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Jürgen Klinsmann kann sich einen Manager-Job beim VfB Stuttgart vorstellen.

VfB Stuttgart

Klinsmanns Bewerbung

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Jürgen Klinsmann bringt sich beim VfB Stuttgart in Erinnerung. Ganz so schnell dürfte es aber nicht mit einer Rückkehr ins Ländle funktionieren. Ein Kommentar.

Jürgen Klinsmann und sein umtriebiger Berater Roland Eitel kennen aus langjähriger Erfahrung jedes einzelne Getriebeteilchen des Medienbetriebs im Fußballbusiness, und sie wissen die Teilchen als Netzwerker filigran zu nutzen. Im Sommer 2004, als ganz Deutschland mit zunehmender Verzweiflung einen Bundestrainer als Nachfolger von Rudi Völler suchte und einer nach dem anderen (außer Lothar Matthäus) dankend absagte, wäre niemand ernsthaft auf die Idee gekommen, den Wahl-Kalifornier in Huntington Beach anzurufen, um ihn um Hilfe zu bitten.

Erst, nachdem Klinsmann sich mit einem berühmt gewordenen Interview via „Süddeutscher Zeitung“ in Position gebracht hatte, nahm die Sache Fahrt auf. Man müsse im DFB „den ganzen Laden auseinandernehmen“ und „jeden Stein umdrehen“, ließ er damals wissen. Ein paar Tage später war Jürgen Klinsmann Bundestrainer und leitete das Projekt Sommermärchen als Vielflieger, immer unangepasst, niemals zaudernd, zunächst noch störrisch rumpelnd, am Ende smooth zu Platz drei im eigenen Land. So schnell kann das gehen. Und fast genauso schnell war er dann auch wieder weg.

Nach der krachend gescheiterten Versuchsanordnung beim FC Bayern schien es dann, als sei der Ur-Schwabe seiner strukturkonservativen Heimat vollends überdrüssig geworden. Und sie umgekehrt auch ihm, dem ewigen Antreiber und anstrengenden Querdenker. Inzwischen ist das wieder anders. Denn inzwischen dünkt Klinsmann düster, dass in Kalifornien auch Sonne, Meer und Starbucks auf Sicht zu wenig für einen ausgefüllten und überdies verfrühten Lebensabend eines Rastlosen wie ihn sein dürften. Zumal die Kinder bald alle aus dem Haus sind. 

Insoweit macht es Sinn, sich daheim in Erinnerung zu bringen, sich dabei Eitels Connections zunutze zu machen und aufs große Herz für den dahindümpelnden VfB Stuttgart hinzuweisen. Genau jenen Klub, in dem Sportdirektor Michael Reschke gerade schwer in Bedrängnis geraten ist und just besonders weithin hörbar von Klinsmann-Spezi und VfB-Aufsichtsrat Guido Buchwald. Ein Schelm, wer Zufälliges dabei denkt. 

Ganz so schnell, wie der einstige Irrwisch zum Bundestrainerjob galoppierte, dürfte es dieser Tage aber eher nicht mit einer Rückkehr ins Ländle funktionieren. Wiewohl der knorrige VfB-Präsident Wolfgang Dietrich für einschneidende Maßnahmen ohne Zeitverzögerung bekannt ist. Manager Schindelmeiser sowie die Trainer Wolf und Korkut sind im Angesicht von Dietrichs brachialer Entscheidungsfreude bereits abgeschlossene Vergangenheit beim VfB. Wenn die Zukunft Klinsmann heißen sollte, müsste der machtbewusste Klubchef freilich gehörige Abstriche im Kompetenzzentrum machen. Noch ist der Leidensdruck nicht stark genug. Mit der Betonung auf „noch“. 

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