieso unterschlagen. Hinzu kommen Zeugnisse der Spieler, die in seltsamem Deutsch vor allem nach ihrem „Mehrwert“ beurteilt werden und daran, wie „leidensfähig“ sie sind. Ein wenig Würde wünscht man sich da, für alle Beteiligten. Und wenn es nur ein Prozent wäre.

Bericht Seite 24

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